Hochgelobt und verhöhnt

Randnotiz

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Was für eine Ohrfeige für Schriftstellerin Simone Meier. Der «Spiegel» haut ihren soeben erschienenen Roman «Fleisch» erbarmungslos in die Pfanne. «Meiers Fleischbeschau bleibt leider im Banalen hängen», nörgelt die Rezensentin; die Geschichte über die Mitvierzigerin Anna, die ihre lesbische Seite entdeckt, sei «unmotiviert konstruiert».

Doch es gibt auch begeisterte Stimmen.«Höchst unterhaltsam», findet die Weltwoche und nennt den Roman «eine Libido-Komödie mit der ­Pointendichte einer TV-Sitcom». «Scharf beobachtet», heisst es in der Aargauer Zeitung. Und auch unsere Zeitung geizt nicht mit Lob: «unverschämt offenherzig, sarkastisch, intelligent», schwärmte der Literatur-Redaktor (Ausgabe vom 2. Februar).

Die Zürcher Autorin bezieht Stellung zum «Spiegel»-Bashing. «Die Öffentlichkeit ist ein Schlachtfeld. Weiss ich ja gut genug. Manchmal regnet’s Gold, noch öfter fliesst Blut», schreibt Simone Meier auf Facebook – und erntet Zuspruch von prominenten Freundinnen. «Sehr cool von dir, irgendwie auch sportlich. Ich bin nach schlechten Kritiken nur waidwund ...», gesteht Schriftstellerkollegin Annette Mingels. Und die streitbare Politologin Regula Staempfli prognostiziert Meier «beste Voraussetzungen für einen Bestseller.» Sie dürfte nicht unrecht haben.

Melissa Müller