Gurlitts Berner Vermächtnis

Der verstorbene Kunstsammler Cornelius Gurlitt hat seine millionenschwere Bildersammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht. Das bayerische Kunstministerium prüft die Angelegenheit.

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Das Kunstmuseum Bern. (Bild: ky/Gian Ehrenzeller)

Das Kunstmuseum Bern. (Bild: ky/Gian Ehrenzeller)

Cornelius Gurlitt, der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, war am Dienstag im Alter von 81 Jahren in seiner Münchner Wohnung gestorben. Er war seit Monaten schwer krank. Gestern nun wurde bekannt, dass er seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht hat – obwohl zwischen Gurlitt und dem Museum nie Beziehungen bestanden hatten.

Dankbar und überrascht

Der Stiftungsrat und die Direktion des Kunstmuseums zeigten sich einerseits dankbar und freudig überrascht. Anderseits wolle man aber auch nicht verhehlen, dass das Vermächtnis der Institution eine erhebliche Verantwortung und eine Fülle schwierigster Fragen aufbürde, schreiben die Verantwortlichen in einer Mitteilung.

Schwerwiegende Fragen

Dabei geht es insbesondere um Fragen rechtlicher und ethischer Natur. Konkrete, sachbezogene Stellungnahmen will das Museum dazu erst nach Einsicht der relevanten und einem ersten Kontakt mit den zuständigen Behörden abgeben.

Das bayerische Kunstministerium will die Sammlung auf ihre Bedeutung für das deutsche Kulturgut prüfen. «Unser Ministerium wird die Kunstwerke unter dem Gesichtspunkt national wertvollen Kulturguts überprüfen müssen und entsprechende Werke auch in diese Liste aufnehmen», hiess es. Bei einer Ausfuhr der Sammlung könnte das Gesetz zum Schutz deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung greifen. Das Gesetz besagt, dass Werke, die im «Verzeichnis national wertvolles Kulturgut» aufgelistet sind, bei Ausfuhr ins Ausland eine amtliche Genehmigung benötigen.

«Von Bild zu Bild»

Nach Ansicht des Münchner Erbrechtsexperten Anton Steiner könnte das für einzelne Werke aus der Sammlung Gurlitt gelten. «Es wird von Bild zu Bild zu betrachten sein», sagte er. Ob das Gesetz zur Anwendung komme, wenn die Bilder nicht verkauft, sondern in einem deutschsprachigen Museum ausgestellt werden sollen, das sei «allerdings mehr als fraglich». (sda)

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