Halt no mol s'Gliich

Auf ihrer Tour durch die Deutschschweiz machen Heinz de Specht auch in der Kellerbühne halt. Vor restlos ausverkauftem Haus präsentieren sie ihr drittes Liederprogramm.

Brigitte Schmid-Gugler
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Henz de Specht in der Kellerbühne (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Henz de Specht in der Kellerbühne (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Vögel könnte man kriegen, wenn man sie so sieht und hört. Schwarzgraue Spechte oder sonst eine bedrohte Art. Sie nisten sich ein im Kopf, und es zirpt und piepst die halbe Nacht: «No mol s'Gliich» auch am nächsten Morgen noch – der Song ist der beste des ersten Teils. Als wären sie nicht selber schuld, jammern sie lang und breit über die Phantasielosigkeit ihres Managers, der ihnen einfach «no mol s'Gliich» empfohlen habe.

Sehr menschlich-komisch

Also dann halt «no mol s'Gliich». Es ist dann trotzdem sehr anders. Kein K(l)opfneurotiker, kein Hämmern und kein Würmerpicken, sondern Walgesang. Der Öko-Koloss thront als leuchtender Lampenschirm auf der Bühne, der ebenfalls bedrohte Talisman des Abends würde auch zum Orka-Tapetenmuster und laufendem CD-Player mit Heinz-de-Specht-Liedli ins Kinderzimmer passen. Des Wals Gesang läutet das Programm ein und leitet zum Schicksal eines Klons in schönster Schnulzenart.

Bei dem, der immer der Lappi, und an allem schuld ist (das seitlich angeschnittene Buttermödeli), kommt man fast ins Schunkeln. Und der Heimlifeisse, der zwar glaubt, «das dörf me nöd», wächst uns direkt ans Herz. Sie sind so menschlich, die Heinz-de-Specht-Figuren, sie wissen, wie es klingt, wenn der Hausmeister klingelt und sich wegen der nicht geputzten Waschküche beklagt. Sie kennen den Schreck in den Augen, wenn beim Fonduegabelgefecht noch «ein wenig <Stuhlgang>» unter dem Fingernagel entdeckt wird.

Vertrautes aus dem Alltag

Selten – wie hier – entbehren die Texte jeden Humors, meistens sind Heinz de Specht auch in ihrem dritten Liederprogramm lustig, klug, komisch und bissig zugleich. Sie projizieren, mal als Chanson, mal in jazzigen Step over, sehr alltägliche Bilder in die Köpfe von Orten, Situationen, die uns allen vertraut sind. Auch wenn viele der Themen direkt aus der kabarettistischen Trickkiste kommen, wirken sie bei Heinz de Specht frisch und unverbraucht, ja, sie mutieren fast wie «klönende Klone» zu neugeschaffenen Persiflagen. Das Interieur samt Aromat und Maggi in Quartier- und Dorfbeizen, schon zigmal zu Objekten schweizerischer Biederkeit erhoben, wachsen bei Heinz de Specht zu so etwas wie Skulptürchen gastronomischer Zärtlichkeit, denen man ganz gerne ein wärmendes Pullöverchen überstülpen würde.

Geniale Instrumentalisten

Das liegt nicht zuletzt an der Musikalität. Roman Riklin, Christian Weiss und Daniel Schaub sind, und da gibt es wirklich nichts zu meckern, drei geniale Instrumentalisten, die mit der Behendigkeit eines Schnabeltiers die Bühnenpositionen wechseln und dort zu dem Instrument greifen, das grad parat steht. Ob Akkordeon, Mundharmonika, Cello, Keyboard, akustische oder Bassgitarre – alle drei scheinen jedes Instrument mit der gleichen Virtuosität zu beherrschen.

Es gibt gar Momente an dem Abend, da hätte man gerne mehr von diesen rein musikalischen Einlagen. Die Bandbreite ihrer Stile – vom melancholischen Blues zum Chanson zum funkigen Jazz bis zum Hardrock-Eiertanz – ist umwerfend. Doch es gibt auch die kleinen feinen A-cappella-Nummern, die sie wie drei Schulbuben am Bühnenrand vortragen, die Pausen mit Seifenblasen füllen und wir, das Publikum, sich kurz in dieser Leichte des Abends spiegeln kann.

Die St. Galler Aufführungen sind alle ausverkauft; das gleiche Programm wird vom 28.11. bis 1.12.2012 nochmals hier zu sehen sein.

Ob a cappella oder als virtuose Instrumentalisten: Heinz de Specht hat das Publikum im Sack. (Bild: Urs Bucher)

Ob a cappella oder als virtuose Instrumentalisten: Heinz de Specht hat das Publikum im Sack. (Bild: Urs Bucher)

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