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Himmelhoch jauchzend auf irdischer Fahrt

500 Jahre reformierte Kirchenmusik feierte das Konzert in der Kirche St. Laurenzen mit dem Konzertchor St. Gallen. Das packende Herzstück kam aus der Gegenwart: Bernhard Ruchtis «Auf die Tiefe».
Bettina Kugler
Neue und alte Psalmen sang der Konzertchor St. Gallen, hier mit Solistin Ursina Leuenberger. (Bild: Urs Bucher)

Neue und alte Psalmen sang der Konzertchor St. Gallen, hier mit Solistin Ursina Leuenberger. (Bild: Urs Bucher)

Das Göttliche, die alles übersteigende Dimension klingt hell und fein: ein Triangelton mit langem Nachhall. So durchdringend, dass viel Lärm nötig wäre, ihn zu verdecken. So reich an Obertönen, dass er sich nicht auf eine Ton­höhe festlegen lässt – hörbare ­Offenbarung des Unendlichen. Es ist dieser Klang, auf kindlich einfache Weise hervorgebracht, der den Auftaktabend der diesjährigen Laurenzen-Konzerte am Freitag überstrahlte und das Konzert als Ganzes zum berührenden Erlebnis machte. 500 Jahre reformierte Kirchenmusik sollten in der St. Galler Zentrumskirche gefeiert werden, mit einer kleinen, aber charakteristischen Auswahl von Chorstücken aus den Jahrhunderten nach Luther.

Zwischen Aufbegehren und Zärtlichkeit

Das Motto «Jauchzet dem Herrn» zog sich dabei als roter Faden durchs Programm: Vor allem Psalmvertonungen und Psalmneudichtungen sang der Konzertchor St. Gallen unter der Leitung von Bernhard Bichler und Roman Digion. Herzstück und Höhepunkt des Abends jedoch war nicht Musik aus der Vergangenheit, sondern die Uraufführung einer zeitgenössischen Fassung des Psalms 130 «Aus der Tiefe» von Bernhard Ruchti, Organist und künstlerischer Leiter der Laurenzen-Konzerte. Zehn musikalisch intensive Minuten, in welchen der Chor im Wechsel und in dichter Verzahnung mit den Solisten (Ursina Leuenberger, Maja Hermann, Jens Weber und Bernhard Bichler) menschliche Tiefen ausmisst und in den Himmel ­ruft – jene andere Dimension, die als Triangelklang gegenwärtig ist.

Ruchti umgeht damit das Wort in Bernd Marcel Gonners Text, das ihn als Komponist gereizt und gestört hat: «Herr». Zu männlich und patriarchal erschien es ihm, zu eng und einseitig für die göttliche Kraft, die in Gonners «irdischem Fahrtenlied» angerufen und sinnlich ­herbeigesehnt wird. Weit ausgespannt zwischen himmlischen Höhen der Violine (Elisabeth Kohler) und tiefsten Kontrabassgründen (Grigori Katz), zwischen leidenschaftlichem Aufbegehren und Zärtlichkeit bewegt sich das Werk und bewegt seine Hörer ­unmittelbar, «spült die Ohren mit Salz», wie es im Text bildkräftig heisst. Viel zu tun hat Hans Peter Völkle an Pauken und Percussion; diese Energie befeuert und beflügelt das gesungene, von irdischer Sinnlichkeit erfüllte Gebet.

Der Konzertchor St. Gallen, jugendlich frisch und verstärkt durch einzelne erfahrene Sänger, wächst über sich hinaus und zeigt hier viel mehr Farben und Facetten als im übrigen Programm. ­Etliche Perlen reformierter Chormusik waren darunter: «Jauchzet dem Herrn», Psalm 100, in den Fassungen von Schütz und Mendelssohn, Bachs Motette «Lobet den Herrn, alle Heiden» in Quartettbesetzung, Sätze von Willy Burkhard, Heinrich Kaminski, David Lang. Martin Luther hatte dabei das letzte Wort; demütig bittend klingt es in Mendelssohns Motette durch die Zeiten: «Verleih uns Frieden gnädiglich.»

Nächstes Konzert: Violinenmagie, mit Michelle Makarski, Freitag 14.9., 19.30 Uhr, Kirche St. Laurenzen, St.Gallen.

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