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Lesetipps Prosa: Neues aus Winterthur und Frankreich

Iréne Bourquin fesselt mit ihrem neuen Buch, Marie Modiano scheitert trotz prominenten Vorfahren.
Dieter Langhart

Gut beobachtet

Beat Brechbühl legt in seinem Verlag das achte Buch der Winterthurer Autorin Irène Bourquin vor – und es ist eines ihrer feinsten. Es ist beinah noch zarter als ihre Lyrik, zuletzt vor zwei Jahren in «Schaukelnd im grünen Atem des Meeres». Die frühere Feuilletonchefin beim «Landboten» weiss, was gute Literatur ist, und sie hat längst ihren eigenen Stil gefunden zwischen raffinierter Andeutung und lakonischem Berichten. «Im Bauch des Hauses» vereint 49 Kurzprosapreziosen, die unspektakuläre Beobachtungen – lauter Alltagsmomente – in bedachte Sprache kleiden. Leise Melancholie oder Resignation, «hochgeschwemmte Erinnerungen» und scheinbare Idyllen: Da ist viel Raum für unsere Gedanken, bleibt so vieles offen, ungesagt, voller Leerstellen. «Früher war da noch die Katze gewesen»: So hebt «Die Klause» an über einen vereinsamten Mann, der die Heckenschere nicht mehr finden konnte und nur noch von den Spatzen beobachtet wurde. In «Schwarz» ist vom Nachbarn nur sein schwarzer Stuhl geblieben. Die Protagonisten sind namenlos, dezent die literarischen Reverenzen. Schön, wie Irène Bourquin Erzählperspektiven wechselt und oft einen überraschenden Ausgang wählt. Manch Abschied ist in diesen Geschichten, auch in «Iphigenie»: Nach seinem Tod blühten in ihrem Garten so viel Blumen wie noch nie. «Still stand sie am Fenster. Leise klopfte er an. Seit er gegangen war, wohnte er in ihrem Schulterblatt.»

Irène Bourquin: Im Bauch des Hauses, Waldgut, 142 S., Fr. 26.–

Gut gescheitert

Tochter des Literaturnobelpreisträgers Patrick Modiano zu sein und gegen ihn zu bestehen: Marie Modiano ist es nicht gelungen in ihrem zweiten Roman, der als erster auf Deutsch erschienen ist in der Edition Blau, die mit Leta Semadeni oder Romana Ganzoni wunderfeine Autorinnen herausgibt. Modiano verwebe «das unbehauste Dasein einer jungen Künstlerin mit dem Widerhall einer frühen, tiefen Liebe». Das muss schiefgehen. Die Handlung in «Ende der Spielzeit» – die junge Protagonistin spielt Theater wie die Autorin – scheint halb autobiografisch (nett), halb fiktiv (besser), sie ist unspektakulär und kaum atmosphärisch. Die Sprache schlicht und fast trivial, doch trotz schöner szenischer Details kommt wenig Stimmung auf.

Marie Modiano: Ende der Spielzeit, Edition Blau, Rotpunktverlag, 174 S., Fr. 26.–

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