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Zaubersee-Festival: «Hollywood-Sound» mit Tiefe und Dichte

Das Luzerner Sinfonieorchester überzeugte mit einem Galakonzert. Höhepunkt war Rachmaninows zweites Klavierkonzert. Mit ihm empfahl sich das Orchester auch für das russische Konzert am Lucerne Festival.
Fritz Schaub
Der usbekische Pianist Behzod Abduraimov fand im Luzerner Sinfonieorchester einen kongenialen Begleitklang. (Bild: Ingo Höhn (2. Juni 2018))

Der usbekische Pianist Behzod Abduraimov fand im Luzerner Sinfonieorchester einen kongenialen Begleitklang. (Bild: Ingo Höhn (2. Juni 2018))

Wer das Luzerner Sinfonieorchester im jüngsten Abonnements-Konzert unter James Gaffigan am 18. und 19.Mai gehört hat, wo es als Höhepunkt Igor Strawinskys «Feuervogel» spielte, wird zugeben müssen: Das einheimische Orchester braucht sich nicht zu vor den Weltklasseorchestern, unter die es sich im kommenden Sommerfestival – ebenfalls mit einem russischen Programm – reihen wird. Ebenso anfeuernd in den farbenprächtigen explosiven Steigerungen wie bedachtsam in den lyrisch-atmosphärischen Abschnitten erklang Strawinskys Meisterwerk.

Auch verwöhnte auswärtige Konzertbesucher anerkennen inzwischen neidlos die erreichte Qualität, die Leichtigkeit im Ton und die Helligkeit im Klang, die das Orchester unter seinem US-Chefdirigenten pflegt.

Kammermusik-Rahmen wurde gesprengt

Einen weiteren Beweis für die ausgezeichnete Verfassung des Orchesters lieferte der Gala-Auftritt am Samstagabend im Rahmen des 7. Kammermusikfestivals «Zaubersee» im KKL. Hatte am Vormittag in der St.Charles Hall in Meggen das Quatuor Daniel seinen letzten Auftritt mit der zurecht zweimal vorgetragenen Welturaufführung von Mieczyslaw Weinbergs tief verinnerlichter «Improvisation & Romance» und dem hintergründigen Klavierquintett g-Moll von Dmitri Schostakowitsch, sprengte das «Sinfoniekonzert Rachmaninow Nr.2» vollends den kammermusikalischen Rahmen. Da gab es nun keine vernachlässigte oder ausgegrabene Werke zu hören, sondern im Gegenteil veritable russische Orchesterklassiker, die so populär sind, dass sie immer wieder für Filme, Musicals und Pop Musik geplündert wurden.

Vor allem gilt dies für das zweite Klavierkonzert c-Moll von Sergei Rachmaninow, dessen zweiter Satz für die musikalische Untermalung einer aussichtslosen Liebe von Hollywood besonders bevorzugt wurde («Das verflixte 7. Jahr» mit Marilyn Monroe ist nur ein Beispiel). Das hat zu Unrecht der Musik das Stigma des Sentimentalen und Salonhaften eingetragen.

Noch und noch neue Nuancen

Ein 28jähriger Pianist aus Usbekistan, der diesjährige «Artist in residence» Behzod Abduraimov, zeigte, was für herrliche, berührende Musik gerade der langsame Satz enthält. Der von den grossen Orchestern und Dirigenten stark umworbene Künstler, der schon den verzögerten Beginn mit gespannter Konzentration und modulationsreichem Anschlag anging, rang der wiederkehrenden Melodie noch und noch neue Nuancen ab, vertiefte und verdichtete den Satz mehr und mehr.

James Gaffigan öffnete dem klangschön spielenden Orchester einen weiten Horizont und gewährte so auch dem Solisten immer weder Raum für sein Spiel. Im letzten, virtuosen und spieltechnisch besonders anforderungsreichen Satz steigerte sich die Spannung immer weiter. Als sie sich punktgenau im letzten Akkord entlud, riss es manche Zuhörer buchstäblich von den Sitzen. Solist und Dirigent hatten das Werk sozusagen auf seinen Ursprung zurückgeführt, so dass es wie ganz neu erstand.

Populäre Orchesterwerke aufgewertet

Das gilt auch für die drei reinen Orchesterwerke, in denen die einzelnen Register des Klangkörpers auch in den wildesten Ausbrüchen eine bemerkenswerte Homogenität an den Tag legten. In den temperamentvollen Polowetzer Tänzen aus Alexander Borodins Oper «Prinz Igor» drückte das Orchester die Sehnsuchtsmelodie ebenso überzeugend aus, wie es die rhythmischen Akzente zu vulkanischer Wildheit steigerte.

Die Wiedergabe der frühen Fantasie-Ouvertüre von Peter Tschaikowsky offenbarte besonders deutlich, über welche Reserven das Orchester verfügt, so dass es auch am Schluss noch zu einer Steigerung fähig ist. Beklemmend, wie kantig Gaffigan, dieses bullige Kraftpaket, das Orchester anstachelte bei den synkopierten Rhythmen, welche die verfeindeten Familien markieren, und so den dramatischen Gegenpol schuf zu den von den Streichern wunderschön intonierten Liebesmelodien des Paars Romeo und Julia.

Die grosse, raumgreifende Geste zusammen mit einem farbenreichen, eine spanische Fiesta heraufbeschwörenden Spiel zeigte am Schluss auch Nikolai Rimsky-Korsakows raffiniert instrumentiertes Capriccio Espagnol. Einzelne Orchestermusiker nützten die Gelegenheit zu kurzen Solokadenzen gekonnt, allen voran die bestechend brillante Konzertmeisterin. Da brauchte es wahrlich keine Zugabe mehr.

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