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Die St.Galler Festspiele gehen zu Ende: Mit einem "Happy Birthday, Lenny!"

Vor hundert Jahren wurde Leonard Bernstein geboren. Das Festkonzert der St. Galler Festspiele zeigte, wie gut seine Musik auch in die Kathedrale passt. Die Energie dieser Musiksprache legte der begeisternde Dirigent und Organist Wayne Marshall vorgestern zusammen mit dem Sinfonieorchester St. Gallen unentwegt frei.
Martin Preisser
Wayne Marshall: Der Londoner Dirigent und Organist ist in St. Gallen inzwischen ein Publikumsliebling. (Bild: pd )

Wayne Marshall: Der Londoner Dirigent und Organist ist in St. Gallen inzwischen ein Publikumsliebling. (Bild: pd )

Sofort stürzt sich Wayne Marshall in ein brausendes Orgelmeer. Ein kurzes Motiv, und schon ist der begnadete Londoner Organist mitten in der bunten, farbigen, fiebrigen Welt eines Leonard Bernstein. Eine Idee reiht sich fast wild und unbändig an die andere. Energiegeladen verknüpfte Marshall extrem virtuos und wendig Themen aus der «West Side Story» mit dem bekannten «Happy Birthday». Vor hundert Jahren wurde der geniale musikalische Tausendsassa geboren. Und Marshalls Improvisation an der Domorgel war ein so lebendiger wie begeisterter Gruss an "Lenny", wie man Bernstein immer wieder auch liebevoll nannte.

Die israelische Mezzosopranistin begeisterte

Das Festkonzert in der Kathedrale, das den immer sehr gut besuchten Abschluss der Festspiele bildet, zeigte, dass Bernsteins sinfonische Musik bestens in den sakralen Raum passt. Grossartig seine erste Sinfonie «Jeremiah». Packend, plastisch, eindringlich baute Wayne Marshall, jetzt als Dirigent des bestens disponierten und engagierten Sinfonieorchesters St. Gallen, im Kopfsatz die vielfachen Variationen über die Klage auf. Die Zerstörung Jerusalems steht in diesem sehr bekenntnishaften Stück auch für die Verzweiflung über den Verlust von Glauben und Werten.

1944 uraufgeführt, packt das Stück auch in unseren fragilen Zeiten. Kräftig rituell und manchmal ein wenig jazzig legte Marshall im zweiten Satz die Strukturen frei. Höhepunkt war dann der Auftritt der israelischen Sängerin Hadar Halevy im Finalsatz der Sinfonie. Ihre Stimme stand sofort im Zentrum: Rund, warm, grossen Raum schaffend, die Klagezeilen aus dem Buch Jeremia auch in den tiefen Lagen mit fantastischer Sicherheit und Empathie interpretierend. Höchst eindringliche Momente waren das.

Ein wunderbares Geburtstagsfest

Wayne Marshall ist ja öfters in St. Gallen zu Gast und inzwischen als Dirigent mit seiner packenden und doch ruhigen, klaren und doch leidenschaftlichen Art ein Publikumsliebling geworden. In «Three Meditations» aus Bernsteins «Mass» überzeugte seine genaue Balance zwischen starken Effekten, überraschenden Klangfarben und präzisem Gefühl für gesangliche Linien. Dieses Kantable lebte der Solist, Fernando Gomes am Cello, sehr intim, konzentriert und fast zart aus und schenkte den Stücken so eine besondere Aura. Welch wunderbares Lenny-Geburtstagsfest!

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