Hamburger Herbst im Palace

Am Freitag meldet sich das Palace zurück. In der Herbstsaison spielen mehrere Bands aus Hamburg, unter anderem Erobique, Station 17 und Die Goldenen Zitronen. Mit dem ukrainischen Pianisten Lubomyr Melnyk wagt das Konzertlokal einen Ausflug in ungewohnte Gefilde.

Roger Berhalter
Merken
Drucken
Teilen
«Who's Bad»: Schorsch Kamerun von Die Goldenen Zitronen. (Bild: Rainer Knaepper)

«Who's Bad»: Schorsch Kamerun von Die Goldenen Zitronen. (Bild: Rainer Knaepper)

Er gilt als einer der schnellsten Pianisten der Welt. Der Ukraine Lubomyr Melnyk schafft fast 20 Tastenanschläge pro Sekunde und erzeugt so einen kontinuierlichen Strom aus Tönen. Doch mit pianistischer Hochleistung hat das Spiel des 65-Jährigen wenig zu tun. Er hat vielmehr seine ganz eigene Technik entwickelt und betreibt das Klavierspielen so wie andere asiatische Kampfkunst: «Der Körper muss Wasser werden, damit er sich so schnell über die Tasten bewegen kann.» Die Konzerte von Lubomyr Melnyk gelten als durchaus bewusstseinserweiternde Erfahrung. Am 26. September spielt der Ukraine auf dem Palace-Flügel und demonstriert seine Klangkaskaden live. «Eine gute Gelegenheit, diesen Künstler wieder zu entdecken», sagt Booking-Chef Damian Hohl.

Verschwitzt und ausufernd

Neben diesem Ausflug in die Minimal Music treten im Palace in der Herbst- und Wintersaison viele Hamburger Bands auf. Allen voran Die Goldenen Zitronen (20. November), die ihr neues Album «Who's Bad» vorstellen. «Um sie dreht sich sozusagen unser Hamburger Herbst», sagt Damian Hohl. Doch schon zum Saisonstart am kommenden Freitag spielt ein Hamburger auf. Carsten Meyer alias Erobique wird die Saison «verschwitzt und ausufernd» eröffnen. Weiter geht die Reihe mit den Punkern von Slime (18. September), dem energiegeladenen Bandkollektiv Station 17 (28. September) sowie Die Vögel im November.

Auch afrikanische Musik findet im Palace erneut Platz. Am 14. September ist Bombino mit seinem Wüstenrock aus dem Niger zu Gast. Der 33-Jährige vermischt die traditionelle Musik der Tuareg mit Rock und Blues. Einen ungewohnten Ausflug nach Südamerika unternimmt das Konzertlokal am 30. November, wenn die Meridian Brothers ihren experimentell-elektronischen Cumbia zum Besten geben. Neben diesen kolumbianischen Exoten stehen aber auch einige typische Palace-Konzerte an. Allen voran mit der britischen Post-Punk-Band Wire (12. Oktober). Damian Hohl bezeichnet sie als «Angelpunkt von vielem, was im Palace schon gespielt worden ist.»

St. Galler Erschütterungen

Die beliebten Reihen werden im Herbst ebenfalls fortgesetzt. «Soul Gallen» wartet mit der DJ-Legende Keb Darge auf (4. Oktober), die «Rap History» startet mit einer Repetition, bevor das Jahr 2001 an der Reihe ist (18. Oktober). Ausserdem stehen fünf neue Folgen von den «Worst Case Szenarios» auf dem Programm (ab 24. Oktober), und die «Erfreuliche Universität» widmet sich im Oktober anlässlich des Geothermie-Projekts den «St. Galler Erschütterungen».

Saisoneröffnung: Fr, 13.9., 22 Uhr, mit Erobique und den Sirupclub Half Star Group DJs

«Der Körper muss Wasser werden»: Pianist Lubomyr Melnyk. (Bilder: pd)

«Der Körper muss Wasser werden»: Pianist Lubomyr Melnyk. (Bilder: pd)