Heftiger Theaterwind im Ländle

Als St. Galler könnte man neidisch werden. Im Liechtensteiner 6000-Seelen-Dorf Schaan ist die deutsche Theaterwelt zu Gast: Burgtheater Wien, Deutsches Theater Berlin, Schauspielhaus Bochum – um nur die berühmtesten Häuser zu nennen, die im TAK Produktionen zeigen.

Hansruedi Kugler
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Den Regiestuhl überlässt er anderen: Thomas Spieckermann. (Bild: Urs Bucher)

Den Regiestuhl überlässt er anderen: Thomas Spieckermann. (Bild: Urs Bucher)

Als St. Galler könnte man neidisch werden. Im Liechtensteiner 6000-Seelen-Dorf Schaan ist die deutsche Theaterwelt zu Gast: Burgtheater Wien, Deutsches Theater Berlin, Schauspielhaus Bochum – um nur die berühmtesten Häuser zu nennen, die im TAK Produktionen zeigen. Gastgeber und Intendant ist seit Sommer Thomas Spieckermann. Er bestimmt den Spielplan, reist in die Theatermetropolen und wählt die Stücke für sein Haus aus. Zuvor war er sechs Jahre lang Chefdramaturg bei Christoph Nix am Theater Konstanz und hat dort unter anderem eine Dramenfassung von Joseph Conrads «Herz der Finsternis» erstellt. Regie führt er nie, den Regiestuhl überlässt der studierte Theaterwissenschafter und Romanist mit Doktortitel anderen. «Eine bewährte Aufgabenteilung», findet er. Dramaturgen sind die Chefintellektuellen im Theater. Jene, die wie Spieckermann zum Beispiel messerscharf «Hamlet» als tragische Dialektik des Humanismus analysieren.

Es geht ihm um die Menschen

Im Spielzeitmotto «Von Mensch und Wurzeln» bringt er das Publikum zum Nachdenken über das Gilgamesch-Epos und Goethes Faust, über Wachkoma-Patienten und die Gespenster des Kapitalismus. Bloss Texte abspulen mag er nicht und die Gäste aus den Theaterhochburgen bringen heftigen Wind ins Rheintal: Drei geistig behinderte junge Frauen spielen am 13. und 14. Januar im TAK Tschechows «Drei Schwestern» und ergänzen den Text mit eigenen Lebensberichten (inklusive Auftritt der Schauspiellegende Angela Winkler). Das Kinodrama «Das Fest» von Thomas Vinterberg wird mit packender Filmanimation auf die Bühne gebracht und Balzacs wütende Kritik an Finanzspekulanten aus dem 19. Jahrhundert kommt als Rocky-Horror-Kapitalmarkt-Show ins Ländle. Provokation sei aber nicht sein erstes Ziel, meint Spieckermann. Keine Konfrontationsbroschüren wie den Konstanzer Theater-«Trojaner» von Christoph Nix? Spieckermann schüttelt den Kopf. Zwar ist Liechtenstein wie die Schweiz ein Zentrum der Finanzindustrie. «Das Thema Geld gehört natürlich auf die hiesige Bühne», sagt er. Ihm gehe es aber in einem breiten Sinne um die Verfasstheit der Menschen in ihrer Umgebung. «Meine Frage ist immer, was es mit den Menschen macht.»

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