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Schweizer Comic aus Nigeria: Guter Rohstoff, miese Korruption

In seiner neuen Graphic Novel thematisiert Matthias Gnehm das nigerianische Erdölgeschäft. Action ohne Superhelden, dafür realitätsnah. Spektakulär.
Hans Keller
"Salzhunger" von Matthias Gnehm spielt in der nigerianischen Ölhafenstadt Lagos. Es geht um schmierige Machenschaften. (Bild: Edition Moderne)

"Salzhunger" von Matthias Gnehm spielt in der nigerianischen Ölhafenstadt Lagos. Es geht um schmierige Machenschaften. (Bild: Edition Moderne)

Matthias Gnehms neue Graphic Novel «Salzhunger» glänzt ölig. Der Broschurband mit Anthrazit-Seitenschnitt weist bereits äusserlich darauf hin, dass es hier um das schwarze Gold geht. Und um schmierige Machenschaften.

Ölfördernde Länder sollten an sich reich sein, würde nicht der Grossteil des Profites aus den Geschäften in den Kloaken der Korruption versickern. Angesichts der Tatsache, dass sich daran kaum je etwas ändern wird, könnten einen Depressionen ereilen. Einen der Protagonisten in Gnehms Drama, einen Dokumentarfilmer, haben die Depros schon kleingekriegt. Ein drohender globaler Kollaps macht Arno, so der Name des nur noch in den Computer starrenden Protagonisten, fix und fertig. Er mag nicht einmal mehr eine Einladung seiner Nachbarn zu einem Vegiburger annehmen. Ein Schwarzseher, dessen Gesicht von Kummerfalten und Augenringen gezeichnet ist. Die gegen alles mögliche protestierende Organisation «Erzfeind» lädt ausgerechnet diese ausgebrannte Existenz zur Mitarbeit ein.

Die Abfälle kehren nach Nigeria zurück

Das Korruptionskarussell beginnt sich zu drehen. Die gegen die Aktivitäten der Firma «Boromondo» geplanten Recherchen führen Arno und eine gewisse Paula von «Erzfeind» nach Lagos, der nigerianischen Millionenmetropole, wo sich der Einheimische Anthony zu ihnen gesellt. Nach Lagos begab sich auch Comicschöpfer Gnehm, ein grobes Szenario seiner Graphic Novel im Gepäck.

«In meinem Plot sollte es um den ungebremsten Abbau von Rohstoffresourcen gehen, der bei meinem altruistischen Protagonisten Arno einem hoffnungslosen Zerfall der inneren Kräfte entspricht»,

erklärt Gnehm, der Lagos als Ölhafen zum Hauptschauplatz seines Dramas auserkor. Von hier wird das Rohöl mit Tankern in europäische Raffinerien geschippert und zu hochwertigem Benzin verarbeitet, während der minderwertige Abfall nach Nigeria zurückkehrt. Der Comicschöpfer kontaktierte Leute, die sich in Lagos auskennen und die sein Szenario korrigierten, ihm Glaubwürdigkeit verschafften. «Salzhunger» besticht durch einzigartiges Lokalkolorit, welches Gnehm einfing und das auf rund dreitausend Fotos basiert, welche der Zeichner in Lagos geschossen hatte. Auf deren Grundlage gestaltete er mit Pastellkreide und Bleistift seine stimmungsvollen Panels, führt uns sowohl durch die Gettos als auch in propere Quartiere.

Er hatte das Glück, eine Person zu finden, die sich in den Slums – bei achtzig Prozent der Metropole handelt es sich um solche – auskennt.

Luxusausblick auf die Gettos

Im Comic betrachtet der CEO der Firma Boromondo von seinem luxuriösen Hotel aus durch den Feldstecher diese in brackigem Wasser errichteten Bruchbuden, während er von schwarzen Callgirls umgarnt wird. Das detektivische Trio jagt derweil im Auto durch Lagos, verfolgt von den Schergen der Öl-Lobby, denen es gelingt, Anthony spitalreif zu prügeln. Während der Jagd geraten die drei auf ein Gelände, wo gerade eine Räumung im Gange ist. Baumaschinen, Bagger und bewaffnete Soldaten gehen gegen eine Gruppe singender Bewohner des Gebietes vor. Gnehm weiss diese erlebten Szenen effektvoll in die Handlung einzubauen. Anthony landet schliesslich im Knast, in dem die Insassen wie Sardinen aneinandergequetscht liegen.

Schliesslich hält in der «Erzfeind»-Gruppe jeder den anderen für einen Verräter. Bitteres Fazit: die Korruption obsiegt. Allerdings begibt sich Arno am Schluss wiederum nach Lagos, um Anthony aus dem Knast zu befreien. Ein winziger humanistischer Lichtblick.

Matthias Gnehm: Salzhunger. 224 Seiten, Fr. 39.80, Edition Moderne

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