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«Haut bleibt Haut»: Thurgau trifft Afrika

Der Thurgauer Clown Olli Hauenstein und der togoische Schauspieler Ramsès Alfa erzählen die Geschichte des weissen Clowns Foottit und seines schwarzen Partners Chocolat neu. In einem Zirkusspiel über Menschlichkeit, aber auch über Ungleichheit.
Martin Preisser

Sie haben auch schon zusammen «Wilhelm Tell» gespielt. Der französische Clown George Foottit und sein kubanischer Partner Rafael Padilla. Der eine ein autoritärer Künstler, der andere der leidende schwarze dumme August. Auf Kosten des schwarzen Clowns sucht der weisse den Erfolg. Die Geschichte, die am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts spielt und 2016 von Roschdy Zem berührend verfilmt wurde, hat Christoph Nix, Intendant des Theaters Konstanz, jetzt für die Bühne eingerichtet.

Schlussszene bei den Proben zum Stück im Theaterzelt am See: Chocolat stirbt an Tuberkulose. Foottit spielt ihm auf der singenden Säge ein letztes Lied und bedauert, seinem Partner nicht mehr erklären zu können, wie wichtig er ihm war. «Haut bleibt Haut», sagt der sterbende Chocolat, der aus der Rolle des schwarzen Underdogs einmal ausgebrochen ist, sich am Theater als Othello versucht hat und, erfolglos und verspottet, zum Zirkus zurückgekehrt ist.

Clowns müssen sich immer wieder neu erfinden

«Wir sind wie Yin und Yang», sagt Olli Hauenstein während der Proben in der Zirkusarena. Schwarz und weiss und miteinander untrennbar verbunden. Der Clown aus dem thurgauischen Sommeri hat Christoph Nix zu dem Stück angeregt. Der muss nach der nächsten Saison Konstanz verlassen und erfüllt sich ­einen Traum: einmal als Zirkusdirektor selbst mitzuspielen.

Clown sein ist keine leichte Sache. Olli Hauenstein weiss das. Clowns müssen sich immer wieder neu erfinden, damals wie heute. In «Foottit und Chocolat» auch als Weisser mit einem «exotischen Tier», dem Schwarzen. Olli Hauenstein, der einst beim Zirkus Knie spielte und heute bedauert, dass Comedy im Zirkus die Clowns abgelöst habe, betritt nun die Theaterbühne – in einem Zirkuszelt. Neu erfunden hat sich der Thurgauer Kulturpreisträger von 2017 auch durch sein Programm «Clown Syndrom», mit dem er zusammen mit Eric Gadient, einem Schauspieler mit Down-Syndrom, Erfolge feiert.

Der Traum ernst genommen zu werden

Sein Konstanzer Partner Ramsès Alfa ist überzeugt, dass ein Afrikaner die Rolle eines schwarzen dummen Augusts besser verkörpern kann als ein nur schwarz geschminkter Schauspieler: «Ich bin durch meine Hautfarbe selbst schon fast die Figur.» Olli Hauenstein geht in dieser Produktion als Clown auch Richtung Schauspiel, Ramsès Alfa als Schauspieler auch in Richtung Clown. Beide «lernen» voneinander. «Foottit und Chocolat» sei ein Stück, um über die eigene Rolle nachzudenken.

«Chocolat träumt doch davon, ernst genommen zu werden», sagt Alfa – und sagt es ziemlich emotional. Der afrikanische Theatermann wurde 1968 in Togo geboren und ist dem Theater Konstanz schon seit langem verbunden. Er gilt als Brecht-Spezialist und hat vor zehn Jahren Kafkas «Bericht für eine Akademie» in Konstanz inszeniert. In seiner Heimatstadt Lomè hat er Becketts «Warten auf Godot» in einer deutsch-togoischen Koproduktion auf die Bühne gebracht. Ramsès Alfa spricht sehr gut Deutsch. Gelernt hat er es auf dem Gymnasium – auch eine kulturelle Folge der ehemaligen deutschen Kolonisation Togos.

"Ich träume von einem Theater ohne Grenzen, die Hautfarbe spielt im Theater eigentlich keine Rolle."

«Ich träume von einem Theater ohne Grenzen, die Hautfarbe spielt im Theater eigentlich keine Rolle», sagt Ramsès Alfa, der bei seiner Theaterarbeit in Deutschland niemals Rassismus erlebt hat. «So kann ich mir Brechts Mutter Courage auch als Schwarze in Afrika vorstellen. Mütter Courage gibt es überall.»

Die wahre Geschichte von Foottit und Chocolat ist die Geschichte einer ungleichen Begegnung. Foottits Erfolg kommt auch daher, dass er Chocolat im Zirkus erniedrigt. Der Schwarze bekommt mehr Applaus, der Weisse den Grossteil der Gage. Benachteiligt sind sie letztlich beide, denn auch ein weisser Clown steht im Zirkus ganz unten in der Hierarchie.

Der weisse Clown vielleicht einmal in Afrika

Dass Christoph Nix, der zusammen mit Olli Hauenstein und Mark Zurmühle auch Regie führt, das Stück des ungleichen Clownpaars jetzt auf die Bühne bringt, passt zu seinem langjährigen ­Engagement für Afrika und das dortige Theater. Angesichts der Flüchtlingskrise steht das Stück für eine Einladung, über Identität nachzudenken, aber auch über Toleranz und Menschlichkeit. Und es will Brücken bauen zwischen den Kulturen.

Ramsès Alfa träumt jetzt schon davon, das Stück mit Olli Hauenstein einmal in Togo aufzuführen. Und genau in dieser Rollenverteilung. «Dass ein weisser Clown auf Kosten eines schwarzen Erfolg hat, das wäre in meiner Heimat überhaupt kein Theaterskandal», sagt Alfa und erzählt von erfolgreichen afrikanischen Filmen, in denen Weisse auf kleinen Booten flüchten, auf der Suche nach einem besseren Leben.

Hinweis

Premiere: Sa, 15.6., 20 Uhr, Konstanz, Zirkuszelt Klein Venedig. www.theaterkonstanz.de

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