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Hundert Stunden auf der Gasse

Gabriela Falkner hat ihr Atelier in den letzten paar Wochen in die St. Galler Zeughausgasse verlegt. Dort fing sie mit ihrer Kamera den Alltag ein und dokumentierte ihn auf Pflastersteinen. In der Galerie vor der Klostermauer zeigt sie nun ihre Ausbeute.
Christina Genova
Die Fundstücke auf den Pflastersteinen erzählen vom Leben in der stillen Zeughausgasse. (Bild: Gabriela Falkner)

Die Fundstücke auf den Pflastersteinen erzählen vom Leben in der stillen Zeughausgasse. (Bild: Gabriela Falkner)

ST. GALLEN. In den letzten Wochen hatte die stille Zeughausgasse eine neue Bewohnerin. Eine, die fast täglich aufmerksam mit ihrer Kamera die gepflästerte Strasse auf und ab lief, immer mit geneigtem Kopf den Boden absuchend. Manchmal drückte sie auf den Auslöser und bückte sich, um das eine oder andere Fundstück aufzuheben. Scherben, Schokoladenpapier oder Gummibärchen las Gabriela Falkner auf; nur bei Zigarettenstummeln weigerte sie sich standhaft. Die Zahl ihrer Trouvaillen ist überschaubar, denn die Zeughausgasse ist – wie die Künstlerin feststellen musste – ein äusserst sauberer Ort. Ihre Fundstücke hängen nun an einer etwas versteckten Stelle in der Galerie vor der Klostermauer.

Das Atelier auf der Gasse

Aus Anlass ihrer 300. Ausstellung hat die in der Zeughausgasse beheimatete Galerie die Herisauer Künstlerin eingeladen, für einmal nicht im Atelier, sondern draussen auf der Gasse an einem ortsspezifischen Projekt zu arbeiten. «In der Alltäglichkeit bin ich daheim», lautet dessen Titel. Gewiss über hundert Stunden verbrachte Gabriela Falkner in der Gasse: «Ich eignete sie mir an.»

Das Angebot der Galerie, die Künstlerin bei der Arbeit zu beobachten, wurde rege genutzt: «Anfangs war es ungewohnt für mich, der Öffentlichkeit mit einem unfertigen Werk gegenüberzutreten.» Schon früh wusste Gabriela Falkner, dass sie die Gasse in die Galerie bringen wollte. Doch ihre ursprüngliche Idee, deren Pflästerung im Innenraum fortzusetzen, liess sich alleine schon wegen des Gewichts der Steine – jeder wiegt zwischen zwei und drei Kilo – nicht realisieren.

Über 200 Steine hat Gabriela Falkner dennoch in das obere Stockwerk der Galerie gebracht. Zur Verfügung gestellt hat sie ihr der Werkhof Waldau. Die Fotos ihrer Fundstücke hat die Künstlerin auf dickes Papier ausgedruckt und damit in nassem Zustand die Pflastersteine überformt. So sind sie zu Bildträgern geworden für den von der Künstlerin fotografisch eingefangenen Alltag in der Gasse.

Neben Fotografien von verlorenen und weggeworfenen Dingen hat Gabriela Falkner in über hundert Bildern flüchtige Begegnungen mit Velofahrern, Postboten, Kurieren, Schülern oder Autofahrern festgehalten und damit die Gasse als Durchgangsort dokumentiert. Diese Fotos projiziert sie an die Wand der Galerie, über eine zerdrückte Kartonschachtel, ebenfalls ein Fundstück aus der Gasse.

Heimweh und Erleichterung

Im unteren Stockwerk zeigt Gabriela Falkner weitere Pflastersteine; darauf sind ausschliesslich Ausschnitte von Fassaden der Gasse in Schwarz-weiss abgebildet. Ausserdem ist dort die Skulptur des Steinbildhauers Roland Stiefel aus seiner Serie «Fisch wird Stein» zu sehen. Sie ist ebenfalls im Rahmen des Galerie-Jubiläums entstanden.

Wird Gabriela Falkner die Zeughausgasse vermissen? «<Ich habe jetzt schon Heimweh, bin gleichzeitig aber auch froh.» Das Schleppen der Steine und das viele Bücken hat ihrem Rücken zugesetzt. Als letzten Akt wird sie die eingesammelten Fundstücke der definitiven Entsorgung zuführen.

Ausstellung: 27.–30.8.: Do/Fr 18–20, Sa 11–15, So 10–12 Uhr. Museumsnacht vom 5.9. 18–01 Uhr.

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