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«Ich bin auch mal peinlich»

Porträt Der Schauspieler Fabian Krüger ist im Appenzellerland aufgewachsen und steht nun am Burgtheater in Wien auf der ganz grossen Bühne. Daneben spielt er gerne in Schweizer Filmen die Hauptrolle oder träumt von einem Haus mit Garage und einem Wurst-Käse-Salat zum Znacht. Katja Fischer De Santi
Er schaut im wirklichen Leben selten so ernst wie hier im aktuellen Kinofilm «Rosie», wo Fabian Krüger Sorgen um seine pflegebedürftige Mutter plagen. (Bild: pd)

Er schaut im wirklichen Leben selten so ernst wie hier im aktuellen Kinofilm «Rosie», wo Fabian Krüger Sorgen um seine pflegebedürftige Mutter plagen. (Bild: pd)

Wie ein zu gross gewachsener Bub lümmelt er auf dem weichen Sessel des Cafés herum. Er weiss nicht, was er bestellen soll, und will dann doch unbedingt das Gleiche trinken wie sein Gegenüber. Er wirft sich in Pose, gestikuliert, sinniert und redet in Halbsätzen, die in bühnentauglichen Ausrufen wie: «Ich bin das Kunstwerk!» enden.

Pfarrer oder Schauspieler

Fabian Krüger ist zweifelsfrei für die Bühne geboren. Im richtigen Leben wirkt an ihm alles ein Tick übertrieben, um nicht zu sagen theatralisch. Quecksilbrig ist wohl der Zustand, der den bald 42jährigen Schauspieler am besten umschreibt. Wäre er nicht Schauspieler geworden, katholischer Pfarrer wäre seine zweite Wahl gewesen. Wegen der Lust am Predigen. «Und eine Haushälterin hätte ich auch gerne.» Witz und Ernst sind bei einem wie Krüger kaum voneinander zu trennen.

Einem breiten Publikum bekanntgeworden ist der in Appenzell Ausserrhoden aufgewachsene Theaterschauspieler durch seine drei Hauptrollen in Schweizer Filmen. In «Der Sandmann» spielte er 2011 den verknöcherten Briefmarkenexperten Benno, der nächtens immer mehr Sand lässt. Ein kafkaesker Plot, ganz nach Krüger'scher Art. Dieses Jahr meisterte er in «Verliebte Feinde» die Aufgabe, den seltsam irreal gewordenen Peter von Roten glaubwürdig zu machen, einen gescheiten, offenen Mann, der aber vor der Hochzeit keine Frau küssen wollte. Etwas einfacher – weil näher an der eigenen Biographie – fiel ihm die Rolle in «Rosie». Nicht nur, dass der Film in Altstätten, somit nah an seinen Kindheitsorten spielt, er thematisiert zudem die Beziehung zwischen Künstler-Sohn und um Eigenständigkeit kämpfender Mutter (siehe Kasten).

Sehnsuchtsorte in Appenzell

Schön sei es gewesen, für die Dreharbeiten mit Regisseur Marcel Gisler in die Ostschweiz zurückzukehren, erzählt er. Er träume viel von der satten, grünen Landschaft des Appenzellerlands, gesteht er und zeigt auf seinen Gurt, auf dem goldene Kühe spazieren. Schlafend besuche er den Gäbris, sehe den Säntis und Trogen. Seine Sehnsuchtsorte.

14 Jahre lebte Krüger in Trogen, wo sein Vater in einem Heim für behinderte Kinder als Heilpädagoge arbeitete und seine Mutter für alle Bewohner kochte. Normal sein, anders sein, Begrifflichkeiten, die für Fabian Krüger seit dieser Zeit keine grosse Bedeutung mehr haben.

Leer ausgegangen

Im Traum sehe er sich auch oft ein Haus suchen und sesshaft werden. Da spricht einer, der neben der Bühne schon länger keine Heimat mehr hat. Mit Wien, wo er seit 2009 am Burgtheater engagiert ist, sei er nicht warm geworden. Vielleicht, weil er an diese noble Adresse nicht passen will und weil er unter den dortigen Altstars nur eine kleine Nummer ist. «Der Schweizer, der jetzt auch noch Filme macht», bemerkt er selbstironisch. Dass ihn das kränkt, kann er nicht verbergen. Auch nicht, dass es ihn fuchst, trotz zweifacher Nominierung den Schweizer Filmpreis diesen Frühling nicht bekommen zu haben.

Hart erarbeitete Flapsigkeit

Denn auch wenn bei ihm alles leicht und verspielt aussieht, Fabian Krüger ist ehrgeizig. Er trainiert sich jegliche Unsicherheit ab. «Meine Flapsigkeit ist hart erarbeitet.» Er geht bis an die Grenzen des Erträglichen. Etwa wenn er sich in Schillers «Kabale und Liebe» in der Rolle des Wurms einen Abend lang auch wirklich windet wie ein Wurm. «Ich riskiere viel, wenn ich auf der Bühne stehe. Das kann auch mal peinlich werden, aber das nehme ich gerne in Kauf.» Schon in der Schauspielschule in Zürich habe er «mehr gemacht» als alle anderen. «Nach dem Abschluss hat mich aber doch niemand engagieren wollen.» Also begann er bei der Freien Theatergruppe 400asa mitzutun. Kurz darauf folgte ein Engagement am Maxim-Gorki-Theater in Berlin. Doch die Liebe machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Er floh zu Matthias Hartmann nach Bochum. Hartmann nahm ihn später mit nach Zürich, wo Krüger zwischen 2005 und 2009 mit verschrobenen, oft auch komischen Gestalten zum Publikumsliebling avancierte. Gerüchten zu Folge seien während seiner Spielzeit die hinteren Ränge des Schauspielhauses überdurchschnittlich oft mit Gymnasiastinnen besetzt gewesen.

Zu wenig Rampenlicht in Wien

Und nun also das Wiener Burgtheater. Viel höher kann man als Schauspieler nicht steigen. In sechs verschiedenen Stücken spielt Krüger in Wien zurzeit. Warum beginnt dann einer sich just in dieser Zeit mit Filmen zu beschäftigen?

Sind ihm die Stoffe des Burgtheaters doch zu klassisch, die Aufführungen zu konventionell, und ist das Bühnenlicht zu wenig auf ihn fixiert? «Von allem ein wenig», sagt er. Aber der Film sei zu ihm gekommen, bevor er ihn gesucht habe. Der Regisseur Peter Luisi habe ihn für seinen Film «Der Sandmann» von der Bühne weg engagiert. Und er hatte Lust auf etwas Neues. Denn vom Filmemachen, sagt er, habe er auch jetzt noch immer keine Ahnung: «Da find ich alles unheimlich spannend, wie ein Bub, der mit Autöli spielt.»

Apropos Autöli. Irgendwann, sagt Krüger, bevor er zu einem dieser satt gefressenen Schauspieler werde, wolle er sich wirklich ein Haus auf dem Land kaufen. «Mit einer grossen Garage und einer Werkstatt, damit ich den ganzen Tag an alten Autos herumbasteln kann. Und zum Znacht macht mir meine Frau einen Wurst-Käse-Salat.» Er sagt das so ernst, dass man es ihm fast glaubt, aber eben nur fast.

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