Hilfe für Elefanten in Not

Die im Neckertal lebende Filmemacherin Brigitte Uttar Kornetzky arbeitet an einem Dokumentarfilm über Elefanten. Sie möchte den Tieren, die in Indien ein unwürdiges Leben führen, helfen und für sie ein Reservat einrichten.

Sabine Schmid
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«Als ich sah, wie in Indien Elefanten gehalten und behandelt werden, war ich schockiert»: Filmemacherin Brigitte Uttar Kornetzky. (Bild: Michel Canonica)

«Als ich sah, wie in Indien Elefanten gehalten und behandelt werden, war ich schockiert»: Filmemacherin Brigitte Uttar Kornetzky. (Bild: Michel Canonica)

Stolz stehen die Elefanten auf dem Platz. Ihre Köpfe sind mit goldenem Schmuck verziert. Stundenlang stehen sie da, werden von den Indern vergöttert und von den Touristen fotografiert. Dass die männlichen Elefanten, die im Zentrum dieser religiösen Zeremonie stehen, dabei leiden, sieht niemand. Brigitte Uttar Kornetzky hingegen schaut hin. «Ich habe die Elefanten in Indien als Touristin gesehen und war schockiert», erinnert sie sich. Mit der Kamera hat die in Brunnadern lebende Dokumentarfilmerin hinter die Kulissen in einem Elefantendorf in der indischen Provinz Jaipur geschaut. In 90 Tagen sind rund sechs Stunden Filmmaterial entstanden, das die Grausamkeit zeigt, mit welcher die Inder aus den wilden Elefanten zahme Arbeitstiere machen.

Botschafterin für Elefanten

«In Indien gelten die Elefanten als heilig», erklärt Brigitte Uttar Kornetzky, die seit einem Jahr als Botschafterin für indische Elefanten in der Schweiz tätig ist. Das spüren die Tiere nicht nur darin, dass sie vergöttert werden. Sondern auch, dass sie nicht getötet werden. «Ich habe bei meiner Recherchearbeit in Sita einen kranken Elefanten gefunden, der mit einem gebrochenen Bein in seinen Exkrementen lag. Er wurde zwar behandelt, aber es ist ihm immer schlechter gegangen. Gemeinsam mit einem Arzt und einer weiteren Helferin ist es uns dann gelungen, dass Sita eingeschläfert und von seinen Qualen erlöst wurde», erzählt Brigitte Uttar Kornetzky, die sich ihre Liebe zu Elefanten nicht genau erklären kann. Sie zeigt eine Postkarte aus ihrer Kindheit, die eine 3D-Abbildung eines Elefanten zeigt. «Ich habe mehrere solcher Postkarten mit verschiedenen Tieren gehabt. Diejenige mit dem Elefanten ist mir geblieben, trotz aller Umzüge», erzählt sie, doch den Grund hierzu kennt sie nicht.

Elefanten als Arbeitstiere

«Elefanten in Gefangenschaft zu halten, ist zwar verboten. Aber wer in Indien einen Elefant hält, ist reich», erzählt Brigitte Uttar Kornetzky. Junge Elefanten erleben eine Tortur. Zuerst werden sie aus ihrem sozialen Umfeld gerissen, und mit Schlägen und Nahrungsentzug wird ihr Wille gebrochen. «Kurz vor dem Zusammenbruch kommt der Mahut, der Elefantenführer, mit welchem das Tier später zusammenarbeiten muss, und erscheint ihm als Retter. Der Elefant lernt so, seinem Mahut zu vertrauen», erzählt Brigitte Uttar Kornetzky. Bei ihren Aufenthalten in Indien hat sie immer wieder Elefanten gesehen, die in Zoos und Zirkussen gelebt haben und altershalber ausgemustert wurden, die nun für Touristen arbeiten müssen. Männliche Tiere werden meistens als Tempelelefanten für religiöse Riten gebraucht und müssen stundenlang ohne Wasser und Nahrung in der prallen Sonne stehen. Die weiblichen Tiere, die als weniger gefährlich gelten, werden als Reittiere für Touristen eingesetzt.

Naturpark für Elefanten

Derzeit ist Brigitte Uttar Kornetzky daran, das Material zu sichten und zu einem Dokumentarfilm mit dem Titel «Where the Elephant Sleeps» zusammenzufügen. Brigitte Uttar Kornetzky hat ein Hilfswerk für Elefanten in Not gegründet. Dessen erstes Ziel ist es, 125 Elefanten in der indischen Provinz Jaipur in einen Naturpark umzusiedeln. Die Filmemacherin, die in Oberfranken geboren wurde und seit 2008 in Brunnadern wohnt, stellt sich vor, dass die Elefanten dort wie in der Wildnis leben können. «Um dieses gigantische Projekt realisieren zu können, braucht unser Hilfswerk viel Geld, denn wir müssen bei null beginnen», sagt Brigitte Uttar Kornetzky. Zum einen will man den Tieren viel Land zur Verfügung stellen, zum anderen braucht es Futter, Infrastruktur und Pfleger, die sich um die Elefanten kümmern. Fürs erste organisiert Brigitte Uttar Kornetzky im Februar in St. Gallen zwei Benefizkonzerte (siehe Kasten). Zudem hofft sie, einen Filmverleiher zu finden, damit sie ihren Film in den Kinos zeigen und so auf das Elend der Elefanten in Indien aufmerksam machen kann. «Ich hoffe, dass sich unsere Idee in einem Schneeballprinzip weiterverbreitet», sagt sie.

Jagd auf Elfenbein

Brigitte Uttar Kornetzky ist sich bewusst, dass nicht nur die Elefanten in Indien Hilfe benötigen. «Ihre Artgenossen in Afrika sind vom Aussterben bedroht. Sie werden wegen ihres Elfenbeins gejagt», erklärt sie. Auch hier will sie mit ihrer Stiftung Elefanten in Not ansetzen und Aufklärung betreiben. «Hier etwas zu tun, ist aber heikel, denn Terrororganisationen sind in dieses Geschäft verstrickt. Sie kaufen oftmals Waffen mit dem Erlös aus dem Elfenbeinhandel, der jedoch verboten wäre.» Dennoch: Aufklärung tut not, denn pro Jahr sterben in Afrika mehr als 30 000 Elefanten.

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