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Hautnah am Regenbogen

Belles Lettres
Bettina Kugler

Wie der schmale Band seinen Platz in meinem Bücherregal erobert hat, kann ich nur vage rekonstruieren. Jedenfalls stand Heinrich Bölls «Irisches Tagebuch» dort eine halbe Ewigkeit, ungelesen, wie eine Eins – die legendäre Nummer 1 der dtv-Taschenbuchedition. Einiges spricht dafür, dass sie durch einen mehr oder minder heimlich umschwärmten Freund aus Schulzeiten in den mitwandernden Schatz an Habseligkeiten kam. Der Schöngeist reiste nach Irland, ich blieb zu Hause und hatte keine Lust auf Armchair-Tourismus. Auch später war Böll, der engagierte Nobelpreisträger, vorerst abgehakt. Man kannte seine Trümmerliteratur, die Kritik an der Bonner Republik. Wozu noch weiterlesen?

Der Zufall hat mich kürzlich wieder mit ihm zusammen­gebracht. Nicht mit dem Schulfreund, sondern mit Heinrich, dem Deutschen mit der Baskenmütze. In den 1950ern wurde er zum Teilzeit-Iren, die Schreibmaschine im Gepäck. Er entdeckte verlassene Dörfer, Grün in vielen Untertönen und naive Hitler-Schwärmer. Er liess es regnen und ging ins Kino – das «gegen 21 Uhr» begann, sobald ein Priester anwesend war. «Als Gott die Zeit machte…», steht über diesem Kapitel. Für Iren hat er genug davon gemacht. Für Leserinnen auch, gottlob.

Bettina Kugler

Heinrich Böll: Irisches Tagebuch, dtv

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