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Helden, Heilige und grosse Kathedralmusik

Die Konzerte der 11. St. Galler Festspiele verbinden Alte Musik aus dem multikulturellen Spanien mit französischer Spätromantik – an vier Spielorten im Stiftsbezirk. Konzertdirektor Florian Scheiber bezeichnet Stoff und Herkunft der Festspieloper «Le Cid» als Steilvorlage für das Konzertprogramm.
Bettina Kugler
Florian Scheiber Konzertdirektor (Bild: Benjamin Manser)

Florian Scheiber Konzertdirektor (Bild: Benjamin Manser)

ST. GALLEN. Es tönt nach einer erfrischenden Vorspeise: «Madrigales y Ensaladas» – so ist das fünfte der insgesamt sechs Festspiel-Konzerte überschrieben. Tatsächlich bedeutet «Ensalada» auch <Salat>, ein buntes, knackiges Gemisch an Sprachen, musikalisch-kulturellen Einflüssen: eine Vokalform, die sich in der spanischen Renaissance herausbildete. Angerichtet wird von neun Musikern, die nicht nur in der Alte-Musik-Szene bestens bekannt sind. Da sind zum einen die Gambistin Hille Perl zusammen mit dem Lautenisten Lee Santana, mit Christoph Sommer (Gitarre) und Michael Metzler (Percussion), zum anderen das Leipziger Vokalquintett amarcord, bestehend aus ehemaligen Thomanern (5.7., 19 Uhr, St. Laurenzen). Als Rohkost-Vorspeise oder Salatgarnitur zum Hauptprogramm freilich sieht Konzertdirektor Florian Scheiber die Konzerte keineswegs, selbst wenn sie zeitlich so gelegt sind, dass man anschliessend noch die Oper auf dem Klosterplatz hören könnte. Sie haben im Laufe der Jahre ein wachsendes Publikum gefunden, oft auch aus der Umgebung und aus dem benachbarten Ausland. Stoff und Herkunft der Festspieloper nimmt er gerne «als Steilvorlage» für Programme aus jenen Musikepochen, die während der Saison selten zu hören sind: Mittelalter, Renaissance, Frühbarock. Hinzu kommt die französische Spätromantik, in deren Kontext Jules Massenet steht; sie bildet dieses Mal den Rahmen.

Französische Orgelmusik

Gleich zweimal wird Domorganist Willibald Guggenmos buchstäblich alle Register ziehen können. Zum einen im schon traditionellen Orgelkonzert in der Kathedrale am Eröffnungswochenende, in dem er exemplarische Werke der französischen Orgelmusik des 19. und 20. Jahrhunderts spielen wird: Sätze und Stücke von Charles-Marie Widor, Louis Vierne, Jean Langlais, Olivier Messiaen und Maurice Duruflé, in denen sich «la sonorité de l'orgue» an der grossen Domorgel entfalten kann (26.6., 17 Uhr). Zum anderen im Festkonzert am 7. Juli. Bevor in der Kathedrale Gabriel Faurés tröstlich sanftes Requiem in d-Moll erklingt (gesungen vom Bach-Chor St. Gallen, dem Prager Philharmonischen Chor, mit Andrea Lang und Manuel Walser als Solisten, Leitung: Otto Tausk), gibt es als sinfonisches Vorspiel Maurice Ravels «Pavane pour une infante défunte» – und als Überleitung von Ravel zu Fauré eine grosse Orgelimprovisation.

Arabische und maurische Musik

Auch andere Gastmusiker lassen sich unterdessen von Florian Scheiber zu speziell für die Festspiele entwickelten Programmen anregen, etwa Fahmi Alquai, der junge Wilde unter den Gambisten, der schon vor zwei Jahren in St. Gallen zu hören war; «bei ihm klingt die Gambe zuweilen nach Carlos Santana», verspricht Scheiber. Mit «Concilio de civilisaciones» ist das Konzert des in Sevilla geborenen Musikers und der Accademia del Piacere überschrieben; gespielt wird spanische, maurische und arabische Musik des 12.–16. Jahrhunderts – in bunter Mischung (1.7., 19 Uhr, St. Laurenzen).

Einen der Accademia-Musiker, den Barockgitarristen Enrike Solinis, konnte Scheiber für einen «Diálogo de tradiciónes» gewinnen: Mit den persischen Brüdern Kiya und Ziya Tabassian (Setar, Saz, Perkussion) wird Solinis Musik für Saiteninstrumente aus der spanischen und aus der arabo-andalusischen Tradition zusammenbringen; sie werden sich auch Stücke der jeweils anderen Kultur zu eigen machen (30.6., 19 Uhr, Schutzengelkapelle).

Mittelalter war nicht engstirnig

Wie zauberhaft es ist, mit «alten Mären», gesungen und auf mittelalterlichen Instrumenten musiziert, in der Stiftsbibliothek auf Zeitreise zu gehen, konnten kleine Zuhörer bereits im Herbst 2015 erleben; nun treten Arianna Savall und Petter Udland Johansen gemeinsam mit der Capella Antiqua Bambergensis im Barocksaal der Stiftsbibliothek auf: mit Gesängen von Helden und Heiligen aus dem Mittelalter (3.7., 19.30 Uhr). «Da wird man hören, dass das Mittelalter keineswegs engstirnig und kulturfeindlich war, sondern viel kreativer, als wir oft meinen», sagt Florian Scheiber. «Die Heiligengesänge haben eine bildreich-poetische, überhaupt nicht formelhafte Sprache, und die Musik diente als Transportmittel zur Erzählung.»

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