Gute Schwule, böse Jugos

«Tatort»

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«Amour fou», so der Titel des fünften «Tatorts» aus Berlin. Wer hier aber wen so obsessiv liebt, bleibt im Ungefähren. Begehrlichkeiten gibt es zuhauf, was emotional spannend ist. Genau so spannend wie die Krimihandlung: Bis zuletzt wird man überrascht im Fall um den erschlagenen und bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Gesamtschullehrer Schopper.

Schopper war der Mann von Armin Berlow (Jens Harzer), zusammen kümmerten sich die beiden um den Schüler Duran – die Eltern vom Balkan, der Vater kriminell. Missbrauch steht im Raum, weshalb Schopper beurlaubt wurde.

So spannend der Plot, so ärgerlich das Drumherum.«Amour fou» möchte weltoffen sein, cool, den verschiedensten Lebensentwürfen zugetan. Dabei scheinen die Macher übersehen zu haben, dass hier konsequent «gute Schwule» gegen «böse Jugos» ausgespielt werden – das ist ungerecht und migrantenfeindlich.

Gleich zu Beginn fällt der Satz:«Fragen Sie mal die Kids im Kiez, was man am besten mit Schwulen macht.» Später meint Kommissar Karow (Mark Waschke) – den man übrigens sehr gerne mal nicht mehr als bösartigen Zyniker erleben würde: «Die Kinder der Jugo­slawien-Flüchtlinge fühlen sich zweiter Klasse und lassen es an der dritten aus – an Flüchtlingen, Obdachlosen, Schwulen.»

Dazu die Frage: Warum auch musste Schopper an einer Gesamtschule mit 80 Prozent Migranten unterrichten? Und natürlich kriegt der feinsinnige Trauernde Berlow von denen vom Balkan kräftig eins auf die Nase. Dass Berlow dank Vaters Erbe den ganzen Tag Baudelaire lesen kann, macht das schlichte Weltbild noch komplett. Berlin, das kannst du besser.

Susanne Holz

«Tatort» aus Berlin: «Amour fou». Morgen Montag, 20.05 Uhr, SRF 1.