Dokumentarfilm über Ingmar Bergman: Hommage an einen der grössten Cineasten

Mit «Searching for Ingmar Bergman» hat Margarethe von Trotta einen Dokumentarfilm über den schwedischen Kultregisseur realisiert. Ein etwas kritischerer Ansatz hätte dem Werk aber gutgetan.

Irene Genhart
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Die deutsche Regisseurin Margarethe von Trotta. Bild Praesens Film

Die deutsche Regisseurin Margarethe von Trotta. Bild Praesens Film

Ingmar Bergman gilt als einer der grössten Regisseure aller Zeiten. Seine Filme haben das europäische Kino der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts massgebend mitgeprägt, arrivierte Cineasten wie Woody Allen und Lars von Trier bezeichnen ihn als Vorbild. Bergmans letzter Kinofilm, das Familiendrama «Fanny und Alexander», gewann 1982 vier Oscars und gehört zu den besten Autorenfilmen aller Zeiten.

Obwohl er Meisterwerke realisiert hat, ist es seit Beginn des 21.Jahrhunderts ruhig geworden um den Schweden. Viele seiner Filme sind heute nur noch selten zu sehen. Ein Grund dafür dürfte die «Dogma»-Bewegung gewesen sein, die Mitte der 1990er ein erfrischendes neues skandinavisches Kino hervorgebracht hat. Aber weil der Dogma-Rausch abgeflacht ist und sich Bergmans Geburtstag 2018 zum 100.Mal jährt, ist dies ein Grund, sein Werk neu zu entdecken. Hand dazu reicht Margarethe von Trotta mit ihrem Dokumentarfilm.

Von Trotta erkundet das Besondere

Sie hat sich darangemacht, zu erforschen, welchen Einfluss Bergmans Werk auf ihr eigenes und das Schaffen anderer hat, nachdem ihr Drama «Die bleierne Zeit» (1981) als einziges von einer Frau realisiertes Werk auf Bergmans Liste mit den zehn für ihn einflussreichsten Filmen erschienen ist. Trotta eröffnet zum einen den Blick auf unvergessliche Szenen etwa aus «The Seventh Seal» oder «Persona» und erörtert im Gespräch mit Regisseuren wie Olivier Assayas und Carlos Saura sowie der Schauspielerin Liv Ullmann, worin das Besondere von Bergmans Filmen liegt. Für manche ist es Bergmanns ausgeklügelter Umgang mit Licht, für andere seine Neigung zum Traumhaft-Intim-Geheimnisvollen.

Ein etwas kritischerer Ansatz hätte diesem Film gutgetan, auch hätte sich dem Leben des gemeinhin oft als Herzensbrecher und Frauenheld porträtierten Bergman mehr abgewinnen lassen. Andererseits ist es gut, mehr über seine Arbeit als über allzu Privates zu erfahren. Es reicht, wenn man zum Schluss weiss, dass Bergmans Sohn Daniel seinen Vater nie als sonderlich liebevoll erfahren hat, aber gleichwohl in dessen Fussstapfen getreten ist.

Der Film läuft ab Donnerstag, 6, September 2018, im Stattkino, Luzern