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Kunststudierende begleiten Papieri mit Wow-Effekt in den Untergang

Die Masterausstellung «Schichtwechsel» der Hochschule Luzern – Design & Kunst bespielt die ausgediente Papierfabrik in Cham. Es ist überraschend wohnlich geworden. In Luzern derweil plant die Werkschau Design & Kunst auf 2020 Änderungen.
Céline Graf
«Der Raum hat Macht»: Der Berner Raphael Burger arbeitet grossflächig. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 11. Juni 2019)

«Der Raum hat Macht»: Der Berner Raphael Burger arbeitet grossflächig. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 11. Juni 2019)

Inmitten der Apokalypse hängt Raphael Burger Bilder an die Wände. «Ich bin noch nicht zufrieden, aber der Raum und ich sind auf einem guten Weg», sagt der 27-jährige Kunststudent aus Bern. Er zündet sich eine Zigarette an. «Der Raum hat extrem Macht, das ist schon eine Herausforderung. Aber er ist auch ‹huere geil›, weil ich mit ihm ziemlich alles anstellen darf.»

Er und 17 andere Absolventen des Masters Kunst an der Hochschule Luzern (HSLU) stellen ihre Diplomarbeiten auf dem Areal der ehemaligen Papierfabrik «Papieri» in Cham aus. Im Hintergrund ist es laut, ein Bagger schaufelt Schutt und Drähte vor einem offen klaffenden Gerippe, das mal ein Gebäude war.

Topfpflanzen im Staub, Post-its an der Wand

Inmitten des Abbruchs herrscht Aufbau. Mit ihren markanten Kontrasten zwischen der jungen Kunst und dem historischen Ort löst die Absolventenausstellung «Schichtwechsel» Wow-Effekte aus. Wehren zwecklos. Besonders zur Geltung kommt das etwa im Kesselhaus, wo früher Papiermasse blubberte und nun auf mehreren Etagen Bilder, Installationen und Performances zu entdecken sind.

Michaela Schmid erkundet Nostalgie visuell. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 11. Juni 2019)

Michaela Schmid erkundet Nostalgie visuell. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 11. Juni 2019)

Im Treppenhaus prangen Sprüche über Kunst auf farbigen Post-it-Zetteln neben Tafeln mit nicht mehr gebrauchten Warnhinweisen. In einer Nische von Michaela Schmid, die tänzerische Fotografien über Nostalgie zeigt, stehen Topfpflanzen im Staub. Davor in der Luft baumelt neben einem Flaschenzug mit grobem Eisenhaken unschuldig eine Holzschaukel. Sie gehört Larissa Lang, die während der Ausstellung als Kunstfigur namens «Agapi Jaun» mit dem Publikum interagiert.

Dieselbe hat auch eine Tomatenstaude auf den Boden gepflanzt. Bei näherem Hinschauen entpuppt sich der moosige Untergrund als echt. Er wächst an einer feuchten Stelle, auf die Wasser aus der undichten Decke tropft. Bevor die Natur die Fabrik zurückerobern kann, baut die Cham Paper Group Schweiz AG sie bis 2021 in ein neues Wohn- und Arbeitsquartier um.

Inmitten der Baustelle entsteht Häuslichkeit, manchmal sogar mit Garten. Die Wohnung als privater Ort von Rückzug und Erinnerung kommt in den Kunstwerken auffällig oft vor. Im Gegensatz zur anderen aktuellen Absolventenausstellung der HSLU, der Werkschau Design & Kunst, wo der nachhaltige Umgang mit der Umwelt den Ton angibt.

Werkschau Design & Kunst zieht auf 2020 um

Ein Animationsfilm über Abfallberge oder recycelte Spitalanzüge: Das Thema Nachhaltigkeit hält sich an der zehnten Werkschau Design & Kunst der Hochschule Luzern nach 2018 weiterhin an der Spitze. Zu den über 230 Ausstellenden gehört der erste Jahrgang der Richtungen Digital Ideation und XS Schmuck. Grössere Neuerungen sind für nächstes Jahr geplant. Während es in der separaten Kunst-Masterschau 2019 in der Papieri in Cham um den Wandel einer Fabrik geht (siehe Haupttext), wandelt sich auf die Werkschau 2020 hin das Konzept. Sie zieht von der Messe Luzern nach Emmenbrücke in die Viscosistadt. Neu findet sie im Gebäude 745 der HSLU – Design & Kunst und in der Kunstplattform Akku statt. Zudem dauere die Werkschau wahrscheinlich nur noch drei Tage, wie Vizedirektorin Ursula Bachmann sagt. Dabei sollen die Vermittlung und der Austausch mit den einzelnen Branchen verstärkt werden.

Eröffnung der Werkschau: Freitag, 21. Juni, 19 Uhr, Messe Luzern, Hallen 3 und 4. Sie dauert bis am 30. Juni. Mehr Infos

Für die jährliche Kunst-Masterschau steht jeweils nur der Ort fest. In der Themenwahl dagegen sind die Studierenden frei. «Bei jedem Jahrgang kristallisiert sich dann aber interessanterweise von selbst ein dominantes Thema heraus», sagt Patric Fasel von der HSLU, Co-Leiter von «Schichtwechsel» mit Stephan Wittmer. Die Ausstellung wechselt im Turnus zwischen Luzern, Zug, Schwyz, Obwalden, Nidwalden und Uri ab – um allen Geldgeberkantonen der Hochschule «etwas zurückzugeben», so die Organisatoren.

Spielraum enger und intensiver

Mit der Papieri in Cham ist dieses Mal der Spielraum enger gefasst worden als in der bisherigen Praxis, die ganze Gemeinde einzubeziehen. Wenn sie wollten, konnten die Studierenden zwar nach wie vor hinausgehen. Die meisten haben sich aber intensiv mit einem Raum auf dem Fabrikgelände beschäftigt, den sie selbst auswählten. So landeten sie im Portierhäuschen, in Werkstätten, unter Unterständen, auf Wiesen und Brachen oder eben im Kesselhaus. Bezeichnend: Den einzigen repräsentativen Raum, den die Fabrikbesitzer für öffentliche Präsentationen verwenden, wollte niemand belegen. Hauptsache mittendrin.

Eröffnung ist am Freitag, 14. Juni, um 18 Uhr beim Portierhaus auf dem Areal der Papieri in Cham, Zug. Die Ausstellung dauert bis am 23. Juni.
www.schichtwechsel19.ch

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