Interview
Theater St.Gallen: Den «Hotzenplotz» könnte man öfter spielen

An vielen Bühnen wird im Dezember das Weihnachtsmärchen zig Mal vor ausverkauftem Haus gespielt. Nicht so am Theater St. Gallen: Es sei billig, sich so die Auslastungszahlen hochzutrimmen.

Julia Nehmiz
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Hans Jürg Müller treibt als Räuber Hotzenplotz an Weihnachten sein Unwesen im Theater. (Bild: Jos Schmid)

Hans Jürg Müller treibt als Räuber Hotzenplotz an Weihnachten sein Unwesen im Theater. (Bild: Jos Schmid)

Dezember ist Weihnachtsmärchenzeit. An vielen Stadttheatern in Deutschland wird das Kinderstück rauf- und runtergespielt, Doppel- oder gar Dreifachvorstellungen an einem Tag sind ­keine Seltenheit. Am Theater St. Gallen kennt man auch die Tradition des Weihnachtsstücks. Immer an Heiligabend wird nachmittags das aktuelle Kinderstück aufgeführt. Doch davor im Advent? Am 2. Dezember wurde «Neues vom Räuber Hotzenplotz» zuletzt gezeigt, am 23.12. steht die nächste Vorstellung an. Für Werner Signer, den kaufmännischen Direktor des Theaters, stimmt es genau so.

Kaufmännischer Direktor Werner Signer. (Bild: Urs Bucher)

Kaufmännischer Direktor Werner Signer. (Bild: Urs Bucher)

Werner Signer, warum wird «Hotzenplotz» im Advent nicht öfter gespielt?

Die Anzahl der Vorstellungen entspricht dem Bedarf. Unser Familienstück ist kein Weihnachtsmärchen, es wird von November bis Februar gespielt. Um Weihnachten herum können wir es gar nicht noch öfter spielen, da wird es am 23., 24. und 26. gezeigt.

Dann ist es ja doch eine Art Weihnachtsstück.

Wenn Sie das am Datum fest­machen wollen, dann haben wir noch eine ganze Reihe weiterer Weihnachtsstücke. Wir sehen Kinder- und Jugendtheater als ganzjährige Aufgabe an.

Die vielen Weihnachts­märchen-Vorstellungen im Dezember sind an anderen Häusern immer ausverkauft, das wirkt sich gut auf die Auslastungszahlen aus.

Sich so die Auslastung hochzutrimmen, ist billig. Und wir können im Dezember gar nicht öfter «Hotzenplotz» spielen, weil wir auch den anderen Sparten den entsprechenden Raum geben müssen und wollen.

An vielen Theatern wird nicht nur das Weihnachtsmärchen gespielt, da laufen abends die grossen Produktionen auf der Bühne.

Das trifft auch bei uns zu, soweit die Bühne nicht durch Proben besetzt ist. Wir spielen über die Festtage die ganze Palette, vom Familienstück über Schauspiel und Musical bis zur Oper.

Warum sind für«Hotzenplotz» keine Vormittags-Schulvorstellungen ­angesetzt?

Auch bei uns gibt es jeweils spezielle Vorstellungen für Schulklassen. Nur für Schulklassen zu ­spielen, wird unserem Haus nicht gerecht. Ich finde es ein gutes ­Erlebnis, mit der Familie ins Theater zu gehen, und nicht nur im Klassenverbund. Die 15 bis 17 Vorstellungen des Familienstücks entsprechen der Nachfrage.

Wenn Sie das Kinder- und Jugendtheater so hochhalten, warum gibt es dann nicht mehr Produktionen für junges Publikum?

Kennen Sie unseren Spielplan?

Ja.

Neben dem Familienstück haben wir vier weitere Stücke für Kinder und Jugendliche allein im Theater im Spielplan. Dazu kommt ein umfassendes Konzertangebot.

Naja, aktuell läuft «Hotzenplotz», ein Jugendstück, ein Kinderstück im Januar. Nichts für Kinder von 12 bis 16.

Bis vor kurzem lief für diese ­Altersgruppe im Studio das Stück «Räuberhände». Die Aktivitäten im Konzertbereich habe ich ­erwähnt. Die aktuelle Lok-Produktion «Verrücktes Blut» empfehlen wir für Jugendliche ab 16 Jahren. Und im März feiert unsere Kinderoper «Cinderella» Premiere.

Es geht nicht um Konzerte, es geht um Theater. Und die Kinderoper wird von Kindern gespielt, nicht von Profis.

Das bedeutet: Theater wird hier nicht nur vermittelt, sondern die Kinder können selber mitspielen – und das unter professioneller Anleitung. Das ist ein einzigartiges Angebot. Es freut mich, in einer Stadt mit 80000 Einwohnern solche Projekte zu ­stemmen.