Heimtückisches Gift

Nicht alles, was bitter schmeckt, ist giftig, und manch giftige Frucht schmeckt ausserordentlich süss. Denn Gift ist tückisch, und es lauert dort, wo wir es nicht erwarten würden: Im Garten, im Gewürzschrank oder in Gummibärchen.

Katja Fischer De Santi
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fliegenpilz (Bild: (1226943))

fliegenpilz (Bild: (1226943))

Es war ein tragischer Fall, der sich 2004 in Deutschland ereignete: Die vierjährige Angelina wollte selber Pudding machen und verwechselte Zucker mit Salz. Die verärgerte Mutter zwang das kleine Kind, den versalzenen Pudding aufzuessen. 34 Stunden später starb Angelina. Sie hatte insgesamt 32 Gramm Salz essen müssen. Bei ihrem Gewicht von 15 Kilo wäre schon die Hälfte tödlich gewesen. Unser Körper braucht Salz, um zu überleben, zu viel Salz bringt uns aber um. Die lebensnotwendige und die tödliche Dosis unterscheiden sich nur um den Faktor 100.

Finger weg von rohen Bohnen

«Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist», sagte schon Paracelsus zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Das gilt auch für das lebenswichtige Wasser. Ärzte warnen Ausdauersportler immer wieder davor, auf «Vorrat zu trinken». Denn bei mehr als acht Litern innert kurzer Zeit, und bei starker körperlicher Anstrengung, ist der Körper nicht mehr fähig, dieses auszuscheiden. Das Wasser sammelt sich in Gehirn und Lunge an. Die Folgen sind tödlich.

Auch in vielen Gemüsesorten steckt Gift. So macht der grossmütterliche Rat, bei Tomaten alles Grüne wegzuschneiden, toxikologisch Sinn. Denn unreife grüne Tomaten sind giftig, obwohl sie besonders in der mediterranen Küche gerne eingelegt oder zu Konfitüre verarbeitet werden. In schweren Fällen kommt es zu Krämpfen und Atemnot und letztlich zum Tod. Reife Tomaten sind hingegen völlig unbedenklich.

Bei grünen Bohnen ist die entscheidende Frage: gekocht oder roh? Denn bereits sieben Bohnen, roh gegessen, können bei Erwachsenen zu schweren Darmentzündungen führen.

Fliegenpilz versus Goldregen

Zu Unrecht für giftig gehalten wird oftmals die Vogelbeere. Die orangen Beeren führen in grösseren Mengen roh gegessen zwar zu Unwohlsein. Gekocht sind sie aber absolut unbedenklich.

Auch der Fliegenpilz ist viel harmloser als sein Ruf. Bisher sind keine Todesfälle bekannt, die ausschliesslich auf den rot-weissen Pilz zurückzuführen sind. Essen sollte man ihn trotzdem nicht. Die Konzentration seines Giftes schwankt unvorhersagbar, abhängig vom Standort und Wetterbedingungen.

Viel gefährlicher als jeder gut versteckte Fliegenpilz im Wald ist der in Gärten weit verbreitete Kirschlorbeer. Zwar führt erst eine grössere Menge der schwarzen Früchte zu Magenverstimmungen, die Blätter und Samen hingegen enthalten viel Blausäure und sind extrem giftig. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Goldregen-Staude. Eine ganze Primarschulklasse aus Hessen lag im Juni 2003 nach dem Genuss von Schoten des Strauches im Krankenhaus. Alle Pflanzenteile des Goldregens sind giftig. Schon 15 Samen können bei Kindern tödliche Vergiftungen auslösen. Die Blüten sind noch giftiger. Und selbst das Kauen von Blättern oder der Rinde ist gefährlich.

Farbstoffe in Süssigkeiten

Seit der Mensch einen grossen Teil seiner Nahrungsmittel nicht mehr selbst herstellt, hat er die Lebensmittelindustrie im Verdacht, mit giftigen Zusatzstoffen zu experimentieren. Vor allem bunte Süssigkeiten wie Gummibärchen stehen immer wieder im Verdacht, für den Menschen gefährliche Zusatzstoffe zu enthalten. Beispielsweise die Azofarbstoffe, welche im Verdacht stehen, die Konzentrationsfähigkeit (bei Kindern) zu beeinträchtigen. In der EU müssen Produkte mit diesen Zusatzstoffen seit 2010 mit einem Warnhinweis gekennzeichnet sein. Das Bundesamt für Gesundheit lehnt eine solche Regelung ab. Die wissenschaftliche Grundlage sei dafür zu dünn.

Umstrittenes Glutamat

Ähnlich sieht die Lage beim umstrittenen Glutamat aus. Der von der Lebensmittelindustrie häufig verwendete Geschmacksverstärker löst bei manchen Menschen Beschwerden aus und wird als «Gehirnzellen-Zerstörer» oder «Dickmacher» verschrien. Glutamat kommt jedoch auch in reifen Tomaten und Parmesan vor und ist ein für den Zellstoffwechsel wichtiger Botenstoff im Gehirn, welcher vom Körper selbst hergestellt wird. Die Weltgesundheitsorganisation geht denn auch davon aus, dass Glutamat keine Gesundheitsgefahr darstellt.

sale grosso (Bild: Massimiliano Gallo (55723167))

sale grosso (Bild: Massimiliano Gallo (55723167))

Was ist am giftigsten: Fliegenpilz, Kochsalz, grüne Tomaten, Goldregen, Wasser oder Gummibärchen? (Bilder: Fotolia)

Was ist am giftigsten: Fliegenpilz, Kochsalz, grüne Tomaten, Goldregen, Wasser oder Gummibärchen? (Bilder: Fotolia)

Süßigkeiten (Bild: Nick Freund (70118727))

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Sauberes klares Wasser im Glas - Momentaufnahme (Bild: (51207781))

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Young, unripe tomatoes grow among green leaves. (Bild: Alexandrum (79790232))

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