Haydn, mal anders

Hörbar Klassik

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Haydn Klavierkonzerte für Akkordeon, Viviane Chassot, Kammerorchester Basel, Sony

Mit seinem warmen, orchestrale Fülle verströmenden Klang hat das Akkordeon grosse Soloqualitäten – nur leider in der klassischen Musik nicht das entsprechende Repertoire. Die in Zürich geborene und in Basel lebende Viviane Chassot bedient sich deshalb bei andern Werken und formt sie für ihr Instrument um. Im Falle der Klavierkonzerte von Joseph Haydn fällt das Resultat sehr ansprechend aus. Das Akkordeon ermöglicht ganz ­eigene Klangfarben und steht an Munterkeit nicht hinter dem Klavier zurück. Es ist dies also ein schönes, hörenswertes Experiment.

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Schubert: Fantasie f-Moll op. 103 und andere Werke für Klavier zu vier Händen, Andreas Staier und Andreas Melnikov, Harmonia mundi

Schubert, vierhändig

Kein Komponist hat so viel und so Vielfältiges für Klavier vierhändig komponiert wie Franz Schubert – oft für seine angebetete Lieblingsschülerin, die Comtesse Caroline von Esterházy. Im Konzertsaal werden diese Werke leider selten gespielt. Umso ­verdienstvoller ist, was Andreas Staier und Alexander Melnikov vorlegen. Auf dem historischen Nachbau eines Hammerklaviers von Conrad Graf lassen sie Schubert so erklingen, wie er zu seiner Zeit gespielt worden ist: Melancholisch im Duktus, vor allem in der Fantasie op. 103, aber sehr bewegt in den Details. Ihr beigefügt sind Märsche und Ländler und die Variationen op. 35 über ein eigenes Thema.

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Bach: Partitas, Richard Egarr, 2 CDs, Harmonia mundi

Bach, auf dem Cembalo

Zu Johann Sebastian Bach hat der Cembalist Richard Egarr eine ­besonders enge Beziehung. Man hört das in seiner luftig-leichten, silbrig schillernden Interpretation der Partiten – und auch im Text, den er dazu im Booklet ­geschrieben hat. Er behandelt Bachs religiös untermauertes Verhältnis zur Mathematik, das in Zahlenspielen auch in den Partiten seinen Niederschlag findet. Es ist dies eines der Geheimnisse dieses unfassbaren Genies. Das andere aber ist das Werk, diese Leichtigkeit, mit der er im Kleinen Grosses schafft.

Rolf App