hier und danach #6
Architektur als Gegenüber: Mit ihrem Fotogramm für Folge #6 unserer Kunstserie zeigt Katalin Deér den St.Galler Silberturm als sinnlichen Körper

Gebäude sind für die St.Galler Künstlerin Katalin Deér nicht einfach nur Architektur. Sie interessiert sich für deren skulpturale Präsenz, Geschichte und Wirkung auf uns Menschen. In «0:58», dem Werk, das Deér für die Kunstserie «hier und danach» ausgewählt hat, wird die Fotografie des Hochhauses von einer Glasplatte und der Hand der Künstlerin überlagert.

Christina Genova
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Nicht einfach ein Gebäude, sondern sinnliche, körperliche Architektur: Katalin Deers Fotogramm «0:58» setzt sich mit dem St.Galler Silberturm auseinander.

Nicht einfach ein Gebäude, sondern sinnliche, körperliche Architektur: Katalin Deers Fotogramm «0:58» setzt sich mit dem St.Galler Silberturm auseinander.

Bild: PD/Katalin Déer

Der Silberturm im Westen St.Gallens mit seiner Aluminiumfassade, den bronzefarbenen Fenstern und seinen Rundungen, ist von einer ungemeinen Körperlichkeit. Das markante Hochhaus wurde 1977 vom St.Galler Architekten Heinrich Graf erbaut. Es hat die St.Gallerin Katalin Deér zu einer künstlerischen Auseinandersetzung inspiriert.

Katalin Deér.

Katalin Deér.

Bild: PD

Denn die skulpturalen Aspekte von Architektur, deren Sinnlichkeit und Präsenz als Gegenüber des Menschen interessieren die 55-Jährige schon lange. Für unsere Kunstserie «hier und danach» hat sie die Arbeit «0:58» ausgewählt, sie ist 2020 entstanden. Noch bis 22. April stellen wir in Kooperation mit dem Kunstverein St.Gallen jede Woche ein Werk eines Ostschweizer Kunstschaffenden vor.

Für das Fotogramm «0:58» hat Deér während des Belichtens in der Dunkelkammer eine Glasplatte über das sich entwickelnde Bild gehalten. Auch die Hand der Künstlerin, die auf den Prozess eingewirkt hat, ist am unteren linken Bildrand präsent. Durch ihre Eingriffe auf die Fotografie will die Künstlerin die Architektur von der zweiten wieder in die dritte Dimension zurückholen.