Hoch hinauf für tiefe Töne: «épisodes culturels» in der Kirche Heiligkreuz

Bei der zwölften Ausgabe der St. Galler «épisodes culturels» ging es am Ende in den Turm der Kirche Heiligkreuz – nach einem spannenden Zusammenspiel von Orgel und Tuba, Licht und Schatten, Wort und Tanz.

Bettina Kugler
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Manuel Becker, Karl Schimke und Simon Netzle bespielten die Heiligkreuz-Glocken mit Felix Falkners «Fünf Mikroludien». (Bild: Michel Canonica)

Manuel Becker, Karl Schimke und Simon Netzle bespielten die Heiligkreuz-Glocken mit Felix Falkners «Fünf Mikroludien». (Bild: Michel Canonica)

Fürs erste hat ihr Spiel nicht Hand und Fuss – nur Fuss. Von oben, von der in blaues Licht getauchten Empore herab, aber aus der Tiefe der grossen Pfeifen schöpft Organistin Imelda Natter den Klang eines unerhört schroffen Gotteslobs: Gaston Litaizes «Alleluia» für Pedal-Solo. Hier beginnt bereits der Tanz, die flüchtige und tastende, energische und innehaltende Geläufigkeit, mit der sich die «épisodes culturels» in der Dreifaltigkeitskirche Heiligkreuz zu einem sinnhaften Ganzen zusammenfügten – zu einem Zwiegespräch mit Sisyphos, dem von den Göttern gestraften mythischen Helden, der bis in alle Ewigkeit vergeblich einen Felsblock bergan rollen muss.

Getanzt wurde von Tobias Spori vorn am Altar und im Mittelgang, in kantig abgerissenen Sequenzen, aber auch mit Worten, tiefen Tubatönen; zum Abschluss ging es hoch hinauf in den Turm. Dort erforderten die von Manuel Becker, Karl Schimke und Simon Netzle bespielten Glocken in Felix Falkners «Fünf Mikroludien» Beweglichkeit.

Wann endet die Ewigkeit? Marcus Schäfer (Text) und Tobias Spori (Tanz) in der Kirche Heiligkreuz. (Bild: Michel Canonica)

Wann endet die Ewigkeit? Marcus Schäfer (Text) und Tobias Spori (Tanz) in der Kirche Heiligkreuz. (Bild: Michel Canonica)

Jeder Ort mischt das Publikum auf neue Weise

«Mikroludien», kleine und kurze künstlerische Arbeiten sind es, die Ann Katrin Cooper und Tobias Spori vor drei Jahren bewogen haben, ein passendes Format dafür zu schaffen: an wechselnden, inspirierenden Orten. Dafür haben sich die beiden nach interessanten, experimentierfreudigen Künstlern ebenso wie nach geeigneten Räumen umgeschaut. Seither gab es gemischte Performances im Volksbad, in der Kunsthalle oder am langen Tisch zwischen Vadian und Klosterplatz – mit Stammpublikum, das jedes Mal kommt, und anderen, die einen Bezug zum Ort oder den beteiligten Künstlern haben.

Im Falle der zwölften Ausgabe der «épisodes» war die Dreifaltigkeitskirche gesetzt: wegen der Glocken. Dass sie als Mann des Wortes den Schauspieler Marcus Schäfer gewinnen konnten, freut Ann Katrin Cooper umso mehr. «An ihm waren wir schon lange dran; nun hat es endlich geklappt.»

Inzwischen kommen auch Kunstschaffende auf sie zu, die gern mitmachen wollen. «Wir selbst gehen mit offenen Augen durchs Leben und entdecken Künstler, die wir dabeihaben möchten», sagt Ann Katrin Cooper. Reibung ist durchaus erwünscht, auch Konstellationen, die man nicht von vornherein miteinander verbindet. Orgel und Tuba zum Beispiel, Tanz und Rezitation. Oder die Organistin als Tänzerin auf dem Pedal.