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Die Kuratorinnen der Kunsthalle Wil hören auf: «Wir gönnen der Halle eine neue Ära»

Nach zehn Jahren sind Claudia Reeb und Gabrielle Obrist offen für neue gemeinsame Projekte.
Christina Genova
Claudia Reeb und Gabrielle Obrist in der Kunsthalle Wil. (Bilder: Benjamin Manser)

Claudia Reeb und Gabrielle Obrist in der Kunsthalle Wil. (Bilder: Benjamin Manser)

Die neue Ausstellung in der Kunsthalle Wil ist noch mitten im Aufbau. Die Nerven der Walliser Künstlerin Maria Ceppi sind arg strapaziert. Schon eine Woche hat sie vor Ort gearbeitet, aber ihre Installation aus Baugerüstfolie sieht immer noch nicht so aus, wie sie es sich vorstellt. Claudia Reeb beruhigt die Künstlerin und hilft ihr beim Zurechtrücken der Plastikschläuche. Die Kunsthalle Wil, ein Ort, wo auch die Kuratorinnen beim Aufbau Hand anlegen müssen? «Ja, und manchmal auch Hand auflegen», sagt die Kuratorin lächelnd.

Den Dienst an den Künstlerinnen und Künstlern sieht auch ihre Kollegin Gabrielle Obrist als eine Kernaufgabe: «Wir machen ihnen Mut, Risiken einzugehen.» Aber auch das Organisieren eines Gabelstaplers oder die Unterstützung beim Stellen von Gesuchen gehört dazu.

Dieses Engagement spricht sich offenbar herum: In den letzten Jahren gelangten die meisten Kunstschaffenden auf Empfehlung eines Kollegen an die Kunsthalle. In Kunstkreisen haben sich die beiden promovierten Kunsthistorikerinnen mit ihren interessanten und sorgfältig kuratierten Ausstellungen einen Namen gemacht.

Ein Wasserfall aus Plastikschläuchen

Die Walliser Künstlerin Maria Ceppi interessiert sich für die Beziehung zwischen Natur und Künstlichkeit. In der Kunsthalle Wil zeigt sie die Installation «Chute d’eau» (Wasserfall). Sie besteht aus rund 40 transparenten Plastikschläuchen, die sich vom Obergeschoss ins Erdgeschoss ergiessen und ganz oder teilweise mit Luft gefüllt sind. Anstatt des tosenden Rauschens der Wassermassen hört man das Dröhnen der Ventilatoren, welche die Schläuche mit Luft versorgen. Deren Auf- und Abschwellen lässt an einen atmenden Organismus denken, obwohl es ein gänzlich künstliches «Atemsystem» darstellt. Auch anderen Bezüge zur Natur bieten sich an: So erinnert die transparente Hülle an eine Haut oder einen Kokon, die Installation als Ganzes an Strukturen aus Eis oder Kristall. (gen)
Vernissage, Samstag, 2.11., 18 Uhr, Kunsthalle Wil; bis 15.12.

Die Walliser Künstlerin Maria Ceppi.

Die Walliser Künstlerin Maria Ceppi.

Aus Kolleginnen wurden Freundinnen

Doch nun haben Claudia Reeb und Gabrielle Obrist bekannt gegeben, dass die Ausstellung von Maria Ceppi ihre letzte sein wird. Nach zehn Jahren in leitender Funktion treten die beiden Kuratorinnen zurück. Ihre Nachfolgerin wird die Künstlerin und Szenografin Sonja Rüegg aus Ebnat-Kappel.

Die beiden Frauen, die sich vorher nicht kannten, wurden im Laufe der Jahre Freundinnen und zu einem perfekt synchronisierten Team: «Es ist schön, so zu arbeiten», sagt Claudia Reeb. Obrist, die eloquente Aussenministerin der Kunsthalle, ist Mitglied der Kunstkommission der Stadt Wil und kümmert sich um das Stellen von Gesuchen; Reeb ist mit der Pressearbeit, dem Personalwesen und den Finanzen beschäftigt. An den Ausstellungstexten schreiben sie meist gemeinsam.

Wichtig ist den beiden Kuratorinnen, zeitgenössische Kunst einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Besonders gut gelingt dies in Form von Künstlergesprächen. Einem Format, das die beiden Frauen neu einführten und das mittlerweile ein treues Publikum hat. Die Besucherzahlen sind insgesamt jedoch nicht rekordverdächtig: «Damit können wir nicht angeben», gesteht Gabrielle Obrist. Immer wieder war es eine Herausforderung, mit den beschränkten finanziellen Mitteln zu operieren: «Wir mussten uns jede Ausgabe überlegen», sagt Reeb.

Offen für weitere gemeinsame Projekte

Die Leitung der Kunsthalle Wil ist eine überwiegend ehrenamtliche Tätigkeit, die vor allem an den Abenden und Wochenenden stattfindet. Beide Frauen sind hauptberuflich andernorts tätig: Reeb ist administrative Leiterin des Kunstmuseums Appenzell, Obrist arbeitet in der Kunstdienstleistung bei der Steinfels Art Consulting. Für beide ist die Kunsthalle eine Herzensangelegenheit: «Sie ist unsere Passion und hat uns enorm bereichert», sagt Gabrielle Obrist.

Doch warum hören sie überhaupt auf? «Wir sind mit unseren Zeitressourcen an Grenzen gestossen», sagt Gabrielle Obrist, «und wir gönnen der Kunsthalle eine neue Ära.» Doch das Ende ihrer Tätigkeit für die Kunsthalle Wil bedeutet nicht das Ende ihrer Zusammenarbeit: «Wir sind offen für gemeinsame Projekte», sagt Reeb.

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