Gut vernetzt in der Szene

Sie fährt im Zug zur Arbeit, drei Tage die Woche, von Zürich nach Frauenfeld. Lachend sagt sie: «Neben mir sitzen die Einkaufstouristen.» Gioia Dal Molin lacht gern, für sie sind Kunst und Kultur erfreuliche Dinge. Im September hat sie Klaus Hersche in der Thurgauer Kulturstiftung abgelöst.

Dieter Langhart
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Gioia Dal Molin, Beauftragte der Thurgauer Kulturstiftung. (Bild: Dieter Langhart)

Gioia Dal Molin, Beauftragte der Thurgauer Kulturstiftung. (Bild: Dieter Langhart)

Sie fährt im Zug zur Arbeit, drei Tage die Woche, von Zürich nach Frauenfeld. Lachend sagt sie: «Neben mir sitzen die Einkaufstouristen.» Gioia Dal Molin lacht gern, für sie sind Kunst und Kultur erfreuliche Dinge. Im September hat sie Klaus Hersche in der Thurgauer Kulturstiftung abgelöst. Wie der Innerrhödler bringt sie eine Aussensicht in den Thurgau, vertritt mit ihren 34 Jahren aber eine jüngere Generation.

Was hat sie gereizt an ihrer neuen Aufgabe? «In meiner Dissertation habe ich mich theoretisch mit der Kulturförderung in der Schweiz auseinandergesetzt, mich reizte die Praxis.» Dabei hat sie längst Ausstellungen kuratiert und in Zürich das Gesprächs- und Ausstellungsprojekt «Le Foyer» mitinitiiert.

Der Dialog ist zentral

Reden, sich austauschen, im Dialog sein – das ist Gioia Dal Molin enorm wichtig. «Ich will Ansprechpartnerin sein für die Kulturschaffenden im Thurgau.» Als Beauftragte der Kulturstiftung führt sie mit Caroline Minjolle und Silvia Jenny das Stiftungsbüro. «Projekte zu begleiten ist wichtig, aber ich will auch eigene Projekte lancieren.» 2016 koordiniert sie die zweite «Werkschau», die Thurgauer Kunstbiennale. Sie will sie noch öffentlicher machen und plant eine Publikation, damit etwas nachklingen kann. In der Buchreihe «facetten» will Dal Molin vermehrt jüngeren Künstlern eine Plattform bieten.

Gioia Dal Molin bezeichnet sich als «gut vernetzt» in der Kunstszene. Als Beauftragte kann und will sie Ideen zusammenbringen, Themen verdichten, Trends erspüren. Wo will sie in fünf Jahren stehen? «Wir müssen über neue Förderformate nachdenken und ein Atelierstipendium aufbauen, aber nicht für Paris oder Berlin, sondern in der Peripherie – da ist Kultur spannender.» Sie strebt neue Debatten an, um die Bedürfnisse der Kulturschaffenden zu erspüren – aus einer solchen Debatte ist 2014 die erste Werkschau hervorgegangen.

Macht Gioia Dal Molin auch selber Kunst? Sie lacht und schüttelt den Kopf. «Im Gymi habe ich viel gezeichnet, habe mit der Kunsthochschule geliebäugelt, und mit einem befreundeten Künstler will ich einmal die Rollen tauschen – ich mache Kunst, er schreibt darüber.»

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