Havel und Dürrenmatt

Als Präsident der Tschechoslowakei besuchte Vaclav Havel 1990 die Schweiz – und wurde zum Anlass für die berühmt gewordene Rede, die Schriftstellerkollege Friedrich Dürrenmatt am Duttweiler-Institut hielt.

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Als Präsident der Tschechoslowakei besuchte Vaclav Havel 1990 die Schweiz – und wurde zum Anlass für die berühmt gewordene Rede, die Schriftstellerkollege Friedrich Dürrenmatt am Duttweiler-Institut hielt. Alt Bundesrat Kurt Furgler lobte damals den neuen tschechischen Staat als Demokratie nach westlichem Muster – und löste damit den Widerspruch Dürrenmatts aus. Dieser warnte in seiner Rede vor der Vorstellung, dass im Westen und gerade in der Schweiz alles in Ordnung sei. Den gewaltlosen Protest, zu dem Furgler Staatspräsident Havel gratulierte, sah Dürrenmatt auch bei den Schweizer Militärdienstverweigerern, die ebenso wie Havel ins Gefängnis geworfen würden. Die Schweiz, so Dürrenmatt, sei im übrigen ein Gefängnis, in das sich die Schweizer geflüchtet hätten. Seine «Havel-Rede» löste lang andauernde Kontroversen aus und ist bis heute ein Stachel im helvetischen Selbstbewusstsein.

Theaterstücke und Essays

Vaclav Havel erschrieb sich vorerst einen Namen als Bühnenautor. Seine oft in der Tradition des absurden Theaters stehenden Stücke, darunter die «Vanek-Trilogie» oder «Das Gartenfest», prägten die Atmosphäre, die 1968 zum Prager Frühling führte, entscheidend mit. Literarisches Zeugnis seiner Gefängniszeit sind die «Briefe an Olga» (1977), die er an seine Frau richtete. Nach längerer Pause begann Havel 1989 wieder zu schreiben, verfasste mit «Fassen Sie sich bitte kurz» eine politische Bilanz und mit «Der Abgang» sein letztes Theaterstück sowie zahlreiche Essays. (sda/Su.)