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«Hier wird Ihnen mitgespielt»

Die Kellerbühne gratuliert sich selbst zum 50. Geburtstag – mit der St. Galler Erstaufführung von Peter Handkes «Publikumsbeschimpfung». Eine Stippvisite vor der morgigen Premiere.
Bettina Kugler
Gemischtes Doppel und ein 50 Jahre junger Text: Kathrin Becker, Meret Bodamer, Julian Sigl, H. R. Spühler. (Bild: Ralph Ribi)

Gemischtes Doppel und ein 50 Jahre junger Text: Kathrin Becker, Meret Bodamer, Julian Sigl, H. R. Spühler. (Bild: Ralph Ribi)

ST. GALLEN. In der Garderobe werden Stimmen aufgewärmt, Konsonanten angespitzt. Es summt und brummt, dazwischen Geraschel, Gelächter; dann wieder ist alles Klang, Wortsalven prasseln los, Gefistel, Sprechchöre, boshafte Litaneien. Halb zehn Uhr vormittags in der Kellerbühne: Das Publikum steckt jetzt mitten im Alltag; für die Schauspieler beginnt ihr Arbeitstag. «Ihr Glotzaugen! Ihr Maulaffenfeilhalter! Ihr Ohrfeigengesichter!» – «Mmmmmmilchgesichter! Stiernacken! Kriegstreiber! Geschmeiss!» Was eben Peter Handke so alles eingefallen ist, um das Publikum aus der bequemen Position im abgedunkelten Parkett zu reissen.

Das grüne Buch als Requisit

Fünfzig Jahre alt wird sein Stück «Publikumsbeschimpfung» in diesem Jahr, so alt wie die St. Galler Kellerbühne. Ihrem heutigen Leiter Matthias Peter war schnell klar, dass aus dieser glücklichen Koinzidenz die Jubiläumsproduktion werden könnte. Zumal die «Publikumsbeschimpfung» damit zum ersten Mal in St. Gallen auf die Bühne kommt. «Erst dachte ich an fünfzig Nummern aus fünfzig Jahren Kleintheater, doch diese Idee verwarf ich wieder», erzählt er, während die vier Schauspieler sich für den Probedurchlauf parat machen. Handkes Text ist ein moderner Klassiker; auch wer nicht ins Theater geht, hat schon einmal davon gehört. Sucht man ihn in der Buchhandlung, ist er in der Regel vorrätig: ein schmales grünes Suhrkamp-Taschenbuch. Das einzige Requisit in Matthias Peters Inszenierung.

Das Publikum schimpfte zurück

Abgesehen von ein paar Zetteln und einem Mikrophon, das sich Kathrin Becker, Meret Bodamer, Hans Rudolf Spühler und Julian Sigl zwischendurch weitergeben. An diesem Vormittag muss man es sich noch vorstellen. Die vier sind die nicht näher bestimmten «Sprecher». Zwei Paare; Frau und Mann, jung und gereift im gemischten Doppel. Vierzig Jahre Altersunterschied.

Kathrin Becker und Hansruedi Spühler können sich noch an die Aufregung erinnern, die das Stück seinerzeit auslöste. Julian Sigl, Jahrgang 1988, findet es nach wie vor aktuell und interessant als Theaterreflexion; «aber mich provoziert das nicht mehr», sagt er. Seine Generation ist mit dem postdramatischen Theater aufgewachsen. «Damals haben die Zuschauer lautstark zurückgeschimpft», erzählt Hansruedi Spühler; was so ausartete, dass Peter Handke das Stück 1967 sperren liess. Erst 1983 wurde es freigegeben und in den letzten Jahren wieder vermehrt gespielt.

Zusammen im Hier und Jetzt

Für Matthias Peter passt die «Publikumsbeschimpfung» gut in die Kellerbühne als einen Ort, an dem seit fünfzig Jahren in kleinen Formaten das bürgerliche Theater hinterfragt wird. «Unser Publikum ist es gewohnt, direkt angesprochen zu werden; dass das Licht im Saal anbleibt, dürfte niemanden erschrecken.» Ihn fasziniert vor allem, wie das Stück das Hier und Jetzt bewusst macht und sich einer vorgetäuschten Wirklichkeit verweigert. Wie es zum einen permanent die Erwartungen unterläuft, zum anderen mit jedem Satz auf den Moment zielt – und damit ein Band knüpft zwischen den Leuten im Saal und den Schauspielern. «Ich lasse mich aber nach wie vor gerne auf Geschichten ein im Theater», sagt Spühler mit seiner langen Bühnenerfahrung. – Auch sie haben in der Kellerbühne ihren Platz.

Premiere morgen Mi, 4.3., 20 Uhr, Kellerbühne St. Gallen

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