Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Ich bin ein lebender Cartoon»

Eben war er Madonna – jetzt ist er Michael Jackson: Der Italiener Ennio Marchetto vermag sich in einer turbulenten Show blitzschnell durch Entfalten seiner Papierkostüme in unzählige Stars zu verwandeln. Am Donnerstag tritt der Imitator und Papierkünstler am Kulturfestival auf.
Michael Santen
Ennio Marchetto entfaltet auf Papier mit Witz und Raffinesse ein vielfältiges Figurenarsenal vom Gospelchor bis zu Dolly Parton. (Bild: pd)

Ennio Marchetto entfaltet auf Papier mit Witz und Raffinesse ein vielfältiges Figurenarsenal vom Gospelchor bis zu Dolly Parton. (Bild: pd)

Herr Marchetto, welche Qualifikation muss eine prominente Figur eigentlich haben, damit sie in Ihrer Show vorkommt?

Ennio Marchetto: Die Person und auch die Musik dazu – beides muss dem Zuschauer bekannt sein. Wenn ich selbst das Lied auch noch mag, umso besser. Und wenn es ein Musiker ist, den ich imitiere und er eine Stimme mit Charakter hat, also einmalig ist, macht es die Nummer noch interessanter. Viele der heutigen Pop-Sternchen klingen gleich, das macht es mir schwer.

Entscheiden Sie alleine, ob jemand als Persiflage ins Programm kommt, oder gibt es Anregungen von aussen, beispielsweise von Fans?

Marchetto: Bevor ich in andere Länder gehe, bitte ich die lokalen Veranstalter, mir Informationen über einheimische Stars und Sänger zu geben. Vor Jahren in der Türkei, da habe ich sogar zwei türkische Promis ins Programm genommen. Das Publikum schätzt so etwas sehr – und mir machen solch neue Elemente in der Show richtig Spass.

Gibt es Charaktere, die Sie niemals spielen würden?

Marchetto: Ja. Ich stelle eigentlich keine Politiker dar. Meine Show soll ablenken von der Tagespolitik und all den unerfreulichen Geschehnissen auf der Welt. Anderseits spiele ich durchaus auch einmal eine Figur der Zeitgeschichte, wenn es eine Ikone ist – zum Beispiel Mao oder den Papst. Und dann gibt es noch diese goldene Regel: «Imitiere nie andere Comedians! Du kannst niemals komischer sein als das Original!»

Wie viele Figuren haben Sie bis heute denn insgesamt schon auf die Bühne gebracht?

Marchetto: Exakt weiss ich das gar nicht, aber etwa 350 werden es sein.

Wenn Sie die Show aktualisieren und Figuren rausschmeissen, was ist dabei entscheidend?

Marchetto: Wenn mich ein Charakter langweilt, fliegt er raus. Und wenn einer meiner Promis stirbt, dann spiele ich ihn aus Respekt eine Zeitlang nicht. Später nehme ich ihn dann vielleicht wieder ins Programm auf, quasi als Hommage.

Wie viele Exemplare eines jeden Kostüms gibt es? Das eine oder andere dürfte bei den rasanten Wechseln doch kaputtgehen.

Marchetto: Ich reise nur mit einem Kostümset. Natürlich gibt es Reservekostüme, die mir nachgesandt werden, wenn es nötig ist. Aber richtig kaputt geht selten etwas; nach einer Show muss nur hier und da mal ein bisschen repariert werden.

Wie trainieren Sie eigentlich diese blitzschnellen Kostümwechsel?

Marchetto: Ich hab kein spezielles Training, die ständigen Auftritte sind Training genug. Das Allerwichtigste ist, dass die Kostüme perfekt präpariert sind, damit in der Show jeder Handgriff sitzt und in Sekundenschnelle glückt. Vorher, beim Präparieren, da darf kein Fehler passieren, das würde sich sonst in der Show bitter rächen.

Als was sehen Sie sich eigentlich selbst? Als Comedian, Schauspieler, Tänzer oder Imitator?

Marchetto: Ich bin ein lebender Cartoon. Da fliessen alle vier Bezeichnungen ein, die Sie gerade genannt haben. Und natürlich gehört dazu noch Origami, die japanische Kunst des Papierfaltens.

Welcher Prominente, den Sie gespielt haben, hat Sie nach einer Show schon angesprochen? Und was sagten sie über die Persiflage?

Marchetto: Oh, ich hab schon etliche Charaktere «in natura» getroffen. Darunter beispielsweise Elton John, George Michael, Königin Beatrix, Tina Turner und Roger Moore. Und 95 Prozent von ihnen waren zufrieden mit meiner Version oder amüsiert. Liza Minelli fand meine Show klasse. Das war eine wunderbare Begegnung. Sie ist eine Ikone.

Wie testen Sie neue Figuren?

Marchetto: Ich probiere sie erst x-fach vor einem Spiegel oder einer Videokamera aus. Oft mit Freunden. Aber der beste Test ist immer noch der vor Publikum. Manchmal haben wir auch während einer Tour eine neue Idee und testen sie gleich am Abend in der Show.

Do, 24.7., Kulturfestival St. Gallen, Hof Historisches und Völkerkundemuseum, 21 Uhr (Tür/Bar 18.30)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.