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Hecht sind im Hallenstadion ansteckend grössenwahnsinnig

Die Luzerner Band Hecht füllt als erste Mundartband das Zürcher Hallenstadion. Das sind 170 Minuten die grösstenteils begeistern.
Michael Graber

Wo genau ist die Grenze zwischen mutig und grössenwahnsinnig? Schwierig. Hecht pendeln im Hallenstadion immer haarscharf dazwischen. Irgendwo da ist auch die ständige Möglichkeit des Scheiterns.

Dass es am Samstagabend ein Tanz auf dem dünnen Grat bleibt und kein Absturz wird, hat mit der Energie und Direktheit dieser Musik zu tun. «Es geht an einem Hecht-Konzert nicht darum, dass man richtig und schön singt», sagt Sänger Stefan Buck zum Publikum und meint auch das Publikum, «es geht darum, dass man laut und ehrlich singt». Laut wird das Konzert rasch. Lautstärke ist die Schminke von Konzerten. Man kann mit ihr gut kleinere Unreinheiten kaschieren. Ehrlich ist das Konzert ab Minute Eins. Und bleibt es bis Minute 170.

Stolz auf das Hecht-Baby

Es ist eine euphoriebesoffene Ehrlichkeit, die sich auf die 13000 Zuschauer überträgt. Es wird geklatscht, gejohlt, geleuchtet, getanzt, geschrien, gestampft, gefaustgereckt, gesungen, gestanden und gefeiert. Und alles was Hecht an Finessen manchmal abgeht, das machen sie wett, indem sie Momente schaffen. Die grossartige und lange Bandvorstellung treibt einem nach dem andern das Augenwasser nach vorne. «Wir! Haben! Es! Geschafft!», sagt alles an diesem Abend.

Der Stolz ist nicht mal sonderlich versteckt. Muss er auch nicht. Stefan Buck (Gesang, Gitarre), Christoph Schröter (Gitarre), Chris Filter (Schlagzeug), Philipp Morscher (Bass) und Daniel Gisler (Keyboard) sind im Hallenstadion so ein bisschen die übermässig stolzen Eltern, die der ganzen Welten vorführen wollen, wie toll ihr Hecht-Baby schon laufen kann.

Und sie können ihrem Baby mittlerweile auch recht cooles Spielzeug kaufen. Gisler schwebt an Seilen und auf dem Keyboard solierend von den Logen auf die Bühne, es knallt mehrfach Konfetti und sogar eine etwas längliche Tanzeinlage («Die haben wir vier Monate geprobt und sind so froh, dass alles geklappt hat») findet ihren Platz. Davor, dazwischen und danach sind es die Songs aus drei Alben. Refrainverliebte Popnummer, die man nach einem halben Mal zuhören mitsingen kann. Immer mit einer Portion Grundschrummligkeit serviert, die den Songs Charme verleiht und sie auch vor der Absturzgefahr schützt.

Herz, Lust, Gefühle, Euphorie

Über weite Strecken ist dies am Samstagabend ein ansteckend begeisterndes Konzert. Es ist nicht alles gut. Es ist aber auch nichts schlecht. «Es kann auch immer etwas in die Hosen gehen», sagt Buck am Anfang. Und weil man das stets glaubt, ist das cool. Es geht nix in die Hosen. Hecht sind genug Profis um zu wissen, dass die Möglichkeit des Fehlers sexier ist als der Fehler selbst.

Für ihre Show haben sie mit allerlei Fachleuten zusammengearbeitet. Es ist gut durchtgetaktet, hat einen Spannungsbogen und überrascht immer wieder. Plötzlich kurven zwei überdimensionierte Flamingos durch die Halle. «Wir sind selber baff, was uns alles eingefallen ist», sagt Stefan Buck. Der immer wieder «Hallenstadion» und «total crazy» sagt. Und dann macht er das «Hallenstadiiiiiiooooon» zum «Danceeeeefloooorrr», es regnet riesige Luftballons und bis unters Dach stehen die Leute auf und tanzen. «Arsch an Arsch». Das gelingt selbst Weltstars in dieser Selbstverständlichkeit am selben Ort längst nicht immer.

Die Fans gehen am Hecht-Konzert im Hallenstadion richtig mit. (Bild: Corinne Glanzmann, Zürich, 26. Oktober 2019)

Die Fans gehen am Hecht-Konzert im Hallenstadion richtig mit. (Bild: Corinne Glanzmann, Zürich, 26. Oktober 2019)

Und was wars: Mut oder Grössenwahnsinn? Schwierig. Beides wohl. Es braucht wohl den Grössenwahnsinn um so ein Projekt zu stemmen. Es braucht den Mut um gegen Bequemlichkeit anzukämpfen. Hecht zeigen aber auch, dass es nicht unbedingt das grösste Talent und nicht unbedingt die sauberste Intonation braucht. Es braucht Leidenschaft. Es braucht Herz. Es braucht Lust. Es braucht Grössenwahnsinn. Hecht vermittelt Gefühle – vermittelt Euphorie. Es ist positiv gemeint, bodenständig und will ohne Umwege funktionieren. In einer Welt, die immer komplizierter wird, bietet das Einfache immer Halt.

Und jetzt: Kann man den Grössenwahn und Mut noch steigern? Schwierig. Ausser es baut jemand bald eine grössere Konzerthalle in der Schweiz. Hecht würden auch die füllen. Genug mutig wären sie. Genug grössenwahnsinnig wohl auch.

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