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Schauspielerin Sarah Sophia Meyer: «Mit zunehmenden Alter verschwinden Frauen von der Bildfläche.»

Für ihre Rolle im «Zwingli»-Film heimste Sarah Sophia Meyer viel Lob ein. Dass der Schweizer Filmpreis als beste Hauptdarstellerin an eine andere ging, stört die St.Gallerin keineswegs. Im Interview spricht sie über ihre Arbeit als Schauspielerin.
Interview: Christoph Sulser
Sarah Sophia Meyer feierte im Februar ihr 10-Jahre-Bühnenjubiläum. (Bild: Thomas Hary)

Sarah Sophia Meyer feierte im Februar ihr 10-Jahre-Bühnenjubiläum.
(Bild: Thomas Hary)

Der «Zwingli»-Film ist mit über 220 000 Eintritten ein grosser Erfolg in den Schweizer Kinos. Macht man sich vor den Dreharbeiten Gedanken darüber, ob ein Film kommerziell erfolgreich sein wird?

Sarah Sophia Meyer: Der Gedanke schwingt natürlich immer ein wenig mit. Die Schauspielerei braucht ein Publikum, wir sind darauf angewiesen. Bei «Zwingli» hatte ich schon zu Beginn das Gefühl, dass es gut kommen könnte. Einerseits kannte ich die bisherigen Filme des Regisseurs Stefan Haupt – zum Beispiel fand ich als Jugendliche seinen Film «Utopia Blues» aus dem Jahr 2001 grossartig. Andererseits hörte sich das Thema vielversprechend an: Wie verfilmt man das Leben von Zwingli, wie stellt man diese Epoche dar?

Zwingli-Darsteller Max Simonischeck sagte, er bevor­zuge Rollen, in denen er etwas lerne. Zwingli sei so eine Rolle gewesen. Wie ist das bei Ihnen?

Ich finde es toll, wenn man sich immer wieder mit neuen, unterschiedlichen Themen, Figuren und Epochen auseinandersetzen kann. Bei Zwingli habe ich wahnsinnig viel über die damalige Zeit, die Reformation und das Kirchensystem gelernt. Ich wusste sehr wenig darüber und wahrscheinlich hätte ich mich ohne meine Filmrolle auch nicht von selbst damit befasst.

Sie gehören zum festen Ensemble des Schauspielhauses Graz. Was liegt Ihnen mehr, Film oder Theater?

Theater ist mein Alltag. Es ist das, was ich immer mache. Gerade diesen Februar hatte ich mein 10-Jahre- Bühnenjubiläum. Filmemachen ist da eher ein «Plus» und kommt er­gänzend hinzu. Ich könnte nun aber nicht sagen, dass ich das eine dem anderen vorziehe.

Und wo liegen schauspielerisch die Unterschiede zwischen Theater und Film?

Im Theatersaal muss man von der Bühne aus 600 Leute erreichen. Das bedingt vollen Körpereinsatz und ein «grösseres» Spiel. Im Gegensatz dazu ist das Schauspiel vor der Kamera feiner. Mit der Kamera spielt die Mimik und das Gesicht eine viel grössere Rolle. Auch darin, wie sich ein Theaterstück oder ein Film entwickelt, gibt es grosse Unterschiede.

Die 34-Jährige gehört zum festen Ensemble des Schauspielhauses Graz. (Bild: Thomas Hary)

Die 34-Jährige gehört zum festen Ensemble des Schauspielhauses Graz.
(Bild: Thomas Hary)

Inwiefern?

Im Theater proben wir sechs bis sieben Wochen. In dieser Zeit kann man einiges ausprobieren und das Stück gemeinsam mit der Regie und den Spielpartnern entwickeln. Danach tritt man live vor Publikum auf. Pro Abend hat man eine Chance. Dennoch sind über die gesamte Spielzeit gesehen kleine Veränderungen durchaus noch möglich. Beim Film hingegen gibt man die Verantwortung über seine Figur viel früher ab. Die ganze Konzentration ruht auf einer Szene, die so lange gedreht wird, bis es passt.

Für Ihre Rolle der Zwingli- Ehefrau Anna Reinhart waren Sie für den Schweizer Filmpreis als «Beste Darstellerin» nominiert. Was bedeutete Ihnen diese Nomination?

Ich habe mich sehr darüber gefreut, gerade auch weil die Nomination meiner ersten Kino-Hauptrolle galt. Dass schlussendlich Judith Hofer als über 50-Jährige den Preis als beste Darstellerin im Film «Der Unschuldige» bekommen hat, freut mich jedoch extrem. Bis zum 30. Lebensjahr sind Schauspielerinnen genauso oft in Filmen zu sehen, wie männliche Schauspieler. Mit zunehmendem Alter verschwinden Frauen von der Bildfläche.

«Ab 60 Jahren liegt das Verhältnis von Frauen zu Männern bei eins zu vier. Von daher ist es sehr okay, dass ich nicht gewonnen habe.»

Lesen Sie Film- oder Theater-Kritiken über sich?

Ja, lese ich, jedoch nicht alles. Meistens über Theaterproduktionen, in denen ich mitspiele. Dabei versuche ich, zu abstrahieren: Ist die Kritik konstruktiv, differenziert oder nur ein Verriss? Schlussendlich stammt die Kritik immer nur von einer Person und ist eine Stimme von vielen. Ich lasse mich jetzt nicht allzu sehr davon beeinflussen.

«Schauspielerinnen und Schauspieler haben ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht.» – Stimmt diese Aussage oder geht es manchmal auch «nur» um Arbeit?

Der Schauspiel-Beruf ist nicht so romantisch, wie man sich das gemeinhin vorstellt. Natürlich bin ich überaus froh, dass ich ihn ausüben und davon leben kann. Es gibt aber auch Zeiten, in denen man einfach seinen Job macht. Ein Unterschied zu anderen Berufen ist vielleicht, dass ich nach Feierabend etwas mehr Zeit brauche, um runterzukommen – da mein Körper und meine Stimme quasi die Werkzeuge sind, mit denen ich arbeite. Doch gibt es auch genügend andere Berufe, bei denen man etwas länger braucht, um abzuschalten.

Sie wohnen seit über drei Jahren in Graz, dessen Altstadt und Schloss zum Unesco-Weltkulturerbe zählen. Sehen Sie «Ihre» Stadt nun anders, seit Sie im Historiendrama «Zwingli» mitgespielt haben?

Ich habe mich irgendwann einmal gefragt, wie sich der Glaube in Graz präsentiert. Plötzlich ist mir der pompöse, mit Gold ausgestattete Dom aufgefallen – ein Aspekt, den ich vor Zwingli so nicht beachtet habe. Von der Architektur her ist Graz jedenfalls eine sehr interessante Stadt.

Neben Ihrer Familie, vermissen Sie etwas aus der Ostschweiz?

Der Alpstein und die einzigartige Natur. Und auch die Bratwurst. In Graz gibt es zwar Schnitzel und Käsekrainer (geräucherte Brühwürste mit Käse gefüllt, red.) als Spezialitäten, doch das ist nicht so meins.

Sarah Sophia Meyer

Bereits während des Studiums an der Otto-Falckenberg Schule in München spielte Sarah Sophia Meyer (1984 geboren) an den Münchner Kammerspielen. Später folgten Theater-Engagements in Stuttgart, Bochum, Bern und Heidelberg. Neben ihrer Tätigkeit am Theater spielte die Ostschweizerin vor «Zwingli» in Serien wie «Tatort» und «Der Bestatter» mit, sowie 1994 im Kinofilm «Schellen Ursli».

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