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Herr der Brücken

Christian Menn ist der Brückenbauer der Schweiz – und mit 89 immer noch aktiv.
Bruno Knellwolf
Christian Menn Brückenkonstrukteur, em. Professor an der ETH Zürich (Bild: ky/Martin Rütschi)

Christian Menn Brückenkonstrukteur, em. Professor an der ETH Zürich (Bild: ky/Martin Rütschi)

An Christian Menn kommt seit Jahrzehnten kein Bauingenieur-Student vorbei. An die ETH Zürich wurde der 1927 in Chur geborene Menn im Jahr 1971 berufen und brachte als Hochschullehrer Generationen von Ingenieuren ihr Handwerk bei.

In Erinnerung bleiben werden aber vor allem seine vielen Brücken, die der Bauingenieur nun gleich selbst in einem Buch vorstellt. Zu finden sind darin aus der Ostschweiz unter anderem der Sitterviadukt in St. Gallen aus den 1980er-Jahren, der jetzt gerade saniert wird und bei dem Menn als Experte tätig war, sowie aus den 60er-Jahren den Viadukt Mühle in Wil und die SBB-Überführung in Buchs.

Verschiedene Schaffensphasen

Professor Thomas Vogel ist Nachfolger Menns an der ETH Zürich, leitet dort das Departement Bau, Umwelt und Geomatik und hat über den Brückenbauer selbst ein Buch herausgegeben. «In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Menn der Brückenbauer in der Schweiz, aber auch über die Grenze hinaus», sagt Vogel zu Menns Bedeutung. «Und das bei verschiedenen Brückensystemen.» Erst habe Menn die Bogenbrücken weiterentwickelt, die man nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut habe – mit einer Spannweite bis zu etwa 100 Metern. Danach folgten seine Freivorbaubrücken. «Da war er einer der ersten mit dem Felsenau-Viadukt in Bern». Mit diesem Projekt mit Hauptspannweiten von 144 Metern gewann Menn anfangs der 70er-Jahre einen Wettbewerb, bevor er sein eigenes Ingenieurbüro aufgab und an die ETH wechselte.

Wahrzeichen in Boston

Später entwarf er grosse und spezielle Schrägseilbrücken wie die Ganterbrücke am Simplon, bei der die Spannkabel einbetoniert sind, oder klassische Schrägseilbrücken wie der Pont de Chandoline bei Sion. Nach seiner Emeritierung im Jahr 1992 baute er grosse Brücken in den USA, bekannt ist vor allem die Leonard P. Zakim Bunker Hill Memorial Brigde in Boston, die zu einem Wahrzeichen der Stadt wurde.

Heute, bereits 89jährig, sei Menn immer noch aktiv und vor allem an Projekten im arabischen Raum tätig, erzählt Professor Vogel. Aber nicht alles werde dort gebaut, was Menn projektiere. Das gelte auch für die Schweiz, wo er gerne die Brücke über den Grimselstausee gestalten würde, was in Zeiten sinkender Preise für Wasserstrom aber unwahrscheinlich sei. Menn zeichneten seine Entwürfe aus sowie seine Selbstkritik gegenüber seinen eigenen Werken. Genau diese habe Menn weitergebracht und zu einem Brückenbauer mit weltweiter Beachtung gemacht.

Als Hochschullehrer habe er sich noch in jenen Zwängen befunden, die Ingenieuren oft eigen waren, nämlich den Preis vor die Ästhetik zu stellen. Heute sähe Menn das anders, eine gute Lösung dürfe nun auch mehr kosten. Das bestätigt Menn in seinem Buch. Je nach Standort und Bedeutung der Brücke müsse man bereit sein, mehr dafür zu bezahlen. «Diese Entwicklung hat erst nach Menns Emeritierung eingesetzt», sagt Vogel.

Wolle man die wichtigsten Projekte Menns aufzählen, müsse man diese pro Schaffensphase nennen. «Für seine schönste Bogenbrücke halte ich jene bei Tamins über den vereinigten Rhein. Bei den Schrägseilbrücken jene in Chandoline oder in Boston. Unter jenen mit den neuen Systemen ist die Sunnibergbrücke in Klosters sein bestes Werk», sagt Vogel.

Viele beste Werke

Christian Menn hat die Brücke in Boston besonders gern, wie er in einem Interview in seinem Buch erklärt. Darin erinnert er sich auch an seine erste Brücke: die Crestawaldbrücke: «Sie wurde im Juli 1959 betoniert, als meine älteste Tochter Claudia geboren wurde», erzählt der Churer Brückenbauer. Und blickt noch weiter zurück. Sein Vater war ebenfalls Bauingenieur und hat Brücken in Persien gebaut. «Aber auf mich hatte das keinen Einfluss. Am Gymnasium habe ich mir noch keine grossen Gedanken über einen künftigen Beruf gemacht», erzählt er. Über die Medizin und Mathematik habe er damals nachgedacht. Die Passion für den Brückenbau kam erst später, dafür umso heftiger.

Christian Menn: Brücken, Scheidegger & Spiess 2015, 352 S., Fr. 95.90

Christian Menns liebstes Werk: Die Leonard P. Zakim Bunker Hill Memorial Bridge in Boston. (Bild: Aus Menns Buch «Brücken»)

Christian Menns liebstes Werk: Die Leonard P. Zakim Bunker Hill Memorial Bridge in Boston. (Bild: Aus Menns Buch «Brücken»)

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