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Hymne an die subversive Fantasie in der Poesie

Lesbar Literatur

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Gertrud Leutenegger Das Klavier auf dem Schillerstein. Nimbus- Verlag, 80 S., Fr. 25.-

Die elf Texte dieses Bandes aus den Jahren 1989–2016 demonstrieren den poetischen Eigensinn der Autorin. Wie gelangt ein ­Klavier auf den Schillerstein? Leuten­egger veranschaulicht mit dem absurd schönen Bild in einer Rede das «subversive Verfahren» des Kollegen Giovanni Orelli. Das verwegene Komponieren, mit dem die Welt in ein Zwielicht des funkelnden Fantastischen getaucht wird, bezeichnet auch ihre eigene Schreibweise. Etwa in der Erfahrung eines Stromausfalls, der das beschauliche Valle ­Muggio ins Dunkel hüllt. Diese ­verbindet sich ganz natürlich mit den «Hymnen an die Nacht» und so mit der Universalpoesie des Dichters Novalis. Gertrud Leuten­egger erkennt in ihr eine Idee von «hinreissender Lebendigkeit». In «Ruinen» begegnet sie den traurigen Resten des Furkagletschers, der mit Planen vor der Sonne und zugleich vor den Blicken der Reisenden verhüllt wird. Wie furchteinflössend waren diese Gletscher einst, als ein Reisender wie Rimbaud eigens dafür den Weg durchs Gebirge suchte, um danach in der Wüste zu verschwinden. Solche poetischen Imaginationen verleihen den Feuilletons Glanz.

Beat Mazenauer/SDA

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Nils Knoblich Fortmachen, Edition Moderne, 184 S., Fr. 37.–

Ganz normales Drama einer DDR-Ausreise

Die Helden in Nils Knoblichs Comic sind keine Dissidenten oder an der Grenze Erschossene. Sondern er zeigt in 17 Kapiteln exemplarisch die Stationen einer Ausreise aus der ehemaligen DDR aus der Perspektive der eigenen Familiengeschichte mit durchschnittlichen Menschen: von der Bevormundung in der Erziehung bis zu den Schikanen beim ­Ausreiseantrag Ende der 1980er-­Jahre. Fast 400000 DDR-Bürger sind zwischen 1961 und 1988 in die BRD ausgereist. Der tausendfache Exodus wird vom Comic-Zeichner und Illustrator Knoblich mit Jahrgang 1984 in einem ­detailgenauen, allerdings etwas kindlichen Zeichenstil dokumentarisch rekonstruiert: Vom aufgezwungenen Wehrunterricht in der Grundschule über geöffnete Briefe aus der BRD, von Ost-West-zerrissenen Familien und der akribischen Stasi-Bürokratie. Man hat hier ein kompaktes, persönliches Geschichtsbuch über die DDR in Händen.

Hansruedi Kugler

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