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Hier Rettung, dort Untergang

Im Buch «Es soll dort sehr gut sein» spürt Sibylle Elam der Geschichte ihrer Eltern nach, die rechtzeitig Unterschlupf fanden. Morgen wird die ungewöhnliche Familiengeschichte in St. Gallen vorgestellt.
Rolf App
Gerettet: Familie Klumak 1948 – mit Alex und Klaus (2. v. l.) und Trude (rechts) mit Sibylle. (Bild: Rotpunktverlag)

Gerettet: Familie Klumak 1948 – mit Alex und Klaus (2. v. l.) und Trude (rechts) mit Sibylle. (Bild: Rotpunktverlag)

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@tagblatt.ch

Auch das Gerettetwerden kann eine lebenslange Last sein. Sie habe einige Male versucht, mit ihrer Mutter Trude Klumak über die Vergangenheit zu reden, erzählt Sibylle Elam gegen Ende jenes Buches, das sie morgen in St. Gallen vorstellen wird. «Meist endeten diese Gespräche in gegenseitigem Unverständnis. Im Zentrum standen vor allem die Schuldgefühle, dass sie nicht alles in ihrer Macht Stehende getan hatte, um die Grosseltern zu retten.» 2005 stirbt die Mutter, zum Vorschein kommen mehrere Bündel Briefe. Sie öffnen die Tür in eine Vergangenheit, von der in der Familie nie gerne gesprochen wurde. Und Sibylle Elam wird zur Chronistin einer Familiengeschichte, in der sich, im Kleinen, die grosse Katastrophe des Holocaust abspielt.

Die Liebesgeschichte von Trude und Alex

Diese Geschichte beginnt mit einer Liebesgeschichte. Im Spätsommer 1941 steht Trude Waldo im Foyer der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich um eine warme Mahlzeit an. Zusammen mit anderen Wiener Emigranten sitzt Alex Klumak an einem der Tische. Als Trude nach dem Essen ihr Notenköfferchen packt, lässt Alex seine Freunde sitzen und fragt: «Fräulein, darf ich Sie ein Stück begleiten und Ihre Tasche tragen?»

Sie sei auf dem Weg zu ihrem Sohn Klaus, erklärt sie. «Was, ein Kind hat schon ein Kind?» , fragt er. So lernt Alex Klumak am selben Tag nicht nur seine zukünftige Frau kennen, sondern auch ihren Sohn. 1947 wird dann ihre gemeinsame Tochter Sibylle zur Welt kommen.

Trude Waldo bekommt oft Post. Sie ist bei ihren Grosseltern aufgewachsen, die früher in New York wohnten und dann nach Heilbronn zurückgekehrt waren, um einen Schuhladen zu übernehmen. Fanny und Ike machen sich Sorgen um ihre Enkelin, für die es 1936 an der Musikhochschule wegen ihrer jüdischen Herkunft keinen Platz mehr gibt. Ihr Gesangslehrer weiss eine Lösung: Er unterrichtet auch in Zürich, dort setzt sie nun ihre Studien fort. Früh wird sie Mutter, früh lernt sie Alex kennen, der sechs Wochen nach der Annexion Österreichs in die Schweiz geflüchtet ist. Andere Verwandte folgen nach, viele aber schaffen es nicht.

Zu ihnen gehören auch Fanny und Ike Morgenroth-Frank, auf deren Briefe Sibylle Elam beim Tod ihrer Mutter gestossen ist, und die sie nun immer wieder zitiert. Auch wenn Trudes Grosseltern zu vielem schweigen, spürt man doch, wie sich das Netz zuzieht, bis dann am Ende der Transport nach Theresienstadt steht. «Ich hoffe, Du regst Dich deswegen nicht auf», schreibt er am 15. August 1942, vier Tage vor der Deportation, an seine Enkelin. «Es soll dort sehr gut sein.» Ein Propagandasatz, «an den er zu diesem Zeitpunkt wohl selber kaum mehr glaubte», wie Sibylle Elam anmerkt.

Sie hat ihren Vorfahren ein Denkmal gesetzt

Sie sei keine Historikerin, stellt sie am Ende dieser «Familiengeschichte von Flucht, Vernichtung und Ankunft», wie ihr Buch im Untertitel heisst, fest. Genau dies macht ihre Erzählung so anrührend und schmerzhaft. Sie folgt einer weit verzweigten Familie auf dem Weg in die Rettung – oder ins Verderben. Zwar lässt sie viel Hintergrundwissen einfliessen, immer aber bleibt Sibylle Elam bei den Menschen, von denen sie abstammt. Und denen sie hier ein Denkmal gesetzt hat.

Do, 16.11., 20 Uhr, Buchhandlung Comedia, St. Gallen. Sibylle Elam stellt ihr Buch vor, durch den Abend führt Michael Guggenheimer. Sibylle Elam: Es soll dort gut sein – Familiengeschichte von Flucht, Vernichtung und Ankunft. Rotpunktverlag, 291 S., Fr. 34.–

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