«Hier müsst Ihr mir mehr helfen!»

Das Wattwiler Jugendorchester «il mosaico» ist mittendrin im 25-Jahr-Jubiläum und hat für sein nächstes Konzert den renommierten Pianisten Adrian Oetiker engagiert. Der probt frisch und sprudelnd vor Ideen mit dem Orchester Mozart.

Martin Preisser
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So entsteht Interpretation: Pianist Adrian Oetiker (r.) hat auch für die Streicher gute Ideen. Dirigent Hermann Ostendarp wird sie umsetzen. (Bild: Hanspeter Schiess)

So entsteht Interpretation: Pianist Adrian Oetiker (r.) hat auch für die Streicher gute Ideen. Dirigent Hermann Ostendarp wird sie umsetzen. (Bild: Hanspeter Schiess)

WATTWIL. Es herrscht geballte musikalische Energie im Proberaum der Kanti. Und Humor. Auch wenn Pianist Adrian Oetiker klar durchgibt, dass hier und da das Tempo zu sehr schwankt oder die Lautstärke unbegründet abfällt: Der international gefragte Musiker arbeitet auf ansteckende, befeuernde Art mit den Schülerinnen und Schülern des Jugendorchesters «il mosaico».

Intensiv, aber lustvoll wird Mozarts Klavierkonzert in c-Moll KV 491 geprobt. Oetiker hat auch zündende Ideen zu streicherischen Fragen und schlägt schon einmal mit Erfolg einen anderen Bogenstrich vor. Plötzlich sitzt die Stelle, plötzlich haben sich Orchester und Klavier verbunden. Alles klingt nun klar und plastisch. «Hier müsst Ihr mir mehr helfen», wirft Oetiker lachend an anderer Stelle ein. «Ich möchte hier mein Solo nur ungern langsamer spielen.»

Unterrichten inspiriert

Anders als viele international tätige Pianisten, für die Unterrichten vielleicht eher Nebensache ist, spürt man bei dem aus St. Gallen stammenden Musiker echte pädagogische Begeisterung. Kein Wunder, dass Adrian Oetiker ein gefragter Lehrer ist, auch an der Musikhochschule in München, wo er seit 2011 Studierende aus aller Welt betreut und wo er heute auch wohnt.

«Unterrichten bereichert meine eigene Pianistik», sagt Oetiker. «Als Lehrer lerne ich unheimlich viel von den Problemen meiner Schüler. Wenn ich da sozusagen von aussen draufschaue, habe ich oft viel mehr Ideen, um musikalische Fragen zu lösen, als wenn ich selbst allein am Klavier nach Lösungen suchen müsste.» Und er schlägt den Bogen zum Konzertauftritt: «Im Konzertsaal muss ich durch Musik mit dem Publikum Kommunikation aufbauen. Das ist beim Unterrichten nicht anders. Musik ist keine Einbahnstrasse.»

Ein Stück Loyalität

Oetiker, der vor zwanzig Jahren den begehrten ARD-Wettbewerb in München gewonnen hat, ist nicht zufällig in Wattwil. Er ist dem Jugendorchester «il mosaico» und dessen Leiter Hermann Ostendarp seit vielen Jahren verbunden und war schon 1994 anlässlich der ersten «il mosaico»-Konzertreise Solist in Beethovens drittem Klavierkonzert. «Das ist auch ein Stück Loyalität», sagt Oetiker, der seither einige Konzerte mit dem Orchester realisiert hat. Viele seiner eigenen Studenten traten überdies mit «il mosaico» auf.

Den Einsatz des Dirigenten Hermann Ostendarp findet Oetiker schlicht «phänomenal». «Die Energie und die Qualität des Orchesters, die Leidenschaft des Leiters, überhaupt die Tatsache, dass die Kantonsschule Wattwil über mehrere Schüler-Generationen ein solches Projekt entwickeln und zu immer neuen Höhenflügen bringt, ist bewundernswert», schreibt Adrian Oetiker in der Festbroschüre zu 25 Jahre «il mosaico».

Oetiker hat 70 Klavierkonzerte im Repertoire, spielt begeistert Kammermusik in seinem Berliner Feininger Trio, und er tritt mit seiner Frau, der italienischen Pianistin Paola de Piante Vicin, im Duo auf. Seine Karriere als Musiker sieht der 46-Jährige entspannt: «Ich muss nicht jedem Engagement hinterherlaufen und krampfhaft Tourneen organisieren.» Seine Arbeit als Hochschullehrer gebe ihm da auch ein Stück Gelassenheit.

Mozart ist leicht

Mozart spielen gehöre letztlich zum Schwierigsten, wird ja oft kolportiert. «Das habe ich meine Lehrerin an der Julliard School of Music, Bella Davidovich, auch einmal so gefragt. Und sie hat mir eine ehrliche Antwort gegeben: <Nein, Mozart ist leicht, Rachmaninow ist schwer>», erzählt Adrian Oetiker.

Eine Stunde Probe in Wattwil: Der erste Satz des Mozart-Konzerts klingt jetzt elegant, feurig, farbig und phantasievoll, so wie Mozart eben klingen soll. Die jungen Leute von «il mosaico» gaben ihr Bestes und Adrian Oetiker scheint den jugendlichen Schwung ein Stück weit in sein Spiel aufgenommen zu haben.

«il mosaico» muss aber nicht nur Mozart üben. Für das Frühlingskonzert im Jubiläumsjahr steht noch «The Unanswered Question» von Charles Ives auf dem Programm, und ein herausfordernder Brocken dazu: Antonin Dvoráks Sinfonie Nr. 9 «Aus der Neuen Welt».

So, 22.3., 19 Uhr, Rapperswil (ev. Kirche); Sa, 28.3., 19.30 Uhr, St. Gallen (Tonhalle); So, 29.3., 19 Uhr, Wattwil (ev. Kirche) www.ilmosaico.ch