Hände waschen für die Kunst: Wie die Weinfelder Künstlerin Doris Naef mit ihrem Projekt Ostschweizer Kunstschaffenden hilft

Sie helfen, sie sind Kunstwerke, Gebrauchsgegenstand, und: sie duften, die Kunstseifen von Doris Naef. Mit ihrem Projekt «Stop Corona» bringt die Thurgauerin regionales Kunstschaffen ins heimische Badezimmer und hilft Künstlern, die unter der Coronakrise leiden.

Viola Priss
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Künstlerin Doris Naef erschuf die Coronaseifen mit Vasco Hebel, dem jungen Gründer und Leiter des St.Galler Seifenmuseums.

Künstlerin Doris Naef erschuf die Coronaseifen mit Vasco Hebel, dem jungen Gründer und Leiter des St.Galler Seifenmuseums.

Bild. PD

Seifen, wie Toilettenpapier, erlebten während des Lockdowns ein Hoch in den Umsatzzahlen. Die Kunst und die Kunstschaffenden hingegen verschwanden durch das Virus von der öffentlichen Bildfläche. Doch Kunst wäre nicht Kunst, würde sie nicht auch aus Krisen sich selbst neu erschaffen. So inspirierten die Seifen die Weinfelder Künstlerin Doris Naef zu einem ungewöhnlichen Projekt.

Mit «Stop Corona» macht Naef die Arbeit von Ostschweizer Kunstschaffenden sowie deren Not sichtbar, und zwar auf Seife. Die Seifen, so Naefs Idee, sollten eine Art Abbild regionaler Künstlerinnen und Künstler sein, deren Existenz durch den Stillstand des Kulturlebens bedroht sei.

Doris Naef, hier beim Einrichten ihrer Ausstellung im Kunstverein Frauenfeld 2015, hilft mit ihrem neusten Projekt Künstlerkolleginnen und -kollegen.

Doris Naef, hier beim Einrichten ihrer Ausstellung im Kunstverein Frauenfeld 2015, hilft mit ihrem neusten Projekt Künstlerkolleginnen und -kollegen.

Bild: Donato Caspari

Anstatt in Seife eingestanzter Namen oder Mini-Kunstwerke sollten die Künstler durch spezifische Duftkompositionen eine Ersatzpräsenz im heimischen Badezimmer finden. In Kooperation mit dem Berufsverband Visarte Ost wird der komplette Erlös aus dem Seifenverkauf an Kunstschaffende in Not verteilt.

Die Werke von Odilon R. duften nach Pfingstrosen

Vasco Hebel, Gründer und Direktor des St.Galler Seifenmuseums.

Vasco Hebel, Gründer und Direktor des St.Galler Seifenmuseums.

Bild: Ralph Ribi

Doch wie erschafft man eine Seife, die so duftet, wie ein Werk aussieht oder wirkt? Doris Naef fragte den jungen St.Galler Seifenmuseumsdirektor Vasco Hebel, der sofort vom Projekt begeistert war. Die beiden experimentierten mit Düften, Formen und Kombinationen. Nun steht die erste, handsignierte Kollektion im St. Galler Kunstmuseum zum Kauf als Einzelstück oder im Set bereit.

Ein Set besteht aus vier Seifen: In der Duftkomposition findet sich jeweils das Charakteristische der Kunst des namentlich aufgeführten Künstlers oder der Künstlerin wieder. Die Pfingstrose etwa steht für die Farbe und die fragilen, «duftenden» Werke von Odilon R. «Pure» ist geprägt vom Duft und der Farbe der monochromen Arbeiten von Marcia H. Ihre Werke befinden sich, wie auch die der anderen Künstlerinnen und Künstler, in der Sammlung des Kunstmuseums St. Gallen.

Doris Naef denkt schon an eine zweite Auflage, denn: «Corona wird uns noch lange beschäftigen, die Krise Künstlerinnen und Künstler noch lange verfolgen.»

Informationen zu Bestellung der Kunstseifen auf dorisnaef.com und auf seifenmuseum.ch