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Rollentausch im Comic: «Homer, bring mir mein Bier!»

Der neue Band der schwedischen Feministin Liv Strömquist entblösst schamlos patriarchale Strukturen. Auch solche berühmter Männer, deren Frauen darunter litten.
Naomi Gregoris
Die Simpsons in Liv Strömquists drittem Comic-Band im feministischen Rollentausch. (Bild: PD)

Die Simpsons in Liv Strömquists drittem Comic-Band im feministischen Rollentausch. (Bild: PD)

«Das ist doch einfach nur plump!» Der Arbeitskollege legt das Buch mit der zwinkernden Mariafigur auf dem Cover weg und schüttelt den Kopf. Es geht um einen Cartoon im Buch, auf der zwei Frauen in knappen Kleidern zu sehen sind, weiter vorne stehen ein Mann und eine Frau mit Rotweinglas. Der Mann schaut wütend zu den beiden Frauen und sagt «Schau dir die Mädels da an... Wenn man sich so aufbrezelt und solche winzigen Sachen anzieht, dann WILL man doch belästigt werden.» Die Frau sieht ihn spöttisch an und erwidert: «Aha... Dann hast du dir also Markenklamotten angezogen, weil du reich aussehen und ausgeraubt werden willst?»

Alter Käse

Alter Käse, meint einer. Aber immer noch wird blöd geredet, wenn eine Kollegin sich «aufreizend» anzieht, sagt eine andere. Das ist exemplarisch für die feministische Debatte, die «I’m every woman», der dritte Comic-Band der schwedischen Feministin Liv Strömquist in Zeichnungen verhandelt: Die eine Seite hat das Gefühl, es sei doch vieles schon erreicht, während die andere Seite glaubt, dass das eine zu einfache Lösung für ein Problem ist, das viel tiefer sitzt.

Das Problem lautet patriarchale Strukturen und die entblösst Strömquist schonungslos: Wir sehen die Simpsons in umgekehrter Funktion – Marge, die rülpsend und übergewichtig auf der Couch sitzt und nach Bier schreit, während Homer gazellenschlank und mit Maggie auf dem Arm daneben steht und flötet: «Oh, wie ich es liebe, auf meine undankbare, dumme, dicke Frau Rücksicht zu nehmen!». Oder die beliebte Kinderserie Barbapapa, in der der fröhliche hellrosa Papa neben seiner schwarzen Frau steht, mit den Worten: «Ich nehme meine Frauen wie meinen Kaffee! Also schwarz und aus einem Entwicklungsland importiert.» Das ist einfachste Ironie – aber keinesfalls dumm, wie Strömquist nun einige Rezensenten unterstellen. Sie zeigt vielmehr, dass das System in den Details lauert, die wir nicht bemerken (Barbapapa) oder als Überzeichnungen wahnsinnig witzig finden (Simpsons).

Ehefrauen berühmter Männer

Genial wird der Comic an den Stellen, in denen die Ehefrauen berühmter Männer aus der Kulturgeschichte die Bühne betreten. Edvard Munchs Frau Tulla Larsen oder Lee Krasner, die erste Ehefrau von Jackson Pollock, widmet Strömquist kleine Rehabilitationen, indem sie ihre teils Schicksale schildert.

Hinweis

Liv Strömquist: I’m every woman. Avant-Verlag, 112 S., Fr. 32.-

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