Heiter, brüchig, zugänglich

Phyllida Barlow ist keine abgehobene Künstlerin, sondern eine bodenständige Mutter von fünf Kindern. Jahrelang hatte sie nur nachts Zeit, um an ihren Skulpturen zu arbeiten.

Christina Genova
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Phyllida Barlow ist keine abgehobene Künstlerin, sondern eine bodenständige Mutter von fünf Kindern. Jahrelang hatte sie nur nachts Zeit, um an ihren Skulpturen zu arbeiten. Die britische Bildhauerin hat von Ende August bis Anfang September die Kunstzone der Lokremise mit ihren unprätentiösen Skulpturen bespielt. Sie bestehen aus Materialien, wie man sie in jedem Baumarkt findet: Kartonrollen, Plastikbänder, Gips oder Dachlatten. Es fällt leicht, Zugang zu Barlows Skulpturen zu finden, denn sie erinnern an bekannte Formen wie Korallen, Balkone oder Regale. Es ist Kunst, die etwas Heiteres an sich hat, auch wenn die Künstlerin durchaus ernsthafte Themen wie die Brüchigkeit und den provisorischen Charakter der menschlichen Existenz aufgreift. Da ist kein gigantisches Künstlerego am Werk, sondern eine Frau, die sich fundiert an bildhauerischen Fragen abarbeitet. Barlows Skulpturen besetzten ganz selbstverständlich die Kunstzone, als hätten sie schon immer dorthin gehört. Wohl weil der Raum seine Vergangenheit als Lokdepot ebenso wenig verleugnet wie die Skulpturen ihren Entstehungsprozess: Phyllida Barlow lässt Gips-, Farb- und Klebspuren stehen.

Seit ihrer Pensionierung als Kunstprofessorin vor sechs Jahren startet die Künstlerin so richtig durch mit Ausstellungen in renommierten Häusern wie der Tate Britain oder dem New Museum in New York. Grossartig, dass wir nicht nach Zürich, Berlin oder London reisen müssen, sondern sozusagen vor der Haustüre die Werke einer überaus anregenden zeitgenössischen Bildhauerin sehen konnten. Dies war nur möglich dank der guten Kontakte der Museumsleitung zur Ostschweizer Sammlerin Ursula Hauser, welche Barlows Werke zur Verfügung gestellt hat.

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