Animationsfilme
«Ice Age» im Kunst-Museum: Erfolgs-Haus ohne eigenen Haus-Stil

Der fünfte «Ice Age»-Film wird von einer Ausstellung nach Europa begleitet: Die Kunst von Blue Sky Studios ist bis Herbst im Pariser Museum «Art Ludique» zu sehen.

Marlène von Arx
Merken
Drucken
Teilen
Eine frühe Skizze vom Eiszeit-Nagetier Scrat, einem der "Stars" der Blue Sky Studios.

Eine frühe Skizze vom Eiszeit-Nagetier Scrat, einem der "Stars" der Blue Sky Studios.

«Jetzt kann man mal sehen, wie viel Arbeit in einem Animations-Film steckt, die man auf der Leinwand gar nie sieht.» «Ice Age»-Charakter-Designer Peter de Sève steht vor einer frühen Skizze von Scrat, das Eiszeit-Nagetier und heimlicher Star der «Ice Age»-Filme, dessen einziger Sinn im Leben es ist, einer Eichel nachzujagen, die er prompt im letzten Moment immer wieder verliert.

Rechtzeitig zum Kino-Start von «Ice Age: Kollision Voraus!», dem fünften Abenteuer um eine Gruppe von urgeschichtlichen Tieren, stellt das Museum «Art Ludique» in Paris die Kunst der Blue Sky Studios aus. Blue Sky ist nach Pixar und Dreamworks das drittgrösste amerikanische Animation-Haus und ist vor allem bekannt für die «Ice Age» und «Rio»-Filme, sowie das Charlie-Brown-Update «Peanuts: The Movie».

Oscar für «Bunny»

Peter de Sève ist ein gefragter Illustrator, dessen Zeichnungen oft das Cover des Magazins «The New Yorker» zieren. Zum Zeichentrickfilm kam er 1996, als Disney ihn für «The Hunchback of Notre Dame» engagierte. Nach den Pixar-Filmen «A Bug’s Life» und «Finding Nemo» landete er schliesslich bei Blue Sky.

1987 von CGI-Pionieren gegründet, wurde die Firma 1997 von 20th Century Fox gekauft. Zwei Jahre später erhielt Blue Sky für «Bunny» den Oscar für den besten Animations-Kurzfilm, und seit dem Hit «Ice Age» (2002) konzentriert sich das ehemalige EffekteUnternehmen ausschliesslich auf digitale Animations-Filme.

«Da ‹Ice Age› der erste Film war, gab es noch keinen Look, so wie Pixar oder Disney einen Look haben», erinnert sich der 57-jährige de Sève. «Ich musste mich an nichts Vorgegebenes halten und so sieht man in der Ausstellung auch, dass meine Zeichnungen zum ersten Film querbeet sind. Die einen sind realistisch, die anderen eher grotesk und absurd.»

Ganz unterschiedliche Looks

Die in Greenwich, Connecticut, beheimateten Blue Sky Studios haben immer noch keinen Haus-Stil, findet de Sève: «Ich glaube nicht, dass man einen Blue-Sky-Film automatisch als solchen erkennt. «‹Robots› hat einen ganz anderen Look als ‹Epic›, ‹Ice Age› oder ‹The Peanuts Movie›. Zum Glück, denn so ist immer alles möglich.» So experimentierte Designer Greg Couch beispielsweise mit einem Mix aus Farbe und Salz, um eine neue Textur für die Landschaften in «Epic – Verborgenes Königreich» (2013) zu schaffen.

In der Ausstellung stechen visuell insbesondere die Carmen-Miranda inspirierten Karneval-Spielereien von «Rio 2» (2014) und die impressionistischen Lightbox-Landschaften von «Epic» heraus, ein zu Unrecht unterbewertetes SOS der Natur in Form einer mittelalterlichen Fantasy um das Waldvolk der Mini-Blattmenschen.

Überhaupt fühlen sich Blue-Sky-Filme sehr der philosophischen und ästhetischen «Theory of The Sublime», dem Erhabenen der Natur, verpflichtet: Von der prähistorischen Schmelze, Kontinental-Verschiebung und nun die Bedrohung durch einen Asteroiden in den «Ice Age»-Filmen, über die zu rettende Knospe, die den Fortbestand der Blattmenschen in «Epic» garantieren soll, bis zur ‹Retour à la nature›-Thematik von «Rio» und «Rio 2», in dem ein kleiner blauer Ara-Vogel seine Art vor dem Aussterben retten muss und es schliesslich mit den Bösewichten der Regenwald-Rodung aufnimmt.

Inspiriert vom 19. Jahrhundert

Die Inspiration der Blue-Sky-Zeichner, so erfährt man in der Ausstellung «L’Art de Blue Sky Studios», ist vielseitig. Sie geht auf die Werke des deutschen Illustrators Heinrich Kley aus dem 19. Jahrhundert zurück, führt über die Früh-Animation von Winsor McCay («Gertie, the Dinosaur», 1914) bis hin zum Motor eines Schnellboots aus dem Familien-Fundus von Blue-Sky-Mitbegründer Chris Wedge.

Die Revolution im Animationsfilm hat ein Umdenken im Kopf von Peter de Sève gefordert. Mit dem Aufkommen der 3-D-Animation musste er beispielsweise lernen, «volumetrischer» zu denken: «Ich hatte einen Tiger mit schwarzen, Flammen-Haaren im Nacken entworfen und alle fanden es toll – bis jemand von der 3-D-Modellier-Abteilung fragte, wie das denn von der Seite aussehen soll. Ich hatte keine Ahnung. Ich hatte die Volumen-Aspekte nicht in Betracht gezogen. Was als Zeichnung gut aussieht, funktioniert räumlich nicht automatisch.» An einem regnerischen Tag im Museum schon.

L’Art de Blue Sky Studios Ausstellung bis zum 18. September im Musée Art Ludique, 34 quai d’Austerlitz, Paris.