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Haariges Musical auf Erfolgskurs

Der Theaterverein Fürstenland hat sich in der Region mit opulenten Musicalaufführungen einen Namen gemacht. Nun zeigt er «Hairspray», das Erfolgsmusical, das etliche Auszeichnungen erhielt und rund um den Globus gezeigt wird.
Mirjam Bächtold

Tracy Turnblad hat einen grossen Bauch, eine grosse Figur und ­einen grossen Traum. Für die übergewichtige High-School-Schülerin gibt es nur eines: Sie will in Corny Collins’ Show im Fernsehen tanzen. Für ein Vortanzen schwänzt sie sogar die Schule. Doch die Produzentin der Sendung weist sie ab – nicht weil sie zu spät gekommen ist, sondern weil sie zu dick ist. Und schon ist der Zuschauer mitten in der mitreissenden Show von «Hairspray» mit Twist und Rock ’n’ Roll.

Beim Nachsitzen lernt Tracy den Schwarzen Seaweed kennen, der ihr neue Tanzschritte beibringt. Bei einem High-School-Tanz erkennt ein Talentscout Tracys Begabung, und so schafft sie es doch in die Corny-Collins-Show. Ihre über Nacht erlangte Berühmtheit will sie dafür nutzen, sich für die Gleichberechtigung der Schwarzen im Baltimore der 1960er-Jahre einzusetzen.

Realität war weniger erfolgreich

Die Vorlage für das Musical «Hairspray» war der gleichnamige Film von John Waters aus dem Jahr 1988. Er schrieb das Drehbuch und führte auch Regie. Selbst in Baltimore aufgewachsen, liess er sich von realen Begebenheiten aus der Stadt für seinen Film inspirieren. Eine Tanzshow etwa gab es damals ebenfalls: die Buddy-Dean-Show. Wie im Musical hielt man sich auch in dieser Show strikte an die Rassentrennung: Die Schwarzen hatten einmal im Monat die Möglichkeit für eine eigene Tanzshow, nach der damaligen Richtlinie: «separate but equal» – «getrennt aber ebenbürtig».

Im Musical stürmt Tracy Turnblad mit ihren schwarzen Freunden die Tanzshow der Weissen. Auch das geschah in der Buddy-Dean-Show: Schwarze und weisse Tänzer stürmten im August 1963 gemeinsam überraschend die Bühne, doch dies endete nicht wie im Musical mit einer Erfolgsgeschichte. Deans Show wurde wenige Monate später abgesetzt. Und auch wenn Baltimore die erste Stadt im Süden mit gemischten High Schools war, so wurde die Rassentrennung doch nicht einfach mit einer Tanzshow beendet.

Aber «Hairspray» ist dennoch eine Geschichte, die sich liebevoll dem Thema Aussenseiter annimmt. Sie zeigt, dass es egal ist, ob man dick ist oder schwarz, solange man an sich und seine Träume glaubt. Das Lexikon des internationalen Films beschrieb den Film von 1988 als «manchmal schrille, weitgehend witzige Teenager-Komödie, die dicke Menschen liebenswert zeichnet, Überheblichkeit und Ignoranz anprangert und Toleranz als unabdingbar im menschlichen Miteinander beschreibt.»

Überzeugendes Bühnenbild und tolle Kostüme

Die Gossauer Inszenierung überzeugt mit aufwendig gestaltetem Bühnenbild und rasanten Choreografien. Jeder Song hat eine eigene Choreo-Inszenierung, die die Laiendarsteller gekonnt tanzen. Auch bei den Kostümen steht der Theaterverein einer Profiinszenierung in nichts nach. Die Kleider aus den 1960er-Jahren und die hoch auftoupierten Perrücken versetzen die Zuschauer zurück in vergangene Zeiten.

Eine Besonderheit an «Hairspray» ist die Rolle von Tracys Mutter Edna Turnblad: In jeder Inszenierung wird sie von einem Mann gespielt. Dies hat mit dem Film zu tun: Regisseur John Waters besetzte die Hauptrollen in seinen Filmen oft mit seinem langjährigen Freund und Partner Glenn Milstead. Dieser trat meist als Divine auf und war die bekannteste Drag Queen der damaligen Zeit. Waters, der selbst homosexuell ist, setzt sich für deren Rechte ein. Kurz nach der Filmpremiere starb Divine.

Edna Turnblad wurde seit 1988 immer von einem Mann gespielt. Der bekannteste Darsteller war John Travolta, der sie 2007 verkörperte. Mit ihm verlor die Rolle allerdings die subversive Travestie. Auch in Gossau spielt Marco Ciorciari die Edna fast zu männlich. Ciorciari gibt die übergewichtige Mutter, die wegen ihres Umfangs ihre Träume aufgegeben hat. Bis Tracy sie aus der Reserve und aus dem Haus lockt, hinein in die Sixties.

Vorstellungen bis 25. Mai, Fürstenlandsaal Gossau.

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