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Grotesken mit Pfiff

Leos Carax zeigt mit «Holy Motors» entfesseltes Kino, Mani Haghighi legt mit «Modest Reception» eine bissige Parabel über die Verführungskraft des Geldes vor.
Walter Gasperi

Nach dreizehn Jahren Pause legt Leos Carax mit «Holy Motors» eine filmische Achterbahnfahrt vor, die ihresgleichen sucht. Nach einem an David Lynch erinnernden Prolog folgt Carax Monsieur Oscar durch einen Arbeitstag. Während er sich von seiner Chauffeurin in einer Stretchlimousine durch Paris fahren lässt, hat er zehn Aufträge zu erledigen, für die der vom sensationell wandlungsfähigen Denis Levant gespielte Mann sich in zehn völlig unterschiedliche Typen verwandelt.

Monsieur Oscar verwandelt sich

Verlässt Oscar die Vorstadtvilla als Familienvater und Geschäftsmann, so steigt er bald als bucklige osteuropäische Bettlerin aus dem Wagen, raubt später als wilder Kanalmensch ein Model von einem Fotoshooting oder trauert mit Kylie Minogue in einer phantastischen Musical-Szene einer verlorenen Liebe nach.

Schräg ist dieser Film, aber nie kopflastig, sondern – sofern man sich darauf einlässt – mitreissend in seiner entfesselten Lust am Fabulieren und seinem Einfallsreichtum. Hier gibt es keine vorgezeichneten Bahnen, mit jeder Szene überrascht der Franzose aufs neue. Man mag zunächst den Eindruck gewinnen, einem filmischen Trip beizuwohnen, der zwar aufregend ist, sich letztlich aber auf eine Liebeserklärung an das Kino reduzieren lässt. Aber es kristallisiert sich durch Wiederholungen und Parallelen zunehmend heraus, dass «Holy Motors» auch eine Reflexion über die Vielfalt des Lebens und seine Vergänglichkeit ist. Zweifellos mehrmals müsste man diesen atemberaubenden Geniestreich sehen, um seinen Reichtum auch nur annähernd erfassen zu können.

Trügerische Geldgeschenke

Im Gegensatz zum nie zur Ruhe kommenden «Holy Motors» ist Mani Haghighis «Modest Reception» ganz linear und scheinbar einfach angelegt. Hundert Minuten begleitet man einen Mann und eine Frau, die durch eine karge iranische Bergregion fahren, um Geldsäcke zu verteilen. Weder erfährt man, in welcher Beziehung die beiden zueinander stehen, noch, woher sie das Geld haben und wieso sie es verschenken. Äussern sie sich dazu doch einmal, so kann dies genauso gut eine Lüge sein. Dass ihnen nicht zu trauen ist, zeigt schon die Eröffnungssequenz, in der sie sich vor einem Grenzpolizisten heftig streiten, ihm schliesslich Geldsäcke vor die Füsse werfen und lachend von dannen fahren.

Durch kein Dorf und keine Stadt kommen sie, stoppen mal bei einer Raststätte, dann beim Zelt eines Hirten. Immer aggressiver und teuflischer werden die Spiele mit dem Geld. Harmlos mag es noch sein, wenn sie den Hirten mit einem Trick überreden, das Geld für sie aufzubewahren, grimmiger ist schon, wie der Mann einen Lehrer überredet, ihm gegen Geld sein totes Baby zu geben, um es den Hunden zum Frass vorzuwerfen. Bissig zeigt Haghighi, der auch die männliche Hauptrolle spielt, in dieser Parabel, wie Geld den Menschen verdirbt, wie jeder käuflich ist und die Moral auf der Strecke bleibt.

Im Kinok: Holy Motors: Heute Fr, 19.15 Uhr; Morgen Sa, 21.30 Uhr; 10.12., 20.30 Uhr; 15.12., 19 Uhr; 19.12., 20.30 Uhr; 22.12., 19 Uhr; 30.12., 20 Uhr. Modest Reception: 9.12., 20 Uhr; 14.12., 19.30 Uhr; 16.12., 20 Uhr; 18.12., 18.15 Uhr; 21.12., 21.30 Uhr; 29.12., 19.30 Uhr

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