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Wenn der Rapper mit der Big Band gemeinsame Sache macht

Hip-Hop und Big Band mischen sich selten. Das Bodan Art Orchestra wagt diese Fusion dennoch. Der Arboner Rapper Juellz und die St. Galler Sängerin Nathalie Maerten begleiten die Tour.
Philipp Bürkler
Sängerin Nathalie Maerten, Rapper Juellz, Big-Band-Leader Gilbert Tinner (v. l.) wagen sich musikalisch in eine andere Sparte. (Bild: Philipp Bürkler)

Sängerin Nathalie Maerten, Rapper Juellz, Big-Band-Leader Gilbert Tinner (v. l.) wagen sich musikalisch in eine andere Sparte. (Bild: Philipp Bürkler)

«Ich finde es sehr schön, dass ihr alle den Weg durch dieses Schneepuff in die Alte Fabrik gefunden habt», sagt Sängerin Nathalie Maerten zum Publikum. Tatsächlich, trotz Schneesturm, der durch die Rapperswiler Gassen weht, ist der Saal zur Premiere fast bis auf den letzten Platz besetzt. Das Publikum lässt sich auf das Experiment «Jazz meets Hip- Hop und Hip-Hop meets Jazz» ein.

Jeweils im Januar tourt das Bodan Art Orchestra, dem seit 2010 Musiker aus der Schweiz, Deutschland und Österreich angehören, mit einem neuen Programm. «Das Ziel war es, musikalisch wieder einmal in eine andere Sparte zu gehen», erklärt Bandleader Gilbert Tinner. Für die diesjährige Tour hat sich das Orchester mit dem Arboner Rapper und Hip-Hop-Künstler Juellz zusammengeschlossen.

Beatboxing und Big Band, eine seltene Kombination

Anhand von bekannten Hip-Hop-Nummern aus den vergangenen Jahrzehnten – etwa «California Love» von 2Pac oder «The Seed» von The Roots – sowie eigenen Kompositionen von Juellz erzählt die Aufführung musikalisch die Geschichte des Hip-Hop.

«Wir haben Stücke im Programm, die an die Ursprünge des Hip-Hop erinnern. Sie gehen in Richtung Soul und Funk»,

sagt Juellz, der mit bürgerlichem Namen Julian Schöb heisst. Daneben gebe es aber auch Nummern, die etwas härter oder Teil der heutigen Hip- Hop-Kultur seien. Er habe bewusst Songs ausgewählt, die den verschiedensten Zeitabschnitten des Hip-Hop gerecht würden.

Bekannte Stücke ganz anders hören

Einer dieser Songs, der die Rap-Kultur seit der Jahrtausendwende massgeblich geprägt hat, ist «Hey Ya» von Outcast. Ein Song, den wohl schon alle tausendfach am Radio, aber wahrscheinlich noch nie in einer Big- Band-Version gehört haben. «Es ist interessant, bekannte Stücke mal ganz anders zu hören», erklärt Dirigent Gilbert Tinner.

Spätestens beim Track «Run», im Original von Tiggs Da Author, kommt neben dem Rapgesang von Juellz auch der Gesang von Nathalie Maerten so richtig zur Geltung. Neben ihrer gleichzeitig starken wie zarten Stimme stellt Maerten bei diesem Song ihr Beatboxing-Talent unter Beweis. Beatboxing, also das Erzeugen von Beats mit der Stimme, begleitet von einem Orchester, ist eine ziemlich seltene Kombination. «Nathalies Stimme ist wie ein zusätzliches Instrument oder eine zusätzliche Farbe», sagt Tinner.

Räumlichkeiten nicht optimal für eine Big Band

Während einzelne Bandmitglieder teilweise seit Wochen an den Arrangements der Songs arbeiteten, hat sich das Orchester mit ­Juellz und Maerten nur gerade an drei Tagen zu Proben getroffen. «Die Proben waren sehr konzentriert und streng. Ich würde es chirurgisches Arbeiten nennen», sagt Maerten mit einem Augenzwinkern. Bei mehr als einem Dutzend relativ langen Stücken müssten die Proben straff organisiert sein, meint Gilbert Tinner.

Immer wieder versucht Juellz in der Alten Fabrik zwischen den einzelnen Songs mit dem Publikum zu kontakten. «I say Bodan, you say Art», rappt er und bezweifelt, dass das Publikum lauter rufen kann als das Orchester. «Die Band ist definitiv lauter», stellt er keck fest. Weil die Alte Fabrik dem 18-Mann-Orchester räumlich zu wenig Platz bietet und das Publikum an seine Stühle gefesselt ist, scheint der Funke nicht ganz zu springen. Man kann nur hoffen, dass die Räumlichkeiten der restlichen Tour dem Orchester den nötigen Raum geben werden.

Sa, 12. 1., Appenzell, 20 Uhr, Gymnasium St. Antonius; So, 13. 1., 17 Uhr, Grabenhalle St. Gallen, bo­dan­artorchestra.ch.

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