Humor, laut und leise

Schnee hat Arosa derzeit wenig zu bieten, dafür bis zum Wochenende vielfältigen Humor. Ruedi Meyer bescherte dem Humorfestival mit «Der Kontrabass» eine Sternstunde.

Peter Hummel
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Da geht die Post ab: Schmidi Schmidhausers Chica Torpedo am Aroser Postplatz-Open-Air. (Bild: Peter Hummel)

Da geht die Post ab: Schmidi Schmidhausers Chica Torpedo am Aroser Postplatz-Open-Air. (Bild: Peter Hummel)

Kaum je hatte es am Arosa-Humor-Festival so wenig Schnee, gar noch nie gab es überhaupt keinen Skibetrieb. Da kommt dem Anlass wieder die Bedeutung zu, welche ihm Festivalinitiant Florenz Schaffner vor 23 Jahren zugedacht hatte – die Belebung der Vorsaison. Inzwischen ist das Festival längst ein Selbstläufer, mindestens an den Wochenenden.

Stand-up und Sprachkunst

Schön, dass sich an den ruhigeren Tagen dazwischen zwei intimere Schauplätze etabliert haben, wo es auch Entdeckungen zu machen gibt. Zum einen die Blatter-Bühne, wo diese Woche Stefan Büsser bewies, dass in der Schweiz verheissungsvolle Stand-up-Komiker heranreifen, und der Deutsche Nico Semsrott demonstrierte, dass es unter den Jungen auch wahre Sprachkünstler gibt.

Zum andern der Kursaal: Wie Ruedi Meyer das Theaterstück «Der Kontrabass» von Patrick Süskind in einer berndeutschen Version neu und minimalistisch interpretierte, gehörte zu den Sternstunden des diesjährigen Festivals.

Die Liebe des Kontrabassisten

Dicht und teils beklemmend zeichnete Meyer den Mikrokosmos des Kontrabassisten in seinem dreifach schallgedämpften stillen Kämmerlein auf: dessen Frust als allerletztes Mitglied des Orchesters. Dessen psychoanalytische Betrachtung einer fiktiven Liebe zur schönen Sopranistin; kurz, die ambivalente Beziehung zu seinem Instrument, das Freund und Geliebte, Feind und Hindernis zugleich ist.

80 Minuten Kontrabass, ohne einmal richtig zu spielen – das knüpfte nahtlos an die dadaistische Meisterleistung des Trio Ars Vitalis an, das in der legendären, bisher einmaligen Matinee des Festivals vor 18 Jahren ebenfalls brillierte, ohne ein einziges Stück zu spielen.

Richtig Musik gab es dafür am Montagabend, am mittlerweile traditionellen Postplatz-Open-Air. Schmidi Schmidhausers Chica Torpedo machte dem Namen alle Ehre und richtig Dampf – angesichts des Schneetreibens das einzig Richtige. Und am Mittwoch boten Schtärneföifi im Zelt das erste Kinderkonzert. Diese Premiere wurde allerdings mit einer sehr schwachen Aufwartung belohnt.

Starbugs mit erstem Programm

Auch andere längst nicht volle Vorstellungen zeigen, dass es immer noch schwierig ist, das Zelt zu füllen, wenn nicht Massenentertainer angesagt sind – wie Marco Rima, Claudio Zuccolini oder Sutter & Pfändler, die heuer zum wiederholten Mal auftreten. Immerhin packten auch die Schweizer Newcomer Starbugs die Chance und überzeugten mit ihrem ersten vollen Programm ein gut gefülltes Zelt. Und hochkarätige Gäste des deutschen Humors wie Eckart von Hirschhausen, Sissi Perlinger oder Jochen Malmsheimer schaut man sich ja gerne wieder mal an.

Exklusives Schlusswochenende

Am Wochenende bietet sich Gelegenheit für ein Wiedersehen mit drei weiteren hochklassigen Künstlern: Andreas Rebers, immer noch Kabarettist und nicht Comedian, und als würdiger Festivalabschluss Hutzenlaub & Stäubli, die beiden verbliebenen Chordamen der Acapickels. Dieses Wochenende bietet sich übrigens eine einmalige Anreisegelegenheit nach Arosa: Im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums der Bahnlinie Chur-Arosa verkehren Alpine-Classic-Expresse mit Pullmanwagen und «Geisterzüge», bei denen das Licht ausgeschaltet ist und dafür die befahrenen Schluchten und Sehenswürdigkeiten illuminiert werden.

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