Hip-Hop
Zwei Swiss-Music-Awards-Nominationen und ein Debütalbum: Der St.Galler Monet192 ist auf dem Weg zum Star

Vor drei Jahren trat er noch im Jugendkulturraum Flon vor ein paar Freunden auf. Jetzt ist der St.Galler Hip-Hop-Künstler Monet192 bei einem grossen Label unter Vertrag und für zwei Swiss Music Awards nominiert. Pünktlich zur Award-Show hat der 23-Jährige jetzt sein erstes Album veröffentlicht.

Roger Berhalter
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Manchmal brav, manchmal unanständig: Karim Russo alias Monet192 hat sein erstes Album veröffentlicht.

Manchmal brav, manchmal unanständig: Karim Russo alias Monet192 hat sein erstes Album veröffentlicht.

Bild: Niklas Kamp

Vor den grossen Meistern zeigt er wenig Respekt. Karim Russo hat sich den Künstlernamen Monet192 zugelegt, inspiriert vom französischen Maler Claude Monet. Und sein Debütalbum heisst «Four Seasons», wie die «Vier Jahreszeiten» von Vivaldi. Schon der erste Song «One Shot» beginnt mit einem bekannten Streichermotiv aus dem Klassikwerk, kippt dann aber jäh in eine Strassenrap-Nummer.

Es scheint die Zeit von Karim Russo zu sein. Der gelernte Psychiatriepfleger hat nach seiner Ausbildung ganz auf die Musik gesetzt, mit Erfolg: Seit vier Jahren geht seine Karriere steil nach oben. Am 19. Februar hat der St.Galler sein erstes Album veröffentlicht, und er ist gleich zweimal für einen Swiss Music Awards nominiert. Schon letztes Jahr gewann er, in der Nachwuchskategorie «Best Talent». Jetzt spielt Monet192 in einer höheren Liga und hat in den Kategorien «Best Hit» und «Best Breaking Act» Chancen auf den Sieg.

Swiss Music Awards am 26. Februar im Hallenstadion

Am Freitag, 26. Februar, werden im Zürcher Hallenstadion die Swiss Music Awards verliehen. Die grösste Musikpreis-Show der Schweiz geht coronabedingt ohne Publikum über die Bühne. Sie wird ab 20.15 Uhr live auf dem Fernsehsender 3+ übertragen. An der Show gibt’s jeweils kaum Neues zu entdecken. Nominiert ist, was sich gut verkauft, von Bligg über Gotthard bis Beatrice Egli. Aus der Ostschweiz ist einerseits Monet192 mit zwei Nominationen vertreten. Zudem darf die Mundartrockband Megawatt auf einen Preis als Best Breaking Act hoffen. Deren Sänger Thomas Graf stammt aus Sevelen, der Gitarrist Dario Michielini aus Gossau. 

«Ich bin gespannt, wer gewinnt. Ich gönne es jedem», sagt der 23-Jährige beim Interview per Facetime. Er trägt eine schwarze Mütze, Dreitagebart, die Zahlenkombination «192» baumelt an einer Silberkette um seinen Hals. Viel ist passiert, seit er 2017 sein erstes Mixtape veröffentlicht und im Jugendkulturraum Flon in St.Gallen sein erstes Konzert gegeben hat. Als er Ende 2017 in der Grabenhalle auftrat, standen seine Fans über den ganzen Parkplatz Schlange.

Mit Dardan durch Deutschland

Inzwischen füllt Monet192 deutlich grössere Hallen ­– wenn er denn wegen Corona darf. Anfang 2020, noch kurz vor der Pandemie, gab er zusammen mit dem Stuttgarter Deutschrapper Dardan 15 Konzerte in Deutschland, vor jeweils bis zu 2000 Leuten. «Viele kannten mich schon, das hat mich überrascht», erinnert er sich. Es dürfte ein Vorgeschmack gewesen sein auf das, was für ihn noch kommt. In Deutschland hat ihn die Zusammenarbeit mit dem populären Dardan schlagartig bekannt gemacht.

Auf Hochdeutsch rappt und singt Monet192 schon lange, damit ist er auch anschlussfähig an den deutschen Musikmarkt. Wie viele andere Deutschrapper hat er einen multikulturellen Hintergrund: Er ist italienischer Staatsbürger und hat Wurzeln in Tunesien und Mazedonien. Zudem bringt er die Stimme und das Aussehen mit, um bei einem jungen Publikum zu landen. Kein Wunder, nahm ihn Anfang 2019 Warner Music unter Vertrag; seither zieht das grosse Label im Hintergrund die Fäden.

Von düster bis funky in 15 Songs

Sein Debütalbum «Four Seasons» klingt denn auch standesgemäss. Es ist eine eingängige Mischung aus Hip-Hop, R’n’B und Pop. «Ich möchte meine Vielseitigkeit zeigen», sagt Karim Russo. Er präsentiere auf dem Album eine bunte Mischung an Sounds und kopiere nicht nur die gängigen Klänge. Er verspricht nicht zu viel.

Zusammen mit dem Produzenten Maximilian «Maxe» Grimmer zeigt Monet192 in 15 Songs tatsächlich viele Facetten. Es beginnt düster und strassenlastig, wird dann aber leichter und sogar funky-entspannt. Monet192 zielt nicht einfach unter die Gürtellinie und macht auf krass, er rappt und singt eleganter als so mancher seiner Berliner Kollegen.

Deren verwaschene Aussprache hat er zwar drauf. Wie sie benutzt er exzessiv englische Ausdrücke («Spürst du diese Magic?»), hängt gerne «Bruder» ans Ende seiner Sätze, und rappt auch mal von den «Kids aus’m Block». Doch Monet192 kann auch mehrstimmig und melodiös schmachten. Der Flow stimmt, seiner warmen, leicht angerauten Stimme hört man gerne zu.

Zwischen Gott und Lapdance

Monet192 wechselt gekonnt zwischen Demut und Verwegenheit: Mehrfach richtet er sich an Gott («Vergebung ist das, was ich such») und sieht Engel weinen. Doch schnell wird der Brave wieder unanständig und flirtet mit einem Leben voller Luxus und Laster: «Ich häng im Adlon. Weisswein und Lapdance.» Eine durchaus verführerische Mischung. Monet192 dürfte so schnell nichts aufhalten, und wir sind schon gespannt, welchen grossen Meister er sich als Nächstes vorknöpft.