Hochbegabter im Produkteschrank

Der 24jährige Sänger, Gitarrist und Songwriter Damian Lynn ist «Best Talent» der Schweiz. Beim Workshop in St. Gallen hat er sein Können gezeigt.

Michael Hasler
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Damian Lynn erläutert beim Workshop bei Musik Hug in St. Gallen den Einsatz von Hilfsmitteln bei Livekonzerten. Bild: Ralph Ribi (Bild: (Ralph Ribi))

Damian Lynn erläutert beim Workshop bei Musik Hug in St. Gallen den Einsatz von Hilfsmitteln bei Livekonzerten. Bild: Ralph Ribi (Bild: (Ralph Ribi))

Musikalische Workshops sind meist Klassentreffen von Freaks, die sich über Gitarren, Keyboards oder Verstärker austauschen. Die Realität stützt an diesem Donnerstagabend das Vorurteil, denn bis auf eine Schulband sind es Gitarristen und Sänger, die sich im perfekt inszenierten Showroom von Musik Hug in St. Gallen eingefunden haben. Der Abend beginnt, wie man sich dies als Livemusikinteressierter erhoffte.

Damian Lynn, der sich als ebenso charismatisch wie talentiert erweist, startet mit einer stimmigen Coverversion von «Sitting on the Dock of the Bay». Was als Song zwar so originell ist wie Brezel beim Bierfest, weitet sich dank gekonnter Looptechnik zu etwas Unerwartetem. Der Abend ist perfekt lanciert, der Applaus wohlwollend, ja warm. Doch der Workshop verkommt zur Geduldsprobe. Denn der sympathische Damian Lynn spricht selten über seine Songs und gar nicht über seine Tournée, die ihn auf mittelgrosse und grosse Bühnen in Deutschland führen wird. Das liegt daran, dass Lynns Workshop in St. Gallen in eine Produkteshow eingebunden ist. Zwei Drittel der 100 Minuten kreisen um kryptische Modellnamen wie den RC30 oder den RC300, die Lynn im Idealfall gleich live demonstriert. Für all jene, die sich Tips für ihr eigenes Songwriting erhofften oder mit einem intimen Konzert liebäugelten, bleibt das Ganze zu technisch.

Dass der Abend trotzdem zum Genuss wird, liegt an Charme und Können von Damian Lynn. Immer wieder betont er, dass er selber mit so wenig Effekten wie möglich auskomme, aber Loops bei seinen Auftritten nutze. Von einem technischen Korsett will er nichts wissen, sondern sieht darin die Möglichkeit, als Ein-Mann-Orchester in höchstmöglicher Freiheit zu agieren. Nach 100 Minuten darf er dann richtig ran. Zwei Songs, den einen sogar ohne Mikrofonverstärkung, schenkt er den Gekommenen.