Guatemalas Kinder in Schweizer Kinos

Der Toggenburger Filmemacher Thomas Rickenmann hat mit «Silvesterchlausen» und «Z'Alp» Kinoerfolge gefeiert. Morgen läuft sein neuer Film «Chiquitos» an. Rickenmann hat Kinder in Guatemala porträtiert, die so verschieden sind wie die Kulturen im Land.

Mirjam Bächtold
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Jenni, die «Mayaprinzessin» – eines von drei porträtierten Kindern in «Chiquitos». (Bild: Outnow)

Jenni, die «Mayaprinzessin» – eines von drei porträtierten Kindern in «Chiquitos». (Bild: Outnow)

WATTWIL. Es ist der 21. Dezember 2012, der Mayakalender geht zu Ende, man wartet auf den Weltuntergang. Thomas Rickenmann und Sarah von Niederhäusern sind mit ihrer Kamera an vorderster Front dabei und werden Zeugen einer Zeremonie in einem Mayadorf in Guatemala. «Hier herrschte überhaupt keine Untergangsstimmung. Im Gegenteil: Der Beginn einer neuen Ära wurde gefeiert», sagt Rickenmann. Gemeinsam mit seiner ehemaligen Cevi-Kollegin Sarah von Niederhäusern ist er Ende 2012 für einen neuen Dokfilm nach Zentralamerika gereist. «Ein Maya-Schamane sagte uns, dass nun eine Ära der Versöhnung und des Lichts beginne und dass die Kinder diese neue Ära prägen werden», sagt Sarah von Niederhäusern. Das brachte die Kleinkinderzieherin und den Filmemacher auf die Idee, drei Kinder zu porträtieren.

Sechsjährige vertritt ihr Dorf

Die drei Kinder, die Rickenmann und von Niederhäusern ausgewählt haben, sind so unterschiedlich wie die Kultur in Guatemala. Jenni ist sechs Jahre alt und lebt in einem Dorf, in dem die Mayakultur noch stark präsent ist. Jenni hat im Dorf einen ganz besonderen Stellenwert: sie ist Maya-Prinzessin, gewählt für ein Jahr. In dieser Zeit vertritt sie das Dorf nach aussen bei Festen und offiziellen Anlässen.

Eindrücklich hat Thomas Rickenmann die Szene eingefangen, in der das Mädchen eine Rede über den Schutz der Umwelt übt. «Für ihr Alter war Jenni sehr reif und sozial sehr stark», sagt Sarah von Niederhäusern. Während mehrerer Tage haben sie und Thomas Rickenmann bei Jennis Familie gelebt. «Wir wurden sehr herzlich aufgenommen, die Gastfreundschaft dieser Menschen ist beeindruckend», sagt der 37jährige Filmer. Dadurch waren sie mitten im Geschehen, die Kamera immer dabei, und Thomas Rickenmann gelangen sehr authentische Aufnahmen. Sie haben Jenni zu einem Mayafest einer anderen Prinzessin begleitet, ein Erlebnis, das man als Tourist nie zu sehen bekommt.

Eindrückliche Kontraste

Um den fünfjährigen Amil zu besuchen, ist das Filmteam auf dem Fluss Rio Dulce in den Dschungel gefahren. Die sechsköpfige Familie lebt in sehr armen Verhältnissen in einem Haus auf Stelzen am Fluss. Die Menschen dort leben von dem, was der Fluss ihnen bietet, und essen sonst hauptsächlich Reis. «Was wir hier sahen, ging uns sehr nahe. Das Essen ist immer knapp und die Kinder können nur hoffen, dass die Eltern die Schulhefte bezahlen können», erzählt von Niederhäusern.

Zur Schule fährt Amil im Holzboot. Nach den Ferien müssen die Kinder dort als erstes das Schulzimmer und die Toiletten putzen, bevor der Unterricht beginnt. Ein krasser Gegensatz dazu sind die Aufnahmen aus der Privatschule in Guatemala-Stadt, die Rebeca besucht. Die Eltern der Fünfjährigen haben gute Arbeitsstellen und gehören der Mittelschicht an, die drei Kinder der Familie wachsen behütet auf. «Es war uns wichtig, diese Kontraste aufzuzeigen. Wir wollten im Film nicht alles schönreden, aber auch nicht nur das Elend zeigen», sagt von Niederhäusern. Es ist den beiden gelungen, die zwei Seiten des Landes auf eindrückliche Weise dem Zuschauer näherzubringen. Die Aufnahmen aus den Slums neben der Müllhalde gehören ebenso dazu wie die fröhlichen Szenen der Mayafeste oder des Weihnachtsfests in der Hauptstadt.

Ab morgen in diversen Kinos der Ostschweiz zu sehen