Hartes Training am Backofen

Ich bekenne: Ich habe ein Backproblem. Und es hat mit meiner Rolle als Vater zu tun. Seit ich Kinder habe, bin ich zwangsläufig öfter und länger zu Hause, deshalb rücken aufwendige Backrezepte in realistische Nähe. Den Teig «3 Stunden gehen lassen»? Kein Problem, bin ja eh da.

Roger Berhalter
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Für Bettina Kugler (Bild: Roger Berhalter)

Für Bettina Kugler (Bild: Roger Berhalter)

Ich bekenne: Ich habe ein Backproblem. Und es hat mit meiner Rolle als Vater zu tun. Seit ich Kinder habe, bin ich zwangsläufig öfter und länger zu Hause, deshalb rücken aufwendige Backrezepte in realistische Nähe. Den Teig «3 Stunden gehen lassen»? Kein Problem, bin ja eh da. «Zu einem glatten Teig kneten und 2 Stunden kühl stellen»? Easy, ich wollte eh noch staubsaugen.

Also riecht es dann nach getaner Arbeit nach frischem Roggenbrot, türkischen Käse-Plätzchen oder portugiesischen Crème-Törtchen. Ja, so ernst ist mein Backproblem schon. Es kommt vor, dass ich am Abend noch einen Teig anrühre, damit ich am nächsten Morgen schon einen Arbeitsschritt weiter bin. Mein älterer Sohn verwendet Ausdrücke wie «Butterhörnchen» und «Pastinaken-Quiche» im aktiven Wortschatz, und er kannte schon mit drei Jahren alle Zutaten für ein Ruchbrot.

Wahrscheinlich ist mein Backproblem Ausdruck einer typisch männlichen Verhaltensweise – wenn auch in einem untypischen Umfeld. Männern geht es um Skills, um das Erlangen von Fähigkeiten. Das Leben ist ein Wettbewerb, und wir wollen besser sein als die anderen. Sei es auf dem Fussballplatz, beim Autofahren, im Büro – oder eben am Backofen. Ich halte es mit dem US-amerikanischen Fernsehmaler Bob Ross: «Lasse keine Gelegenheit zum Training aus!» Eine grosse Weisheit, die man auf die Kinderbetreuung übertragen kann: Mach das Beste aus der Zeit, in der du zu Hause sitzt! Trainiere! Wenn auch nicht den Bizeps, so doch wenigstens die Backkunst.

Nächstes Mal schreibe ich dann über mein Kochproblem…