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Andrea Lang: Zwischen Geburtssaal und Konzertsaal

Auf einen Kaffee mit ... der Sopranistin und Geburtsbegleiterin Andrea Lang
Bettina Kugler
Parat für Mozart und für Schwangere: Andrea Lang. (Bild: Thomas Hary)

Parat für Mozart und für Schwangere: Andrea Lang. (Bild: Thomas Hary)

Abwarten und Tee trinken heisst es kurzfristig im Dezember. Früh am Morgen läutet bei Andrea Lang das Telefon, und plötzlich ist sie auf dem Sprung, die nächsten siebzehn Stunden nicht abkömmlich. Stattdessen ganz für eine Schwangere da, die sie in den vorausgegangenen Wochen seelisch und mental unterstützt hat: als Doula, eine nicht medizinische Geburtsbegleiterin, «eine Freundin auf Zeit», wie sie sagt. Das Kind will gerade jetzt auf die Welt kommen und nimmt sich Zeit. Das Interview und der Kaffee dazu lassen sich verschieben.

Zumal das nächste Tonhallekonzert zu diesem Zeitpunkt sowieso noch Zukunftsmusik ist, erst Mitte Januar. Doch mit der Vorbereitung auf Mozarts Konzertarie «Misera, dove son» KV 369 hat Andrea Lang natürlich längst begonnen, schon lange vor dem abgesagten Treffen. Singen ist Spitzensport mit unerbittlichem Trainingsplan – und nach wie vor ihr Hauptberuf. Auch wenn sich die Gewichte im Leben der 44-jährigen mit der Zeit sanft verschoben haben, spätestens seit der Geburt ihrer eigenen Kinder vor neun respektive sechs Jahren. Weg vom Druck und Konkurrenzdenken der Gesangskarriere hin zum Wesentlichen, zu allem Anfang.

Immer parat, immer «auf Standby» zu sein und alles zu geben, diese Grundlagen ihres künstlerischen Selbstverständnisses fliessen seither immer stärker ein in die Arbeit als Doula, Atemtrainerin, Kursleiterin. «Geborgen Gebären» hat die Sopranistin ihr «neues Baby» getauft. «Vor meiner Gesangsausbildung hatte ich ernsthaft darüber nachgedacht, Hebamme zu werden», sagt sie. Doch die Stimme sah sie als Gabe: ein Geschenk, das zu vernachlässigen ihr undankbar und verrückt erschienen wäre.

Noch immer spürt sie den inneren Zwiespalt beim Balanceakt zwischen zwei Welten und zwei Berufungen, die ihr im Herzen gleich nahe liegen – und die für sie auch zusammengehören. «Es ist eine grossartige und berührende Aufgabe, den Start eines Menschen ins Leben mit beeinflussen zu können», sagt sie. Die Eitelkeiten des Opernbetriebs werden dagegen klein und lächerlich. Andererseits schöpft sie aus der Musik ihre ansteckende Energie. Oft genug hat sie erfahren, welch starke Verbindung sie herstellen kann zu jenen, die zuhören. «Es spielt da überhaupt keine Rolle, ob man in der Tonhalle Zürich singt oder in der Kirche Rotmonten bei einer Abdankung», sagt sie. Mag letzteres für die Karriere bedeutungslos sein, so weiss sie doch, dass es für die Hinterbliebenen oft einen unschätzbaren Wert hat. «Ich fühle mich in diesem Moment mit dem Verstorbenen verbunden und meine, ihn zu erreichen, selbst wenn ich ihn nicht kannte. Es ist so, als würde ich jemanden singend auf die andere Seite begleiten.»

Auftritte wie am Freitag und Sonntag in der Tonhalle St. Gallen sind seltener geworden und damit umso kostbarer. Doch parat und auf Pikett für Mozart ist Andrea Lang nach wie vor. Einen Kaffee liesse sie dafür ganz sicher sausen. Es sei denn, sie würde gerade im Gebärsaal gebraucht.

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