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Intermezzo: Gut gemacht, Dulcamara!

Rolf App

Es gibt Inszenierungen, die sind karg und konzentriert. Und andere, die uns geradezu überfallen mit einer Fülle von Ideen. «L’elisir d’amore» von Gaetano Donizetti am Theater St. Gallen ist so ein Fall. Spätestens wenn der Quacksalber Dulcamara seine obskuren Wässerchen anpreist, gerät die bunte Welt der Opernbühne in heftige Schwingung. So dass es einem schwer fällt, alles im Auge zu behalten, was da gerade parallel geschieht. So ist es eben mit Dulcamaras Zaubertrank. Er verzaubert alle. Auch die Zuschauer.

Doch war da nicht was? Eine kleine Panne sogar? David Stout, der an der Premiere den Dulcamara spielt, stockt, schaut um sich, wartet einen kurzen Moment, und stösst dann hastig ein Wort hervor in Richtung der Nische links vom Zuschauerraum: «Text», sagt er, man hört es klar. «Isotta», flüstert ihm die Souffleuse zu. Und mit diesem Wort setzt Stout seinen Auftritt fort. Der Kritiker erwähnt den Vorfall nur am Rande; sein Respekt davor, was Sänger und, mehr noch, Schauspieler an Text zu behalten haben, ist viel zu gross.

Erst später erfährt er, dass Dulcamaras Stocken gar kein Hänger war - sondern ein Gag. Wozu dieser Gag gut war, darüber rätselt der Kritiker immer noch. Aber er schaut auch belustigt auf den Vorfall und seine Miss-Deutung. Und voller Bewunderung. David Stout hat seine Suche nach dem erlösenden «Isotta» so überzeugend gespielt, dass man sie ihm als wahr abgenommen hat. Genau dies ist Theater: Ein Spiel, so echt, dass wir es für wahr halten. Was es auch ist.

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