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Hinter den Schlagzeilen

Heute beginnt das 9. Zurich Film Festival (ZFF). Ein Gespräch mit Karl Spoerri, Co-Direktor und künstlerischer Leiter des Festivals, über Festivals als Event und die Zusammenarbeit mit anderen Festivals.
Andreas Stock

Sie dürfen heute das 9. Zurich Film Festival eröffnen. Wie viel davon, was Sie und Ihre Co-Direktorin Nadja Schildknecht sich einst vorgenommen haben, konnten Sie bereits erreichen?

Karl Spoerri: Bereits einiges. Wir hatten einmal das Ziel formuliert, das wichtigste deutschsprachige Festival in der zweiten Jahreshälfte zu werden. Nach unserer Einschätzung sind wir das mittlerweile. Aber natürlich stellen sich immer wieder neue Herausforderungen und Ziele. Es lassen sich stetig Dinge verbessern und man muss sich neuen Gegebenheiten anpassen. Und es gilt die Entwicklungen in der Filmwelt aufmerksam zu verfolgen.

In den letzten zehn Jahren sind einige neue Festivals entstanden. Gleichzeitig scheint das Kinogeschäft in einer Krise zu stecken. Welche Rolle kommt dabei dem ZFF zu?

Spoerri: Ich sehe das Kino nicht wirklich in der Krise. Es ist immer noch eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen, ins Kino zu gehen. Doch die Bedingungen für Verleiher, Produzenten und Filmemacher haben sich durch die Digitalisierung verändert. Es ist für unabhängige Filmproduktionen, für junge Filmschaffende und Werke aus weniger bekannten Filmländern schwieriger geworden, noch ein Publikum zu erreichen. In den Kinos finden diese Filme kaum mehr ihren Platz. Genau das ist eine der Aufgaben von Filmfestivals. Wir bieten die Möglichkeit, solche Filme zu entdecken. Wir treffen aus dem riesigen Angebot eine Auswahl und ermöglichen es, innovative, ungewöhnliche Filmgeschichten und talentierte Filmer zu entdecken.

Das ZFF nimmt diese Aufgabe mit den vier Wettbewerben wahr. Für die Reputation eines Festivals wichtig sind dabei ja vor allem auch Premieren.

Spoerri: 22 Werke in den vier Wettbewerben sind Erstlingsfilme. Und 16 Produktionen können wir als Weltpremiere zeigen. Daneben liegt uns wie anderen Festivals am Herzen, dass das Publikum die Möglichkeit hat, mit den Filmschaffenden in Kontakt zu kommen. Insgesamt haben wir 450 Gäste, Filmschaffende sowie Produzentinnen eingeladen.

Wie gelingt der Spagat zwischen den abendlichen Gala-Filmen mit Stars und den weniger bekannten Namen der Wettbewerbe am Tag?

Spoerri: Ein Festival soll auch ein Event sein, das erwartet das Publikum von uns. Ein Festival muss mehr bieten als bloss einen Kinobesuch. Dazu gehören auch Stars oder die Begegnungen mit Filmemachern. Bis auf wenige Ausnahmen werden alle Filme mehrmals gezeigt, nicht nur am Nachmittag, auch am Abend sind Filme aus dem Wettbewerb zu sehen.

Sie haben mit dem renommierten Filmfestival von San Sebastian, das fast zeitgleich stattfindet, eine Zusammenarbeit begonnen. Was bringt das dem ZFF dieses Jahr konkret?

Spoerri: Bei uns sind drei Filme aus dem spanischen Wettbewerb zu sehen. San Sebastian wiederum präsentiert zwei Schweizer Filme in seinem Programm. Darüber hinaus sind zwei andere Punkte dieser Zusammenarbeit zentral. Wir pflegen miteinander einen regen Informationsaustausch. Dabei sprechen wir über und planen gemeinsam für Filme, die auf den Herbst angekündigt sind. Und wir können gewisse Kosten teilen, wenn wir Stars aus Übersee einladen. Der chinesische Regisseur Jia Zahng-Ke, der seinen Film «A Touch of Sin» präsentiert, kommt mit einem Teil seiner Crew nach Zürich und San Sebastian. Auch Hugh Jackman und Regisseur Dennis Villeneuve stellen «Prisoners» an beiden Festivals vor. So können wir die hohen Reisekosten teilen und für die Filmemacher ist es ein Vorteil, weil sie mit einer Anreise ihre Arbeit breiter vorstellen können.

Werden solche Kooperationen von Filmfestivals Schule machen? Können Sie sich eine solche Zusammenarbeit auch mit einem Schweizer Festival vorstellen?

Spoerri: Es ist zumindest nicht mehr zeitgemäss, wenn sich Festivals untereinander bekriegen. Ein «Sharing» mit anderen Festivals kann manchmal durchaus Sinn machen. In der Schweiz haben wir eine lange, gute Zusammenarbeit mit den Kurzfilmtagen in Winterthur.

Was ist Ihnen bei der Programmierung besonders wichtig?

Spoerri: Dass jede Programm-Sektion ihre Eigenständigkeit hat und möglichst viele interessante und qualitativ überzeugende Filme präsentieren kann. Insbesondere der Wettbewerb, der das Herz des Festivals ist. Dieses Jahr stehen oft fesselnde Geschichten im Zentrum, die Nachrichten-Schlagzeilen machten. Schlagzeilen, die nicht wirklich informiert haben. Zahlreiche Regisseure beleuchten die Hintergründe solcher Meldungen. Das Drama «Fruitvale Station» des US-Regisseurs Ryan Coogler beleuchtet beispielsweise die letzten 24 Stunden eines tragischen Falles, der sich im Dezember 2008 in einer U-Bahn-Station abspielte.

Und wie schätzen Sie den Schweizer Film-Jahrgang 2013 ein?

Spoerri: Es ist dieses Jahr ein sehr interessanter Jahrgang. Besonders erwähnen könnte man «Traumland» von Petra Volpe. Ein gelungener Episodenfilm, der im Zürcher Strassenstrich spielt. Oder auch der Dokumentarfilm «Neuland» von Anna Thommen, die aus einer Integrationsklasse berichtet, die neu in die Schweiz eingereiste Jugendliche besuchen. Und ja, dann freuen wir uns natürlich, mit «Am Hang» von Markus Imboden und «Die schwarzen Brüder» von Xavier Koller die Premieren von zwei Schweizer Altmeistern zeigen zu dürfen.

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